Rocky – Dickkopf mit Charme

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Ich darf mich kurz vorstellen: Mein Name ist Rocky, ich bin vier Jahre alt, zehn Kilogramm schwer und ein waschechter Mischling. Wer genau mein Vater ist, weiß ich bis heute nicht, auch meine Mutter war nur kurze Zeit für mich da, dann wurden wir getrennt. Ich war der Letzte meines Wurfes und sah aus wie ein kleiner Eisbär. Auch heute noch gehen die Meinungen über mein Aussehen auseinander. Viele glauben, ich sei ein Bobtailmischling in Kleinformat, ich wurde aber auch schon mit Bearded Collie und Tibet Terrier verwechselt. Mein Frauchen – sie heißt übrigens Alexandra – holte mich, als ich zehn Wochen alt war. Als ich das erste Mal an die frische Luft gesetzt wurde, bekam ich fast einen Kreislaufkollaps, da ich vorher noch nie im Freien war. Auf der Heimfahrt habe ich den Arm meiner zukünftigen Besitzerin komplett angesabbert – vor lauter Aufregung, versteht sich.

Auf zum Hundesport …
Meine Jugend verging recht flott – Alexandra war mit Futter Herrichten, Gassi Gehen, Spielen und nebenbei ein bisschen Erziehen vollauf beschäftigt. Damit es mit der Erziehung besser funktioniert und ich ein paar Hundekumpels treffen konnte, ging sie mit mir in den Welpenkurs. Aber ich war mehr der Typ Einzelgänger, der in einer Ecke saß und darauf wartete, bis ich von diesem Kindergarten erlöst wurde. Anschließend besuchte ich den BGHA-Kurs, den ich mit sehr gutem Erfolg abschloss und auch die BGH1-Prüfung war kein Problem für mich. Nebenbei machte ich bei Agility mit, was mir sehr viel Spaß machte, aber nach dem zweiten Durchgang war für mich Schluss und ich spielte “Toter Hund” (legte mich in die Seitenlage und rührte mich nicht mehr). Warum sollte ich dreimal hintereinander das Gleiche machen – wenn ich den Parcours ohnehin schon zweimal brav gelaufen bin? Überhaupt bin ich ziemlich eigensinnig – behauptet zumindest Alexandra – und sie muss es ja wissen.

Geteiltes Heim ist halbes Heim
Die bisher erlebte Zeit meiner Jugend war sehr schön, schließlich bin ich, sorry, war ich, ein Einzelhund! Doch dann der Schock – ich war gerade mal ein Jahr alt – holte sich Alexandra einen zweiten Hund ins Haus, einen acht Wochen alten Shi Tzu. Ich war zwar beim Aussuchen dabei, aber wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir den kleinen Quälgeist nicht mitgenommen. Aber was soll's, das Leben ist eben hart und ungerecht, und so fand ich mich damit ab, nun einen Spielgefährten zu haben. Obwohl es mir schwer fällt, muß ich zugeben, dass das Leben mit Dusty (so heißt der Neue) doch auch seine Vorteile hat.

Zweisam statt einsam
Wenn Frauchen weg geht, bin ich nicht mehr alleine und mir ist nicht mehr so langweilig wie früher, denn jetzt ist Dusty da, mit dem ich spielen kann. Eigentlich mag ich ihn doch ganz gerne, außerdem gewöhnt man sich im Laufe der Jahre an so manches und heute kann ich mir ein Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen. Mittlerweile teile ich mein Leben auch noch mit einem Zwergkaninchen und einem Meerschweinchen.
Meine Sturm- und Drangzeit ist nun vorüber – heute bin ich ein braver, folgsamer Hund, auf den sich mein Frauchen verlassen kann. Ich glaube, darüber ist sie sehr glücklich, denn vor allem das erste Jahr mit mir war ziemlich stürmisch. Ich war ein kleines Ferkel – ich fraß für mein Leben gerne Mist bzw. Jauche und andere Dinge. Einmal habe ich sie wirklich sehr verärgert: Wir waren spazieren, trafen unterwegs Hundefreundin Wally, mit der ich in den Acker lief – eigentlich um zu spielen – aber ich konnte mich nicht beherrschen und fraß ein paar Maul voll frisch ausgelegten Mist. Zu Hause angekommen, erbrach ich alles, und die Wohnung roch dementsprechend gut. Selbst nach tagelangem Lüften war dieser entsetzliche Gestank noch immer nicht ganz weg. Damals waren wirklich alle sauer auf mich, aber ein Blick aus meinen treuherzigen Augen – und der Ärger war bald vergessen. Auch heute komme ich nur sehr schwer an einem Misthaufen oder Kompost vorbei, ohne wenigstens einmal einen Happen davon zu kosten.

So, jetzt muss ich aber Schluss machen, mein Kumpel bellt draußen im Garten wie verrückt – entweder er regt sich über die Nachbarshunde auf oder er ärgert sich über die Katzen. Er ist überhaupt ein Heißläufer, er regt sich über ziemlich alles auf – im Gegensatz zu mir – ich bin eher der ruhige, besonnene Typ. Aber wenn Dustys Bellerei berechtigt ist, muss ich ihn natürlich unterstützen.

Also dann, ciao und viel Geduld mit euren Rudelführer/inne/n, es braucht eben seine Zeit, bis man sie dort hat, wo man sie haben will! Aber ihr schafft das!

Euer Rocky

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