Sandor geht es gut …

0
1018

Der Komondor Sandor hatte bereits mehrfach zugeschnappt und galt als gefährlich. So sollte Sandor auch getötet werden, als sein Herrchen zum Pflegefall wurde, nicht mal die Sanitäter hatte er an das Krankenbett des Herrchens gelassen.

Aus der Sicht des Hundes entsprachen jene Beißvorfälle jedoch dem normalen Territorialverhalten eines Herdenschutzhundes. Er hatte stets sein Herrchen oder sein Revier verteidigt. Ein solches Schicksal teilen leider viele Herdenschutzhunde, deren Besitzer sich ihrer Verantwortung und der speziellen Bedürfnisse solcher Hunderassen nicht bewusst sind. Unzählige Sandors landen in Tierheimen, viele bezahlen ihr angeborenes Verhalten mit der Todesspritze, weil ihre Besitzer nicht mehr mit ihnen zurecht kommen. Unser Sandor hatte Glück. Zum einen, weil es einen Menschen gab, der zu ihm hielt, zum anderen, weil die engagierten Mitstreiter der grenzüberschreitenden WUFF-Aktion „Herdenschutzhunde in Not" einen Menschen fanden, der ihn aufnahm. Und WUFF-Redakteurin Andrea Specht brachte Sandor von Niederösterreich nach Niederbayern.

In Gruppe integriert
Heute lebt der siebenjährige Rüde bei Sabine Lagies im bayrischen Schatzbach. Sein riesiges Territorium teilt Sandor mit sieben anderen Rüden und jeder Menge Pferde. Die Hundekennerin mit einem ganz großen Herz für Herdenschutz-Notfälle hat mit viel Gefühl den Neuling mittlerweile in ihre vierbeinige Gruppe integriert und das, obwohl Sandor als absolut unverträglich mit Rüden beschrieben worden war. Den aktuellen Brief von Sabine Lagies und die wunderbaren Fotos von seinem neuen Zuhause wollen wir Ihnen nicht vorenthalten.
Sabine schreibt: „ … Weil Sie sicher schon ganz dringend auf Neuigkeiten von Sandor warten, beiliegend ein paar Fotos von ihm. Mittlerweile ist Sandor ein sehr freundlicher Hund. Er wedelt mich ganz furchtbar an, wenn ich komme, ist total verspielt und hüpft in der Landschaft herum wie ein Gummiball. Außer mit Bagheera (dem kurzhaarigen grau-weißen Hund) versteht er sich mit allen sehr gut, es gab keinerlei Rauferei, nur mal lautes Gebell. Er geht sogar schon mit den Mädchen spazieren (zu dritt waren die Kerle allerdings nur fürs Foto, damit man sieht, wie groß Sandor im Vergleich zu Moppy und Yogi ist, die doch 65 oder gute 70 cm Schulterhöhe haben! Das Mädchen auf dem Foto ist 12 Jahre alt. Foto li. oben und li. unten).
Auto fährt er leidenschaftlich gerne, er bellt nicht übermäßig und ist auch sonst sehr manierlich. Er hat sich sogar schon die Augen freischneiden und am ganzen Körper untersuchen lassen. … Das Futter lässt er sich übrigens auch problemlos wegnehmen. Herzliche Grüße aus Niederbayern, Sabine Lagies".

>>> WUFF – HINTERGRUND

Über Schmuse-Image und Aggression

Der Fall Sandor zeigt, wie vorsichtig wir sein müssen, wenn es darum geht, einen Hund als gefährlich und böse zu verteufeln. Für unkundige Menschen ist ein Hund schnell verurteilt, wenn er dem Schmuse-Image nicht entspricht. Doch auch Aggression gehört zum normalen hundlichen Verhalten und muss stets im Zusammenhang mit der jeweiligen Situation beurteilt werden.

Besonders Herdenschutzhunde, die sehr territorial agieren, und eben für diesen Zweck gezüchtet und eingesetzt wurden, sind häufig Opfer menschlichen Unverstandes. Ihre Haltung erfordert Wissen und Verantwortung. Umso mehr freut uns das Happy-End von Sandor. Ein Beweis dafür, dass ein als gefährlich stigmatisierter Hund sogar ein ganz lieber sein kann, wenn er in die richtigen Hände gelangt. Und ein Beweis dafür, dass Tierschutzarbeit nicht umsonst ist, wenn viele Menschen zusammenhelfen und an einem Strang ziehen!

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT