Recht versichert: Wer zahlt im Schadensfall?

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Hundehalter sind auch für Versicherungen ein interessantes Klientel: Viele Hundehalter schließen freiwillig – oder weil diverse Bundesländer dies in ihren Hundegesetzen verpflichtend vorschreiben – Haftpflichtversicherungsverträge ab. Manche versichern ihre Hunde gegen Krankheit oder jedenfalls gegen das Kostenrisiko teurer Operationen. Letztlich gibt es auch Versicherungsgesellschaften, die spezielle Rechtsschutzversicherungen für Hundehalter anbieten.

Die bedeutsamste und ­wichtigste Versicherung eines jeden Hundehalters ist fraglos die (Hundehalter-) Haftpflichtversicherung. Denn Halter von Hunden haften gem. § 833 BGB verschuldens­unabhängig für ­Schäden, die ihre vierbeinigen Be­gleiter verursachen. Und diese Schäden ­können existenzbedrohend oder gar -vernichtend sein, wenn etwa ein entlaufener Hund einen schweren Verkehrsunfall ver­ursacht oder einen Menschen verletzt. Darum sollte ein Versicherungsvertrag mit ausreichend hohen Mindestversicherungssummen abgeschlossen werden. Nach dem Landeshundegesetz NRW bspw. sind Halter großer und gefährlicher Hunde sowie solche bestimmter Rassen verpflichtet, eine Haftpflichtversicherung für Personen- und Sachschäden mit einer Mindestversicherungssumme von 500.000 Euro für Personen­schäden und in Höhe von 250.000 Euro für sonstige Schäden abzu­schließen und aufrechtzuerhalten. Viele Assekuranzen bieten allerdings noch weit höhere Versicherungs­summen an.

Doch selbst die höchsten Versicherungssummen helfen nicht in jedem Fall, wie der folgende kleine Fall zeigt:

Stefan Schlunz ist Halter eines jungen, noch etwas ungestümen und uner­zogenen Boxerrüden namens Rudi. Als Stefan einen Arzttermin wahrnehmen muss und nicht absehen kann, wie lange dieser dauert, bittet er seine Bekannte Susi Sorgfalt, seinen Hund auszuführen. Diese geht mit dem unangeleinten Rudi über den Bürgersteig, als eine ältere Dame aus einem Hauseingang heraustritt. Rudi springt freudig erregt an der Frau hoch und stößt sie dabei um. Sie erleidet einen Oberschenkelhalsbruch.

Ein klarer Fall für die Tierhalterhaftpflichtversicherung? Grundsätzlich schon. Denn in aller Regel ist auch die gesetzliche Haftpflicht des nicht gewerbsmäßigen Tierhüters mitver­sichert, d.h. die Versicherung tritt auch dann ein, wenn nicht der Halter, sondern bspw. ein Freund oder Verwandter mit dem Hund unterwegs ist und sich dann ein Schaden ereignet.

Der Fall geht aber weiter:

Susi informiert Stefan nach dem Vorfall und bittet ihn, den Schaden doch sofort seiner Haftpflichtversicherung zu melden. Stefan ruft daraufhin bei seinem Versicherer an. Der Sach­bearbeiter teilt ihm allerdings mit, dass kein Versicherungsschutz besteht, weil Stefan seinen fälligen Versicherungs­beitrag nicht gezahlt hat. Die geschädigte ältere Dame schaltet daraufhin einen Anwalt ein. Da Stefan indes schon eine eidesstattliche Versicherung abgegeben hat und bei ihm nichts zu holen ist, nimmt der Anwalt Susi in Anspruch, weil sie gewusst habe, dass der Hund ungestüm und wild sei und ihn trotzdem ohne Leine durch die Stadt habe laufen lassen. Dies stelle, so der Anwalt, ein schuldhaftes Verhalten dar, so dass Susi seiner Mandantin gem. § 823 BGB auf Schadensersatz und Schmerzensgeld hafte. Susi ist verzweifelt.

Für derartige Sachverhalte kann es allerdings einen Notnagel geben. Denn wenn Susi eine private Haftpflichtversicherung unterhält, bestehen gute Chancen, dass in dieser das nicht gewerbliche Hüten fremder Hunde mitversichert ist. ­Erforderlich ist in­sofern aber immer, dass das Hüten eines fremden Hundes nur eine Gefälligkeit sein darf, die gelegentlich vorkommt. Jeder Hundehalter oder -führer sollte daher seine Versicherungsverträge kennen, bevor er ­seinen Hund ausführen lässt oder den Hund eines anderen spazieren führt.

Letztlich kann jedem Hundehalter im Umgang mit seiner Versicherung nur Folgendes geraten werden:

  • Den Versicherungsantrag vollständig und wahrheitsgemäß ausfüllen. Insbesondere sind Fragen zur Rasse des Hundes und zu etwaigen Vorfällen mit dem zu versichernden Hund in der Vergangenheit anzu­geben, wenn danach gefragt wird.
  • Versicherungsbeiträge immer pünktlich zahlen.
  • Schäden – selbst wenn sie anfangs marginal erscheinen sollten – immer schnellstmöglich, spätestens innerhalb einer Woche nach dem Vorfall, dem Versicherer melden.
  • Dem Versicherer wahrheits­gemäße und vollständige Angaben zum Schadenshergang machen und zügig auf Nachfragen des Versicherers reagieren.
  • Dem Versicherer sofort Mitteilung machen, wenn Anforderungs­schreiben des Geschädigten, von dessen Anwalt, Mahnbescheide, Klagen etc. eingehen; ebenso, wenn ein strafrechtliches Ermittlungs­verfahren eingeleitet wurde.
  • Ohne Abstimmung mit dem Versicherer keine Zahlungen an den Geschädigten leisten und auch ­keine Anerkenntnisse abgeben.
  • Denn der Haftpflichtversicherer ist nach den Versicherungsbedingungen für die Regulierung des Schadens verantwortlich. Hält er den Anspruch des Geschädigten für begründet, wird gezahlt. Trifft den Geschädigten ein Mitverschulden, wird dessen Anspruch nur teil­weise befriedigt. Hält der Versicherer einen Anspruch nicht für gegeben, wird er Zahlungen verweigern. Verklagt der Geschädigte den Hundehalter in einem solchen Fall, übernimmt der Versicherer auch die Prozessführung und die damit ­verbundenen Kosten.

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