Rodos – so sehe ich Amerika!

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Mein Name ist Rodos – der Name der griechischen Insel, auf der ich geboren wurde. Ich war erst wenige Monate alt, als mich mein Frauchen von dort sozusagen entführt hat. Seitdem sind beinahe fünf Jahre vergangen und da ist einiges passiert. Aber das nun, das schlägt dem Faß den Boden aus. Aber laßt mich von Anfang an erzählen.

Mit einem Mann begann’s
Begonnen hat alles mit einem Typen, der sich an mein Frauerl rangemacht hat. Nicht nur, daß ich mich mit Bonita, meiner Adoptiv-Hundeschwester herumschlagen muß, nun war auch noch dieser Mann da, der mir Frauchen streitig macht. Was für eine Welt! Aber nach einiger Zeit hat sich rausgestellt, daß ER doch ganz nett ist und mit uns Hunden spielt und viel Zeit verbringt. Also habe ich ihn als Herrl akzeptiert. Obwohl, um ehrlich zu sein, ja ICH der Rudelführer bin, auch wenn es Frauchen und Herrl nicht so sehen.

Abenteuerplan USA
Begonnen hat es dann letzten März, da sagten meine Menschen immer wieder sowas wie … Fahren wir nach Amerika? … was soll das wieder sein? Ein neues Spiel? Dann mußten wir manchmal in so seltsame große Kisten rein. Nicht für lange, glücklicherweise. Schlafhöhlen sollen das sein, also so was! Und dann war es soweit: Als ich im besten Schlaf liege, mitten in der Nacht, weckt mich Frauchen auf. Frauchen und Herrli schleppen diese merkwürdigen Kisten von der Wohnung in ein großes Auto. Was das wieder soll? Na, wenigstens bekommen wir unsere Decken und dürfen im Auto weiterschlafen. Ich glaube wir fahren aufs Land, das ist schön, da können wir wieder Rehe jagen.

Flughafen München
Was für eine böse Überraschung: Nachdem wir schon in der Nacht unser Pipi neben einer breiten Strasse mit lärmenden Automobilen machen mußten, sind wir nun am Flughafen München eingetroffen. Ah, Frauchen hat einen Leckerbissen für mich, was sie da wohl rundes Weißes hineingewickelt hat? Sicher eine leckere Überraschung. Schmatz. So lecker war es gar nicht. Und jetzt müssen wir wieder in diese komischen Kisten. Wieso schauen meine beiden Menschen so traurig? Nicht mal die Hand abschlecken kann ich von dieser doofen Box aus. Ohhh, und jetzt werde ich müde …

Im Frachtraum über den Atlantik
Ich bin sicher schon ewig hier eingesperrt. Es dröhnt leise und rumpelt ein bißchen, ist aber nicht wie Auto fahren (das mag ich) und man sieht auch nichts! Neben mir rieche ich Bonita, wahrscheinlich sitzt sie auch in so einer Kiste. Wo sind Frauchen und Herrchen? Warum lassen sie mich alleine? Plötzlich rumpelts stark und ich rutsche ein wenig in meiner Box herum. Schreck laß nach. Endlich geht die Tür auf und frische Luft kommt herein, hier riecht es aber schrecklich, nicht so gut wie bei uns auf dem Land. Wo uns dieser Mann auf dem Wagen wohl hinbringt? Ich bin froh, daß ich wenigstens Bonita in meiner Nähe rieche. So fühle ich mich nicht ganz so alleine!
Ah, Jubelgebell: dort ist ja Frauchen! Die schaut aber müde aus! Ich freue mich so. Und Herrchen ist auch da, hoffentlich können wir bald aus den blöden Containern heraus!

Flughafen San Francisco
Jetzt haben wir ewig gewartet und nun sind wir wieder befreit und vereint. Wo sind wir eigentlich? Ist das hier Amerika? Scheint so. Auch gut! Hauptsache wir sind wieder zusammen. Herrchen schaut auch schon ganz verzwickt, warum steht er bloß zusammen mit den vielen anderen Leuten und wartet? Gibt’s dort etwa was zu essen? Na endlich, wird schon Zeit! Da ist aber ein schönes Auto, viel grösser als unseres, da haben wir Platz zum spielen. Hier riecht’s auch ganz anders als zuhause. Und das viele Wasser! Bäääähhh, schmeckt salzig. Was soll denn das. Aber es ist schön, hier im Sand zu spielen. Wenn nur die Wellen nicht so hoch und so laut wären.

Gassi am Hollywood Boulevard
Also ich sag’s Euch, dann ist was ganz Komisches passiert! Als wir wieder einmal einen Spaziergang am Meer entlang machen, kommen wir zu einer Ansammlung merkwürdiger Lebewesen: Nicht Hund, nicht Mensch. Zähne hatten sie zwar wie unsereins, aber ansonsten? Und gerochen haben die auch nicht gut. Wie Fisch – widerlich! Aber Herrchen war ganz begeistert, hat stundenlang fotografiert und gesagt, wie toll diese See-Elefanten doch sind. Ich liebe meine Menschen, aber manchmal verstehe ich sie nicht. Wir sind dann noch den ganzen Tag weitergefahren und ich durfte dann auf dem Hollywood Boulevard Gassi gehen. Ist nett, auf diese Sterne im Boden das Lackerl zu machen. Auch Bonita hat es sehr genossen.

In der Wüste
Aber dann sind wir in die Wüste gefahren, wo es sehr heiß war und haben dort im Zelt übernachtet. Und dann schaut es so aus, als ob wir endlich da wären … , Frauchen packt das ganze Gepäck aus, auch die großen Kisten. Wir gehen in ein Haus. Aha, da riechts aber interessant, das muß ich einmal von oben bis unten beschnuppern. Fein, da gibt es auch ein großes Bett, da werden wir sicher gut schlafen. Herrl nimmt die Leinen in die Hand, „Gassi gehen”! Wir laufen über den Schotter und auf einmal stehen uns drei Hundegenossen gegenüber. Frauchen wirkt so nervös, ich gleich hin, schnupper, schnupper, ein Mädchen, noch dazu ein hübsches. Mal schauen, wie sie auf meine Küsse reagiert. Ahhhh, sie scheint mir gewogen, wackelt mit ihrem Stummelschwänzchen, aber Bonita reagiert wieder einmal extrem eifersüchtig und stellt die Haare auf. Die tut so, als ob wir verheiratet wären, also wirklich! Nun wollen wir noch die zwei anderen beschnüffeln, noch ein Mädel, aber ein wenig griesgrämig, und ein alter Rüde. Also will ich einmal ausnahmsweise nett zu ihm sein, der kann mir nicht mehr gefährlich werden. Warum atmet Frauchen denn so erleichtert auf, warum strahlt sie denn so???

Auf der Ranch in Arizona
Aber was sehe ich denn dort??? Katzentiere??? Juhu!!!! Die wollen wir doch gleich einmal fangen! Also wetze ich davon und ignoriere Frauchens „Hiiiier” ganz einfach. Leider flüchtet die Mieze auf einen Baum, darum schleiche ich, ganz geduckt und demütig spielend, zu meinen Menschen zurück, lege mich ein wenig auf den Boden und zeige meinen Bauch, das wirkt immer. Was bin ich doch gerissen. Rodos der Schlaue, hehe. Und nachher nehme ich mir mal die Hühner vor!
Bei diesen ganz großen Tieren, Frauchen nennt sie Pferde, ist meine Menschin immer ganz nervös und schickt mich weg, na gut, man kann sie zumindest aus der Ferne verbellen. Ist wirklich nett hier an diesem Ort, den die Menschen Ranch nennen. Wir müssen auch keine Halsbänder mehr tragen und können hier herum spazieren, wie wir wollen. Hier möchte ich bleiben! Bonita wird auch wieder zum Streuner. Na was kann man da auch erwarten: Einmal Streunerhund – immer Streunerhund! Aber ich gebe zu: Dieses Amerika ist nicht so übel, hier werde ich es gut aushalten können! Und die Pferde, die werden es ja auch noch lernen, daß ich der Boss auf der Ranch bin!

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