Sammy, der Gurkenhund

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Nach dem leider viel zu frühen Tod der Am-Staff-Hündin Tarah der Familie Andrea und Peter Weing aus München wollte Andrea eigentlich keinen Hund mehr haben. Da erfuhr man, dass im Tierheim Landau an der Isar ein Wurf Bullterrier-Mischlingswelpen auf ein neues Zuhause wartete. Peter konnte Andrea überreden, sich die Welpen wenigstens mal anzuschauen. Das Tierheim machte einen sehr guten Eindruck. Keine Zwingerreihen mit Hunden in Einzelhaft, sondern Rudelhaltung mit 10 bis 15 Hunden, teils im Haus, teils im Stall und Freigehege. Das gefiel Andrea außerordentlich, allerdings nur solange, bis sie die 4 Monate alten Bullterrier-Boxer-Mischlinge zu Gesicht bekam: "Ich fand die Welpen – im Gegensatz zu meinem Mann – richtig hässlich. Hochgeschossen, dürr, mit gurkenähnlich gebogenem Kopf."

Karikatur eines Hundes?
Die vier Welpen waren bullytypisch Menschen gegenüber sehr freundlich und überschwänglich, den anderen Welpen und Junghunden gegenüber dominant. Andrea Weing: "Sie leckten und knabberten uns an Händen und im Gesicht, überfielen uns sozusagen mit ihrer Gier nach Aufmerksamkeit." Trotzdem ließ sich Andreas Herz nicht erweichen: "Solch eine ´Hundekarikatur´ wollte ich nach unserer hübschen Am-Staff-Hündin Tarah nicht haben." So fuhren die Weings wieder nach Hause – ohne Hund. Peter war recht unglücklich, hätte er doch so gerne die Hündin mit dem weißen Strich auf der Nase mitgenommen. Sie war die zärtlichste von den Vieren. Aber auch Andrea ließ der Gedanke an diese liebevolle Hündin keine Ruhe. Und so war man eine Woche später wieder unterwegs nach Landau. Die Hündin war noch zu haben. Andrea und Peter bekamen sie für eine Stunde, um sie bei einem Spaziergang näher kennenlernen zu können. Seit die junge Hündin mit ihren Geschwistern im Alter von 8 Wochen im Tierheim abgegeben worden war, war dies für sie das erste Mal ohne schützendes Rudel in der freien Natur. Anfangs daher noch verängstigt, tobte sie aber schon bald ausgelassen auf der Wiese herum und spielte mit den beiden Menschen, die möglicherweise ihre neue Familie werden könnten.

Die Entscheidung
Auf dem Weg zurück ins Tierheim kam es zur Entscheidung. Peter wollte von Andrea wissen, ja oder nein. Andrea Weing: "Ich war noch immer nicht so ganz überzeugt und blieb stehen. Als ob sie wüsste, dass es um ihre Zukunft ging, kam die Hündin zu mir, setzte sich direkt vor mir nieder und sah mir liebevoll und neugierig in die Augen." Wie Andrea nun entschied, lässt sich leicht erraten. Das Hundemädchen bekam den Namen Sammy.

Nicht bereut
"Sammy ist heute 3 Jahre alt. Wir haben unsere Entscheidung nicht bereut. Mit ihrem typischen Bully-Charakter macht sie uns sehr viel Freude. Sie ist sehr verschmust, will ständig auf dem Sofa mit uns kuscheln, kommt morgens zum Schmusen ins Bett und robbt in der bullytypischen Froschstellung am Boden, um uns zum Spielen aufzufordern." Also alles eitel Wonne bei Familie Weing mit ihrem neuen Hausgenossen. Und warum der Name Gurkenhund? Andrea: "Wir nennen sie immer dann Gurkenhund, wenn sie mit ihrer langen gurkenförmigen Schnauze nach Fressbarem sucht." Auf die Frage, ob sie Sammy noch immer als Hundekarikatur empfinde, oder mittlerweile ihre Meinung geändert habe, meint Andrea: "Ich finde meinen Hund jetzt wunderschön. Durch die Fütterung mit Trockenfutter hat sie sich wunderbar entwickelt, hat (meistens) Idealgewicht und durch die vielen ausdauernden Spaziergänge mit ihrem Herrchen einen durchtrainierten Körper.

Negativzeugnis
Wie WUFF-Leserinnen und –Lesern wohl bekannt ist, zählen Hunde der Rasse Bullterrier und deren Mischlinge in Deutschland zu behördlich so genannten "Kampfhunden". So schreibt Bayern zur Haltung von Sammy ein "Negativzeugnis" vor. Das bedeutet, dass Familie Weing ihre Hündin im Alter von 18 Monaten einer gutachterlichen Stellungnahme zu unterziehen hatte, damit beschieden werde, ob die Hündin gesteigert aggressiv und gefährlich ist oder nicht. Der vereidigte Hundesachverständige Michael Abelski (auch WUFF-Lesern durch einige Fachartikel bereits bekannt) überprüfte Sammys Verhalten in den verschiedensten Situationen und ihre Reaktionen auf unterschiedlichste Reizangebote. Sammy bestand den "Wesenstest" mit Bravour, was aber leider nichts daran ändert, dass ihr und ihren Haltern trotzdem hin und wieder beim Spazierengehen Misstrauen und Ablehnung entgegengebracht wird. Kein Wunder, die Medien haben für die Rassen Bully & Co. ja ganze Arbeit geleistet.
Dort aber, wo Sammy bekannt ist, ist sie sehr beliebt. Das ist die ganze Nachbarschaft und das sind die Parks in der Umgebung, wo Sammy sich mit ihrem Herrchen täglich mindestens 2 bis 3 Stunden austoben kann. Da die Hündin auf alle Menschen freundlich und offen zugeht und auch anderen Hunden gegenüber ein sehr gutes Sozialverhalten zeigt, leistet sie jeden Tag zusammen mit ihrem Herrchen Aufklärungsarbeit zum Thema "Kampfhunde, wie sie wirklich sind." WUFF gratuliert Sammy, Andrea und Peter zur Wahl zum WUFF-Sommer-Mischlings-Champion!

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Dr. Hans Mosser
Der Arzt und Theologe Mag. Dr. Hans Mosser ist Mitbegründer und Herausgeber von WUFF und arbeitet im Hauptberuf als leitender Arzt und ­Professor in einem Universitätsklinikum.

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