Reisen im Rudel

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Raus aus dem Alltag, ein Jahr Urlaub machen, einen neuen Kontinent entdecken, mit der Wildnis und in der Natur leben, verborgene Instinkte erwecken, über seinen eigenen, beschränkten Horizont blicken … ein Traum?
Noch im Oktober vorigen Jahres waren wir nur ein kleines Rudel, Rodos, Bonita und ich, ein eingespieltes Team, das zusammenhielt. Rodos, ein fünfjähriger Terriermischling, dem ich das Leben rettete, als ich ihn mit drei Monaten halb verhungert an einem Strand in Griechenland fand und Bonita, eine vierjährige Mischlingshündin aus Spanien, die abgemagert und verängstigt vor zwei Jahren zu mir kam.

Wie alles begann…
Rodos und Bonita sind zwei großartige Hunde, mit einem typisch südländischen Charakter. Sehr sozial in ihrem Verhalten, freundlich gegenüber Menschen, Kindern und Artgenossen, ruhig, neugierig und aufgeschlossen gegenüber Neuem. Noch dazu sind beide bildhübsch, wovon 18, bei Mischlingshundeausstellungen gewonnene Pokale zeugen. Rodos ist das, was man einen „Spitzbuben” nennt, mit seinem treuherzigen „Kulleraugenblick” und dem struppigen Gesicht, das er besonders rund macht (anscheinend hat er schon vom Kindchenschema gehört), wenn er etwas möchte (am liebsten Leckereien vom Tisch), kann ihm kaum einer widerstehen. Ist das Frauchen einmal böse und schimpft mit ihm, schleicht er sich geduckt und schwanzwedelnd heran, wohl wissend, wie er Herzen erweicht.
Bonita widerum ist die Sanfte, Vorsichtige, immer für Zärtlichkeiten und Streicheleinheiten zu haben, die sie auch, wenn es sein muß, vehement einfordert, indem sie mir einfach ihren Kopf auf den Schoß legt und so lange mit der Schnauze stupst, bis sie gestreichelt wird. Spielen musste sie erst lernen, als sie zu mir kam und Vertrauen zu Menschen zu haben, aber inzwischen gibt sie alle Zeit und Geduld, die ich in sie investiert habe, hundertfach mit ihrer Anhänglichkeit, Fröhlichkeit und Freude am Leben zurück.

Hochzeit in Arizona
Ich, das Frauchen der beiden und damals noch Rudelführer, war 31 Jahre,  Angestellte in einem großen Unternehmen, kinderlos und lebte meinen Alltag, wie viele andere auch, neun Stunden im Büro und den Großteil meiner Freizeit für die Hunde. Bis ich im Oktober ‘98 meinen zukünftigen Mann kennenlernte. Und mit ihm das Wissen, daß es noch ein anderes Leben geben kann. Den ersten Hauch von Freiheit schnupperte ich im März dieses Jahres auf einer großen Pferderanch mitten in der Wüste von Arizona (USA), wo ich ihm in einer kleinen, weißen Holzkapelle das Jawort gab. Dort sah ich auch das erste Mal die unendliche Weite und Unberührtheit dieses Landes, und ich begann meinen Mann und seine Liebe zu Amerika  zu verstehen….
Wieder zurück in Wien, reifte in uns der Plan, für ein Jahr auszusteigen, Amerika zu entdecken, Abenteuer zu erleben und das Leben zu spüren… jedoch nicht ohne unsere Hunde!

USA: Keine Quarantäne
Bevor wir also mit der Planung überhaupt begannen, mußten wir die Information einholen, ob Hunde prinzipiell in die Vereingten Staaten einreisen dürfen, ohne einen längeren Quarantäneaufenthalt auf sich nehmen zu müssen. Ein Anruf bei der Botschaft in Wien genügte, um zu erfahren, daß es in den USA – ausgenommen Hawai und Florida – keine Probleme gibt. Die Hunde müssen allerdings älter als sechs Monate sein, einen internationalen Impfpass (Impfungen mindestens 1 Monat alt, aber nicht älter als 1 Jahr)  und ein amtstierärztliches Gutachten (auch in englischer Sprache) besitzen. Dieses erhielt ich beim zuständigen Amtstierarzt ohne großen Aufwand, die Impfpässe und die Hunde genügten, 360,- waren zu bezahlen und die Sache war in zehn Minuten erledigt.
Als ich diese Information hatte, kam der nächste Schritt, ein äußerst schwieriger, wie mir schien, meine Firma zu überzeugen, mich für ein Jahr zu beurlauben. Ich war erstaunt, als ich bereits nach einer Woche die Bestätigung in Händen hielt, daß ich karenziert sei.

Nonstop in die USA
Nun konnten wir zu der eigentlichen Planung übergehen. Ein wichtiger Schritt war den geeigneten Flug zu finden, möglichst einen Nonstop-Flug, um den Hunden ein Umladen zu ersparen. Wir fragten bei Austrian Airlines an, die mit der amerikanischen Fluglinie Delta zusammenarbeitet und einen Direktflug nach Atlanta betreibt, doch Delta wollte uns den Flug für die Hunde nicht bestätigen, offensichtlich da die Vorschriften bei dem Transport von Tieren sehr streng sind.
Als nächstes fragten wir bei der Lufthansa nach, die einen Nonstop-Flug von München nach San Francisco anbietet und diese waren auch sofort bereit, uns mit den Hunden mitzunehmen (der Flug für uns nebst Hunden war in weniger als 5 Minuten bestätigt). Wichtig ist es bei einem Flug mit Hunden unbedingt rechtzeitig zu buchen, da pro Flug höchstens zwei Hunde mitgenommen werden können.

Spezielle Flugboxen
Bei der Lufthansa erfuhren wir auch, daß Hunde über fünf Kilo in einem klimatisierten Frachtraum transportiert werden und in eigenen Flugboxen untergebracht werden müssen. Diese zu erwerben, gestaltete sich etwas schwierig und erforderte einige Anrufe bei diversen Speditionen, bis ich erfuhr, daß Austrian Airlines solche Boxen verkaufte. Ich bekam sie am AUA-Schalter in der Ankunftshalle des Flughafen Schwechat , wo ich nach einigem Ausprobieren die passenden fand. Wichtig war es, die Hunde mitzunehmen, denn die müssen in der Box ausgestreckt liegen, aufstehen und sich umdrehen können. Die Kosten für die beiden Boxen betrugen öS 3120,-.
Die rechtzeitige Anschaffung der Kisten war sehr wichtig (ca. sechs Wochen vor Abflug), da die Hunde vorerst überhaupt nicht hineingehen wollten, mit viel Geduld, Leckerlis und Lob, sie aber inzwischen als ihre Schlafhöhle akzeptiert haben und sich gerne und freiwillig hineinlegen. Die Austattung einer solchen Flugbox sollte sein: Eine Isoliermatte, darüber eine vertraute Schlafdecke, eine Wasserschüssel (sogenannte Überlaufnäpfe, die seitlich einen Rand haben, ich bestellte sie übers Internet in der Schweiz, habe sie aber jetzt auch schon in Wien in Tierzubehörgeschäften entdeckt). Zusätzlich müssen außen an der Box Aufkleber mit „Live Animals” sein, ein großer Zettel kleben, der den Namen des Hundes, Name und Adresse des Besitzers, des Ankunftsflughafens und der Name und die Telefonnummer einer Vertrauensperson, die während des Fluges im Heimatland erreichbar ist, beinhaltet. Die Leinen werden während des Transportes ebenfalls oben auf der Box festgeklebt, da eine Leine vorhanden sein muß, sie aber nicht mit in die Box gegeben werden darf. Es ist daher unbedingt empfehlenswert, eine Reserveleine im Handgepäck mitzunehmen.

Vor dem Einchecken
So verging die Zeit mit der Planung, ein letzter Tierartzbesuch wurde absolviert, die Hunde auf Herz und Nieren nochmals überprüft und ein leichtes Beruhigungsmittel in Form von Tabletten erworben, welches den Hunden eine halbe Stunde vor dem Check-in gegeben wird. Sicher wird das nicht die ganze Reise anhalten, aber sie werden dadurch den Stress der Trennung, des Starts und der ersten Stunden etwas leichter verkraften.
Ich möchte nicht leugnen, daß ich mich vor dem Flug fürchte, daß ich Angst um meine Tiere habe, daß sie großen Stress haben werden … ich weiß auch noch nicht, in welchem Zustand sie sein werden, wenn ich sie wiedersehe, ob sie ganz verängstigt, todmüde oder furchtbar erleichtert sein werden, wenn wir ihre Boxen wieder öffnen … ich werde es Ihnen erzählen, in der nächsten Ausgabe von „WUFF“.

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