Redaktionshund Pauli: Ein Leben beginnt

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Ein Hundeleben beginnt. Seien Sie dabei, wenn der neue WUFF-Redaktionshund einzieht und verfolgen Sie mit, was Pauli alles erlebt. In dieser Ausgabe geht es um die ersten Wochen im neuen Zuhause. Pauli lernt seine ersten großen Hunde-Freunde kennen und flirtet mit den Damen auf der Straße und im Büro …

Am 13. Januar dieses Jahres hat der ehemalige WUFF-Redaktionshund Bruno „die Bühne verlassen“. Leider für immer. Er ist – wie in Heft 4/18 nachzulesen – an einer Krebserkrankung nach kurzem Leiden im Alter von nur 10,5 Jahren verstorben. Nach einer Zeit der Trauer ist nun im Juni ein kleiner Wirbelwind im Hause WUFF eingezogen. Es ist schon ungewohnt, wenn alles wieder bei Null beginnt. Alle Selbstverständlichkeiten eines Hundes, mit dem man sein Leben verbracht hat, sind plötzlich nicht mehr selbstverständlich. Oft wird die Erziehung eines Welpen mit der eines Kindes verglichen, und tatsächlich ist da gar kein so großer Unterschied – außer dass es bei Hunden schneller geht. Anfangs keine Nacht durchschlafen, gefühlte 100 Mal am Tag hinausgehen, damit er bald stubenrein wird usw.

Welpenerziehung
Abgesehen von den Basics ist so eine Welpenerziehung auch eine große Verantwortung. Ist ein Hund in der Prägephase (ca. 8.-12. Lebenswoche) doch wie ein Schwamm, der alles Erlebte in sich aufsaugt. Gutes und Schlechtes. Was der Hund in dieser Zeit erlebt, bleibt sein Leben lang gespeichert und prägt ihn. Nun neigt man bei einem so kleinen süßen Hund dazu, ihm viele Dinge durchgehen zu lassen, die man einem erwachsenen Hund nicht erlauben würde. Es ist ja alles so putzig und lieb. An Menschen hochspringen wird fast jedem Welpen erlaubt, doch wenn er dann einmal 40 Kilo hat, ist es nicht mehr so putzig und lieb. Abgewöhnen wird dann zu einem schweren Unterfangen. So verhält es sich mit vielen Dingen in der Welpenerziehung. Auf der anderen Seite soll der kleine Hund aber viel Nähe und Kontakt zu Menschen – auch zu fremden – haben. Eine gute Lösung ist hier, den Welpen nicht hochspringen zu lassen, sondern sich als Mensch auf sein Niveau hinabzubegeben, d.h. z.B. sich auf den Boden zu setzen oder zu knien.

Pauli kommt
Am 9. Juni ist es endlich soweit und der lang ersehnte Termin ist da – die Abholung steht vor der Tür. Pauli hat sechs Geschwister und ist von der Züchterin vorbildlich aufgezogen worden. Er ist mit drei anderen Hunden und einer Katze aufgewachsen. Wie würde er sich wohl verhalten, wenn er von seinen Geschwistern und seiner Mutter wegkommt, habe ich mich gefragt. Herausgerissen aus seinem sicheren und gewohnten Umfeld. Als kleine Starthilfe wurde bereits ein paar Tage vor der Abholung eine Decke bei der Hundemutter und den Geschwistern deponiert, damit er seinen gewohnten Geruch „mitnehmen“ kann und ihm so der Abschied leichter fällt. Bis auf ein paar kurze „Jammerer“ während der Heimfahrt im Auto hat sich Pauli jedoch gut geschlagen.
Zu Hause angekommen, schien der Verlust seiner Mutter und Geschwister schon vergessen. Aber er wurde von mir auch 24 Stunden am Tag gut betreut. Viele Schmuseeinheiten, Spielen, Bindungsaufbau. Pauli ist ein selbständiger Kerl, der schon wenige Minuten nach der Ankunft im neuen Zuhause den Garten selbständig inspiziert hat. Ich bin in der glücklichen Lage, meinen Hund fast immer bei mir haben und natürlich auch ins WUFF-Büro mitnehmen zu können, das sich gleich neben dem Privathaus befindet. Auf der anderen Seite frage ich mich, wie es nicht selbständigen, berufstätigen Menschen möglich ist, einen Welpen aufzuziehen. Pauli braucht – jedenfalls in den ersten Wochen – enorm viel Aufmerksamkeit, und mein übliches Arbeitspensum erreiche ich in dieser Zeit nicht. Ich plädiere daher für eine „Hundeelternzeit“ mit anschließendem Mitnahmerecht für den Hund in die Arbeit. Das wär‘s, aber davon sind wir leider noch weit entfernt. Lesen Sie zu diesem Thema auch den Artikel „Was wünschen sich Hunde von uns?“.

Die Erziehung beginnt sofort
Ich kann nur jedem Welpenhalter empfehlen, mit der Erziehung ab dem ersten Tag zu beginnen. Natürlich nur spielerisch und sanft. In den ersten sechs Monaten ist es ein Leichtes, dem Hund die wichtigsten Dinge beizubringen. Er ist lernbegierig und aufnahmefähig. Wenn später die Pubertät beginnt, hat man den vielfachen Aufwand für Lernerfolge, die im Welpen­­alter spielend leicht gehen. So wichtig der Bindungsaufbau zum Welpen ist, so wichtig ist auch das Erlernen vom Alleinebleiben und der Umgang mit Frust. Wenn das ein Hund im Welpenalter nicht lernt, kann man später ein großes Problem bekommen. Hunde mit mangelnder Frustrationstoleranz neigen zum Zerstören der Einrichtung. Natürlich ist jeder Hund anders, aber mein Pauli war nach einer Woche bereits so stark auf mich fixiert, dass ich umgehend mit dem Alleinebleiben-Üben beginnen musste.

Das Thema Welpenspielgruppen ist so umfangreich, dass ich es hier nur streifen kann. Ich bin kein Fan von Welpengruppen, weil es eine passende Zusammensetzung in Größe und Alter der Hunde so gut wie nie gibt. Und dann lernen die Welpen auch oft noch, wie man „richtig“ balgt, rauft und mobbt. Diese Erfahrung ist meiner Meinung nach überflüssig. Für viel besser halte ich es, den Welpen mit souveränen, dem Hundehalter bekannten, erwachsenen Hunden mit gutem Sozialverhalten zusammenzubringen. Solche Sozialkontakte sind für Welpen unabdingbar wichtig, aber sie sollten kontrolliert und unter Aufsicht stattfinden. Pauli hat mittlerweile schon viele „Erwachsenen-Freundschaften“ geschlossen, und so hoffe ich darauf, dass aus ihm einmal ein umgänglicher American Bulldog-Rüde wird.
Letztens war ich mit Pauli bei guten Freunden, die auch zwei Hunde haben. Einen 13-jährigen Dogo-Argentino-Mix und einen 7-jährigen Bordercollie-Mix. Pauli hat sofort Gefallen an den langen Haaren des Borders gefunden. Er hat ihn umkreist, zum Spielen aufgefordert, etwas in die Beine gekniffen und ist von Minute zu Minute frecher geworden. Als Pauli ihn dann am Rutenbehang gezogen hat, wurde er zurechtgewiesen. Lektion gelernt. Welpen, die solche Grenzen nicht rechtzeitig lernen, könnten später einmal zu einem Problem werden. Muss nicht sein, kann aber.

Er muss mit …
Ich versuche, Pauli so oft wie möglich mitzunehmen. Natürlich ist es anstrengend, im Restaurant einen kleinen Quälgeist neben dem Tisch zu haben. Aber wann sollte er es lernen, wenn nicht jetzt? Im Stadtgebiet (wir haben hier eine Kleinstadt, wo man sich kennt) ist es kaum möglich, flott voranzukommen. Vorrangig Frauen suchen den Augenkontakt zu mir, um dann nach ein paar Worten schlussendlich mit Pauli auf dem Boden zu knuddeln. Auch das ist Prägung. Eine ältere Dame mit strengem Blick mustert mich im Kaffeehaus und fragt schließlich mit im Ton ansteigender Stimme resolut: „Und? Wird das hoffentlich mal ein Lieber?“ Ich denke mir: „Stellen Sie es sich mit ihm gut. Er bekommt mal 40 Kilo“, doch antworte ich freundlich ganz anders …
Ja, so ein Welpe ist schon ein toller ­Kommunikator. Wenn in meinem Stamm-Mittagslokal im Garten kein Platz frei ist und ich meine Blicke suchend über den Garten schweifen lasse, wird regelrecht um mich – pardon, Pauli – gebuhlt. Ich kann es mir jetzt aussuchen, zu wem ich mich dazusetze. Meine Freunde sind ganz neidisch wegen des „Damenansturms“ und haben mich schon gefragt, ob ich nicht ihre Visitenkarten deponieren könne.
Spaß beiseite – Hunde allgemein sind tolle Kommunikatoren und bringen Menschen zusammen, die sich sonst nie kennen­­gelernt hätten.

Wer erzieht wen?
Hunde sind Meister in der Menschenerziehung. So auch Pauli. Bereits nach einer Woche hat er mich perfekt darauf konditioniert, dass ich – wenn er mich mit Bocksprüngen anblödelt und Richtung Küche rennt – ihm folge, worauf er dann vor der Futterbox sitzt und sie anstarrt. Es ist Futterzeit. Ob und wie weit man sich auf solche „Erziehungsmaßnahmen durch den Hund“ einlässt, muss jeder selber entscheiden. Solange es einem bewusst ist, dass man gerade vom Hund „benutzt“ wird, ist es ja kein Problem. Aber ganz oft wenden Hunde diese Taktik so subtil an, dass man es kaum merkt. Es sind eben sehr intelligente Wesen, die man oft unterschätzt. Ganz viele Hunde erziehen ihre Menschen und dann wundern sich diese Menschen, wenn Hund ihre Kommandos nicht befolgt. Hunde lernen das, was ihnen wichtig ist, sehr schnell. Unsere Kunst ist es, Dinge, die uns wichtig sind, den Hund glauben zu machen, sie seien auch ihm wichtig.

Fazit
Pauli ist ein wirklich lieber Hund und ein Glücksfall, soweit ich das in dieser kurzen Zeit beurteilen kann. Ich bin sehr froh, dass ich genau ihn bekommen habe. Pauli wird als neuer WUFF-Redaktionshund viel erleben, mit mir viel reisen und in WUFF über seine Erlebnisse berichten. Außerdem wird er in jeder Ausgabe auf Seite 3 zusammen mit dem WUFF-Herausgeber posieren. Bleiben Sie dran.

Pdf zu diesem Artikel: redaktionshund_pauli

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1 Kommentar

  1. Guten Morgen Pauli,

    ich bin ganz gespannt auf deine Abenteuer, die mir mein Sahib , MEIN Mensch dann immer vorlesen will, wenn ich ihn ganz subtil mit seiner Nase auf deine Artikel stosse HIFF-BIFF (Grinsgesicht).

    Liebe Grüsse
    Asja Van Merelbeke
    AmStaDeuSchäfKangalin und Hausdiva „Hef-Beff“ (Lach)