Rund um den Tegernsee

0
2435

Badespaß, Bergabenteuer und bayerische Gemütlichkeit

Im Bayerischen Voralpenland, knapp 60 ­Kilometer südlich von München, ­befindet sich die beliebte Ausflugs- und Ferienregion Tegernsee. Von ­manchen wird der See als „Lago di Bonzo“ ­verhöhnt – vergleichbare Immobilienpreise und Promi-Dichte ­finden sich in Deutschland sonst nur noch auf Sylt! Von vielen anderen aber wird er aufgrund seiner idyllischen Ufer, Wiesenhänge, Wälder und der ­malerischen ­Bergkulisse innig geliebt. Doch wie ist es um die Hundefreundlichkeit am Tegernsee bestellt? Sind Waldi & Co. dort willkommen, und wenn ja, welches Angebot ­erwartet sie? Lässt sich hier ein entspannter ­Urlaub für Zwei- und Vierbeiner ­planen? Wo plantscht, tobt, wandert, flaniert und ruht es sich am besten? Gemeinsam mit meinem Dackelmädchen Pippa habe ich die Region für WUFF ­genauer unter die Lupe genommen – et voilà!

Mein Vater hat mir drei Dinge „vererbt“, die mein Leben nachhaltig geprägt haben: Eine starke Verbundenheit mit meiner bayerischen Heimat, die Leidenschaft für Berge und Seen sowie die große ­Liebe zu Hunden, allen voran zum Dackel. Diese drei Vorlieben lassen sich wunderbar miteinander verbinden, seit ich ihn in seiner für den Ruhestand erwählten neuen Heimat im Süden des Tegernseer Tals besuchen kann. Denn rund um den Tegernsee präsentiert sich Oberbayern in seiner schönsten Form: Alpenländische Idylle an einem der saubersten Seen Bayerns, umgeben von aufragenden Berggipfeln sowie den schmucken Ortschaften Gmund, Bad Wiessee, Kreuth, Rottach-Egern und der Stadt Tegernsee. Eine noch weitgehend intakte Natur paart sich hier mit Brauchtum, Kultur und einem Freizeitangebot, das keine Wünsche offenlässt. Im ­letzten Jahrzehnt hat das ehemalige Kurgast- und „Rentnerparadies“ obendrein keine Kosten und Mühen gescheut, auch für junge Leute, Familien und Sportler an Attraktivität zu gewinnen – und das mit Erfolg!

Der Tegernsee – Quelle der Erholung und Inspiration
Sanatorien und Reha-Kliniken säumen das Seeufer genauso wie gemütliche Cafés, lauschige Biergärten und eine Vielzahl an Unterkünften für jeden Geldbeutel. Früher ließen sich zahl­reiche Literaten und Künstler hier nieder oder verbrachten ihre Sommerfrische am Tegernsee, unter ihnen bekannte Persönlichkeiten wie Ludwig Thoma, Ludwig Ganghofer, Thomas Mann, Olaf Gulbransson oder August Macke. Sie haben der Region durch ihr Wirken weitreichenden Ruhm beschert. Auf ihren Spuren kann man ebenso wandeln wie auf einem der zahlreichen und gut beschilderten Spazier- und Wanderwege. Überall darf man seinen Hund mitführen, Leinenzwang besteht nur am Flussufer der Rottach. Während der Sommermonate herrscht jedoch an einigen Badestränden Hundeverbot, Beschilderungen weisen die Besucher darauf hin.

Bei einem unserer Erkundungsgänge am Tegernsee heißt es diesmal zunächst auf etwas andere Art „Leinen los!“. Da mein Vater uns begleitet und nicht mehr ganz so gut zu Fuß ist, fahren wir mit dem Schiff von Rottach-Egern an der Südspitze des Sees nach Gmund, das am Nordufer liegt. Vom Bootsanleger schlendern wir in zehn Minuten über die Seepromenade zum Hundestrand bei der Mangfallbrücke, dem in meinen Augen schönsten Badeplatz für Vierbeiner am ganzen Tegernsee. Auf weißem Kies lässt sich‘s gut eine Decke ausbreiten, die Aussicht und den Sommer genießen, ab und an einen Stock ins Wasser werfen oder einfach nur dem eigenen Hund dabei zusehen, wie er in dem seichten Gewässer der Ufer­zone herum­schnorchelt und mit dem ein oder anderen Artgenossen anbandelt. Dem urbayerischen Motto „Leben und leben lassen“ entgeht man auch am Hunde­strand nicht: Unter den Vier­beinern und ihren Besitzern geht’s völlig friedlich zu, keiner empört sich, wenn nasse Hunde­pfoten über sein Handtuch tappen oder er eine Ladung abgeschüttelte Wassertropfen abbekommt. Ein beliebtes Fotomotiv (nicht nur für Hundehalter!) an diesem ­schönen Fleckchen ist die direkt bei der Brücke platzierte ­Skulpturengruppe „Herr und Hund“. Sie zeigt Thomas Mann mit seinem Gefährten ­Bauschan; der Schriftsteller hält dem Hund ­lächelnd ein Stöckchen hin – fast wirkt’s wie ein Fingerzeig für all jene, denen entgangen ist, worauf ihr vier­beiniger Gefährte an dieser Uferböschung vielleicht am sehnlichsten wartet!

Nicht minder sehenswert sind im Übrigen auch die in den Sommermonaten ausgestellten Bronze-Skulpturen am nördlichen Teil der Bad Wiesseer Seepromenade, an die wir uns nach dem Strandvergnügen in Gmund begeben. Mit einer Länge von fünf Kilometern gehört sie zu den längsten direkt am See gelegenen Spazierwegen und bietet dem bade­freudigen Hund an ihrem südlichsten Ausläufer, im Ortsteil Abwinkl, ebenfalls einen kleinen Hundestrand. In dem abgetrennten Areal kann mit schönem Blick auf das am anderen Ufer gelegene Bräustüberl gespielt und geplantscht werden. Und genau dorthin, zum Bräu­stüberl, machen wir uns als nächstes auf, denn schließlich dürstet es auch mal den Zweibeiner nach einer Erfrischung.

Das Bräustüberl – jedem Tierchen sein Pläsierchen
Nachdem bislang vor allem die Hobbys des Dackelmädchens auf dem Programm standen, erlauben wir es uns nun, uns für ein Stündchen ins Menschengetümmel zu stürzen. Vom Bootsan­leger Bad Wiessee-Ort setzen wir nach Tegernsee-Bräustüberl über, wo wir nach wenigen Schritten auch schon vor dem Herzoglich Bayerischen Brauhaus stehen, einem ehemaligen Benediktiner­kloster. In den historischen Gemäuern sind heutzutage einige Privatgemächer der herzog­lichen Familie sowie Schlossgaststätte, Brauerei, Gymnasium, eine Kirche und eben das berühmte Bräu­stüberl untergebracht. Hier treffen sich Jung und Alt, Touristen und Einheimische, Prominente und Normalsterbliche, vor allem aber Hungrige und Durstige zum gemütlichen Essen und Trinken. Die typisch bayerische Küche ist absolut zu empfehlen, das hausgebraute Bier sowieso, und beides ist trotz der immensen Popularität dieses Ortes preislich moderat geblieben.

An Schönwetterwochenenden der Hauptsaison ist allerdings davon abzuraten, dort zusammen mit Hund einzukehren, aber wochentags findet sich immer ein schattiges Plätzchen unter den großen Sonnenschirmen auf der Terrasse des Bräustüberls. Schon der Dichter ­Eugen Roth brachte es seinerzeit auf den Punkt: „Wer dort nicht eine Maß – oder mehr – getrunken hat, der hat noch nicht einmal die niederen Weihen als Kenner bayerischer Lebensart empfangen.“ Für Hunde stehen neben den Eingängen stets Näpfe mit frischem Wasser bereit, und wenn keiner guckt, kann man auch schnell die große „Tränke“ nutzen: den einladenden Brunnen vor der Kloster­kirche. Frisch gestärkt und „geweiht“ sind wir anschließend wieder für ­weitere Erkundungen bereit.

Berg & Tal, See & Fluss – ­Entdeckungsreise auf Bayerisch
Rund um den See erschließt sich auf einem markierten Wegenetz von über 300 Kilometern die Bilderbuch-­Voralpenlandschaft des Tegernseer Tals, von leichten Wanderungen bis zu anspruchsvollen Bergtouren ist hier alles möglich. Unterwegs laden urige Hütten und Gasthöfe zur Rast und zünftigen Brotzeit ein. Je nach Jahreszeit, Touristenandrang, Wetter und Tagesverfassung wähle ich für Pippa und mich aus dem großen Angebot an reizvollen Touren das Passende aus. An heißen Sommer­tagen tummeln wir uns gerne in See­nähe, besuchen einen der Hunde­strände oder unternehmen flussnahe Spaziergänge. Oder wir kombinieren beides in Rottach-Egern. Dort, im Südwesten des Sees, mündet der wichtigste Zulauf in den Tegernsee: Die Weißach. An dieser Stelle befindet sich auch der Hundestrand von Rottach-Egern, wo es sich gemeinsam mit dem vierbeinigen Freund hervorragend baden und auf der Wiese spielen oder faulenzen lässt. Direkt vom Hundestrand weg kann man kilometerlang flussaufwärts auf dem wunderschönen „Weißach-Damm“ Gassi gehen. An den flachen Stellen wagt Pippa stets einen Sprung ins kühle Nass. Zusätzlich machen wir den einen oder anderen Abstecher in die schattigen Auen unterhalb des Schotterweges – auch das verschafft den heißen Hundepfoten etwas Kühlung. Der gesamte östlich des Flusses gelegene Weg ist für Hunde erlaubt, der westliche hingegen nicht. Diese von der Gemeinde vorgenommene Aufteilung der Uferwege ist ausgesprochen vernünftig, weil sich Radler, Jogger, Wandergruppen und Hundehalter so nicht allzu sehr in die Quere kommen.

„Dogstations“ sind hier, wie auch überall sonst im Tegernseer Tal, ausreichend vorhanden und werden täglich neu bestückt. Wer dem Tal ein Stück weit entfliehen möchte, dem sei ganz besonders der Tegernseer Höhenweg ans Herz gelegt. Bei dieser eher gemütlichen Wanderung über dem Ostufer des Tegernsees liegt einem der See buchstäblich zu Füßen und unterwegs wird man immer wieder mit herrlichen Ausblicken auf den blaugrünen See belohnt. In leichtem Auf und Ab verläuft er zwischen Gmund und dem Ort Tegernsee und lässt sich ideal mit einer Schifffahrt ­kombinieren, falls man für den Rückweg etwas Abwechslung einbauen oder nicht mehr auf selber Strecke zurückgehen möchte. Wem das nicht genügt, der kann die Begehung des Höhenwegs problemlos ausdehnen und auf dem Panorama-Wanderweg gleich den gesamten See umrunden. Mit einer Länge von gut 33 Kilometern ist das allerdings ein Vorhaben, das dem Mensch-Hund-Gespann etwas mehr Kondition abverlangt. Die Strecke kann natürlich auch in Etappen gegangen werden oder durch die schon fast in halbstündigem Abstand aufeinanderfolgenden Einkehrmöglichkeiten jederzeit für eine Stärkung unterbrochen werden.

Apropos Einkehr: In der gesamten ­Region Tegernsee ist mir in all den Jahren kein Café, Lokal oder Biergarten untergekommen, in dem Pippa nicht willkommen gewesen wäre. Hundefreundlichkeit wird in dieser Gegend großgeschrieben! Noch mehr Bergluft weht einem bei Touren um die Nase, die mehr in die Höhe führen: Zum Beispiel nach Siebenhütten (ab Wildbad Kreuth, an der Weißach entlang), auf die Schwarztennalm (ab Parkplatz Klamm bei Kreuth), zur Aueralm (ab Bad Wiessee, am Söllbach entlang) oder auf die Neureuth (ab Stadt Tegernsee oder ab Gmund). Und wer richtig alpines Gipfelglück sucht, der gehe auf den Hirschberg (1.667m, ab Kreuth) oder den Wallberg (1.722m, ab Rottach-Egern oder ab Weißach). Letzterer ist genau genommen ein Muss für jeden zwei- und vierbeinigen Gipfelstürmer, der am Tegernsee Urlaub macht!

Der Wallberg – Wahrzeichen des Tegernsees
Der Hausberg von Rottach-Egern thront über dem Tal und eröffnet schöne Ausblicke auf den See, die gesamte Region und die umliegende Bergwelt der Bayerischen und Tiroler Alpen. Bei besonders klarer Sicht ist ganz im Norden sogar die Silhouette des Münchner Olympia­turms zu erkennen! Wenn Mensch und Hund fit sind, kann der Wallberg vom Parkplatz bei der Seilbahn aus in gut 2,5 Stunden Gehzeit erklommen werden. Alternativ dazu können sich Zwei- und Vierbeiner auch bequem in 15 Minuten mit der Seilbahn zur Bergstation des Wallbergs chauffieren lassen. Von dort hat man die Option, die letzten 100 Höhenmeter bis zum Gipfel hinaufzusteigen bzw. stellenweise eher zu klettern, da der Weg recht felsig und steil ist. Da mag es kräfteschonender sein, direkt in das Panoramarestaurant mit großer Sonnenterrasse einzukehren. Die weitaus idyllischere Einkehr bietet das Wallberghaus (einen kleinen Marsch von der Bergstation der Bahn entfernt) oder die auf halber Höhe des Wallbergs gelegene Wallbergmoos-Alm. An dieser Alm endet die mautpflichtige Panoramastraße, die eine dritte Variante darstellt, den Wallberg zu bezwingen, ohne ins Schwitzen zu geraten. Vom Wallbergmoos aus kann man in anderthalb Stunden zum Gipfelkreuz wandern.

Nahe der Bergstation der Seilbahn, die sich auf einem Plateau unterhalb des Gipfels befindet, wartet der Wallberg noch mit einem weiteren Highlight auf: Einer hübschen, kleinen Kapelle in exponierter Lage vor einer atemberaubenden Bergkulisse. Pippa und ich rasten hier gern auf einer der Aussichtsbänke. Falls diese bereits alle belegt sind, machen wir es uns irgendwo auf den Wiesenhängen bequem und verschnaufen dort. Heute aber stört ein plötzliches Rascheln und Flattern unseren Bergfrieden. Pippa schreckt auf, wir drehen uns um und sehen nach der Ursache des Geräuschs. In dem Moment hebt neben uns ein Paraglider ab, lässt sich vom Wind mitnehmen und taucht ein in die Weiten des weiß-blauen Bayernhimmels über dem Tegernseer Tal. Gebannt ­schauen wir dem Gleitschirmflieger nach, be­neiden ihn kurz um seine Vogelperspektive, genießen dann aber zufrieden den herrlichen „Hundumblick“ von hier oben. Wir lassen uns den Wind nämlich lieber mit festem Boden unter den Füßen um die Nasen wehen!

WUFF-Information

Hundestrände am Tegernsee:
Gmund: Seepromenade, nördlicher Abschnitt (bei der Mangfallbrücke)
Bad Wiessee: Seepromenade, neben dem Badestrand Hubertus (beim Medical Park)
Rottach-Egern: östlich von der Weißachmündung in den Tegernsee (Am Weißachdamm 33)

Wanderungen und Spazierwege:
Hervorragende Informationen mit Streckenprofilen im Internet unter http://www.tegernsee.com/wandern-berge oder bei den Touristeninformationen, die in allen Orten rund um den Tegernsee ein Büro haben.

Geschäfte für Bedarf rund um den Hund:
„Hundaktiv“, Tegernseerstr. 6, 83703 Gmund
„Rundumservice für Ihr Tier“, Im oberen Ficht 26, 83700 Weißach

Tierärzte:
Dr. Meixner, Tölzer Str. 108, 83703 Gmund, Tel. 08022-96370
Dr. Gordon, Schildensteinweg 6, 83700 Rottach-Egern, Tel. 08022-67676
Dr. von Block, Adrian-Stoop-Str. 9, 83707 Bad Wiessee, Tel. 08022-99478

Tipps für Unterkünfte:
Großes Angebot an Unterkünften für Hundebesitzer vorhanden, aber leider häufig überzogener Aufpreis für Hunde! Entspannt und günstig wohnt es sich mit Hund z.B.:
• Gmund: Hotel Gasthof Eder, Am Eisweiher 4 (ohne Aufpreis für den Vierbeiner)
• Bad Wiessee: Steinbrecherhof am See, Dorfplatz 7 (direkt am See, eigene kleine Badestelle)
• Rottach-Egern: Gästehaus Seerose, Stielerstr. 13 (netter Familienbetrieb)
• Tegernsee: Leeberghof, Ellingerstr. 10 (Seeblick und Wanderwege ab Hotel)

Empfehlungen für Zweibeiner:
• See- und Waldfeste, jährlich von Juni bis August (seinem Hund sollte man diese Orte aufgrund des Andrangs unbedingt ersparen)
• Internationales Bergfilm-Festival der Stadt Tegernsee, jedes Jahr im Oktober
• Monte Mare Seesauna, Stadt Tegernsee, mit Saunaboot und direktem Seezugang
• Olaf Gulbransson Museum, Stadt Tegernsee

Pdf zu diesem Artikel: tegernsee

Interessiert an WUFF? Hier gehts zum WUFF-Abo mit gratis GPS-Tracker für Hunde von Tractive.

 

Keine Kommentare