„Schwarzzucht“ im Schweinestall – Tierschützer decken auf

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Seit Jahrzehnten treibt Josef K. sein trauriges Vermehrungsunwesen in Niederösterreich. Das ­Dauer­inserat, bevorzugt in den Bezirksblättern Waidhofen/Thaya zu finden, hat sich von Anfang an textlich nicht verändert: „Schäferwelpen, geimpft und entwurmt, preiswert ­abzugeben." Nichts ­verändert hat sich trotz Beschwerden und Anzeigen leider auch an den Zuständen der „Zuchtstätte". All das erinnert sehr an den aktuellen Fall Alfred O. Offenbar wird das Thema ­„Hundezucht" zu einem Tierschutz-Krimi mit Fortsetzungspotenzial.

Der 65-jährige Pensionist ist Tierfreunden kein Unbekannter. Sein Inserat erregte bereits vor mehr als zehn Jahren das Interesse der aufmerksamen Leserin ­Bettina S. Sie befürchtete schon damals gröbste Missstände und begann zu recherchieren. Sie gab sich als ­Welpeninteressentin aus und fand ihre Befürchtungen bezüglich ­Tierquälerei und Tierausbeutung bestätigt. Sie ­leitete ihre ­Rechercheergebnisse an die damalige Amtstierärztin Dr. ­Gerlinde Rösel weiter, auch beim Polizeiposten in Gars am Kamp sprach sie persönlich vor. Doch ihre Interventionen blieben ohne Konsequenzen.

Abgemagerten Welpen an Minderjährige verscherbelt
Doch auch andere berichteten von Welpenhandel auf Parkplätzen und der mangelnden Bereitschaft von K., Einblicke in die Unterbringung seiner Hunde zu gewähren. Als er 2006 einen Schäferwelpen an eine erst 15-Jährige verkaufte, wurde K. von der Familie des Teenagers aufgefordert, den Hund umgehend zurückzunehmen, vergebens. Ein zu Hilfe gerufener guter Bekannter der Mutter des Mädchens packte das Hundebaby kurzerhand ein und kontaktierte die zuständige Behörde. Begleitet von der damaligen Amtstierärztin Dr. Gerlinde Rösel und zwei Polizeibeamten fuhr der Mann (Name d. Red. bekannt) zum Hof des „Züchters". Doch während die Beamten den Hintereingang ­sicherten, entkam K. ungehindert durch das Vordertor. Polizei und Amtsveterinärin hatten das Nachsehen und der kleine Rüde das Glück, nicht wieder bei K. zu landen. Er übersiedelte auf An­ordnung der Bezirksbehörde ins Tierheim Krems.

Gekaufter Welpe stark unter­ernährt und verwurmt
Im Tierheim stellte man eine augenscheinliche Unterernährung des Welpen fest, ebenso massiven Wurmbefall und Kahlstellen rund um die Augen. Auffallend war auch die große Ängstlichkeit und mangelnde Sozialisierung auf Umweltreize. Der verschreckte Schäferwelpe „Malte" wurde l­iebevoll aufgepäppelt und einige Wochen später in gute Hände vermittelt. Der bedenkliche Gesundheitszustand des Hundes wurde der Bezirksbehörde umgehend zur Kenntnis gebracht. Ob K. damals zur Rechenschaft ge­zogen wurde, ist dem Tierheim nicht bekannt. (Da ­Tierheime bei Verfahren keinerlei Parteien­stellung innehaben, liegt es am good will der Behörden, Beteiligte über den Ausgang eines ­eingeleiteten Straf­verfahrens in Kenntnis zu setzen)

Neun Jahre später ist alles beim Alten
Mittlerweile ist K. umgezogen und hat sich in Puchenstuben (Bezirk Scheibbs) wiederum auf einem ­Bauernhof einquartiert. Nach wie vor inseriert er seine „Schnäppchen-Welpen" im Bezirksblatt Waidhofen/Thaya. Das wurde ihm jetzt zum Verhängnis, denn er hat nicht mit der Hartnäckigkeit von Bettina S. gerechnet. Die engagierte Hundefreundin gibt sich abermals als ­Interessentin aus und vereinbart einen Besichtigungstermin vor Ort. Um ihrer Aussage mehr Gewicht zu verleihen, nimmt sie dieses Mal eine Bekannte mit auf den Hof. Sie ist schockiert von den Zuständen, merkt aber rasch, dass es zu zweit kaum möglich ist, die Missstände unbemerkt zu fotografieren. Zwei Tage später fährt sie deshalb neuerlich auf den Hof, diesmal in Begleitung ihres Ehemannes sowie drei weiterer Bekannter, um Fotos als Beweismaterial zu sichern.

Welpen und Mutterhündin in ­„Dunkelhaft"
„Bei unserer Ankunft wurden ­völlig verängstigte Welpen aus einem finsteren Stall gebracht, wo sie seit ihrer Geburt in einem verdreckten Schweinekastenstand eingesperrt sind", erzählt sie uns. „Als Interessenten wurden wir angewiesen, den Stall nicht zu betreten. Die Welpen wurden herausgebracht und in einen winzigen Verschlag hinter einem Brett und einer Mülltonne gesetzt. Herr K. ging mit seinen Welpen äußerst grob um. Die Kleinen, offenbar kaum an Tageslicht und Menschen gewohnt, drückten sich folglich voller Panik hinter der Mülltonne zusammen."

Frau S. versucht, das Muttertier ausfindig zu machen. Sie möchte unbedingt sehen, wie es der ­Hündin geht und wie sie lebt. Erst nach penetrantem Drängen der Gruppe gibt K. nach und stellt die ­Mutterhündin vor. Sie hatte offenbar erst vor ­kurzem abgesäugt und befindet sich in einem zugekoteten verschlammten Gehege. Heimlich gelingen Frau S. auch Aufnahmen von den ­anderen ­Tieren im Inneren des Stalles. Es ist so finster, dass es unmöglich ist, ohne Blitzlicht etwas zu ­fotografieren. „In einem Schweine-Kastenstand neben dem der Welpen entdeckten wir eine hochträchtige Hündin, die sich aus Verzweiflung die Seele aus dem Leib winselte. Auch sie lebte in ­Dunkelhaft. Herr K. begründete ­später im Gespräch, dass die Hündinnen ab dem Zeitpunkt der Deckung bis zum Absäugen der Jungen zu ihrem eigenen „Schutz" im Kastenstand verbleiben müssen, damit sie durch eventuelle Raufereien untereinander ihre Welpen nicht verlieren. Dieses katastrophale Verlies wird von Herrn K. tatsächlich als notwendiger Schutz bezeichnet! Laut Herrn K. müssen die „Zuchthündinnen" also insgesamt vier Monate in einem finsteren Verschlag, kaum größer als sie selbst, ausharren. Wenn die Hündinnen bei jeder Läufigkeit belegt werden, bedeutet das acht Monate Dunkelhaft. Es ist unfassbar, was hier vor sich geht."

Welpen zum Sterben beiseite gelegt?
Insgesamt sollen fünf erwachsene Hunde, vier Hündinnen und ein Deckrüde sowie eine wechselnde Schar von Welpen auf dem Anwesen leben. Eine der Hündinnen wirkt auf Bettina S. schon sehr alt und gebrechlich, so dass sie möglicherweise aus der Zucht genommen wurde. Ihr Gesäuge ist laut Zeugenbericht extrem ausgezehrt und hängt fast bis zum Boden. Die Hündin weist auch ein abgebissenes Ohr auf, das offenbar schon vor längerer Zeit tierärztlicher Behandlung bedurft hätte. Auf eine diesbezügliche Anfrage seiner Besucher antwortet K., das Ohr sei dann von selber „eingeschrumpft". Frau S. bezweifelt, dass die Hunde im Bedarfsfall tierärztliche Hilfe erhalten. „Im Rahmen einer Plauderei teilte uns Herr K. mit, dass schwache oder kranke Welpen zum Sterben einfach beiseite gelegt werden."

Fotos gelingen Frau S. auch von der Unterbringung jener Hunde, die nicht gerade im Kastenstand „inhaftiert" sind. Für sie hat er eine kleine Fläche abgezäunt, die sich bei den beiden Besuchen als schlammiger und von Kot übersäter Auslauf präsentiert. Innerhalb dieser Umzäunung steht eine kleine verwahrloste Hütte als einziger „Witterungsschutz": „Nur ein Abteil ist überhaupt offen. Wie sollen da alle Hunde gleichzeitig Schutz finden? Im Inneren gibt es keinen befestigten Boden, keine Isolierung, keine Schlafplätze. Es ist verdreckt und stinkt beißend nach Urin und Ammoniak. Lediglich ein dreckiger Tisch mit einem Fetzen darauf steht als Liegefläche zur Verfügung. Doch wie soll die alte Hündin da hinauf springen können? Sie wird wohl am feuchten schmutzigen Boden liegen müssen."

Unbedarften Besuchern präsentiert K. laut Frau S. eine junge, relativ gepflegte Hündin, die außerhalb des Stalles gezeigt wird. Das Innere der „Zuchtstätte" wird normalerweise nicht vorgezeigt. Frau S. gelingen die Fotos von den unhaltbaren Zuständen im ehemaligen Schweinestall auch nur, weil ihr Ehemann und ihre Bekannten Herrn K. ablenken und sie unbemerkt in die Stallungen gelangen kann.

Reichen diese Fotos noch immer nicht?
Die Fotos von Frau S. sprechen Bände. Dokumente einer unmenschlichen Haltung von Hündinnen als profitbringende Gebärmaschinen. Fotos, die schockieren und zugleich ­zornig machen. Fotos, die viele Fragen aufwerfen, darunter jene, warum es Josef K. über Jahrzehnte möglich ist, von den Behörden unbehelligt sein Vermehrungs-Unwesen auszuüben. Müssen beherzte Tierfreunde sich als Käufer tarnen, damit endlich etwas geschieht? Doch offenbar reichte selbst das gezeigte Beweismaterial nicht aus, um diese armen Zuchttiere aus ihren Verliesen zu befreien. Obwohl Frau S. ihre gesamten Unterlagen samt Namen und Adressen von Zeugen einige Tage später dem zuständigen Amtstierarzt vorlegte, kam es bis dato zu keiner Beschlagnahme der Hunde. Wir zeigten das Fotomaterial einem Tierarzt. Sein knapper Kommentar: „Ich sehe auf jedem dieser Fotos einen Verstoß gegen das geltende Tierschutzgesetz!"

Tageszeitung „Heute"-Redakteure stellen sich auf die Seite des ­Hundevermehrers
Nachdem das Tagesblatt „Heute" zuerst einen Beitrag über die schrecklichen Haltungsbedingungen bei Josef K. veröffentlichte, erschien plötzlich ein kurzer Folgeartikel, der K. ein wahres Vorzugszeugnis ausstellt, eine redaktionelle 180 Grad-Wendung sozusagen. Da wird von entzückenden Welpen berichtet, die am Hof des Züchters glücklich „umhertollen". Wie sachkundig die beiden „Heute"-Mitarbeiter wohl sein müssen, wenn sie einen Welpen als zufriedene und kräftige Mama bezeichnen, also offenkundig ein Hundebaby nicht von einem erwachsenen Tier unterscheiden können? „Die Aufdecker kamen bei strömendem Regen. Klar sind meine Hunde da im Stall", steht außerdem zu lesen. Vielleicht sollten sich auch Boulevard-Redakteure vor einer Recherche darüber kundig machen, wie viel Platzangebot einem erwachsenen Hund per Gesetz zur Verfügung stehen muss, bevor sie für derartige Missstände Partei ergreifen und damit der Geschäftemacherei mit wehrlosen Welpen Vorschub leisten.

Welche Rolle spielt Tierarzt Fritz S.?
Bettina S. ließ sich bei ihren ­Besuchen auch die Impfpässe der Welpen ­zeigen. Im Gespräch erfährt sie von K., dass Tierarzt Mag. Fritz S. die Welpen direkt auf dem Hof impfen würde. Trifft das zu, müsste der ­Veterinär über die Zustände auf dem Hof informiert sein, auch die winselnden Zuchthündinnen in den Kastenständen sind laut Frau S. weder überhör- noch übersehbar. Wäre es da nicht seine moralische und gesetzliche Pflicht gewesen, derartige Missstände, die ganz offensichtlich in krassem Widerspruch zum geltenden Tierschutzgesetz stehen, an die Behörden zu melden? Hat Mag. S. in diesem Fall bewusst weggeschaut oder hat Herr K. gelogen, als er behauptete, die Hunde würden auf dem Hof geimpft? Wir werden es hoffentlich erfahren, eine diesbezügliche Anfrage an Mag. S. ist bereits unterwegs.

Sind Johann K.’s Geschäfte der Bezirksbehörde Scheibbs schon längst bekannt?
Frau S. recherchiert nicht nur gründlich, sie informiert auch alle ­zuständigen Behördenvertreter. Telefonisch vereinbart sie einen Gesprächstermin beim Amtsveterinär von Scheibbs, möchte aber am Telefon die Daten des Angezeigten nicht mitteilen, da sie befürchtet, Herr K. könnte durch eine ­angemeldete ­Kontrolle vorgewarnt werden. Das erzeugt offenbar Unmut und der Amtstierarzt scheint vom Engagement der Tierfreundin nicht sehr begeistert. Als sie sich einige Tage später zum vereinbarten Zeitpunkt im Büro des Veterinärs einfindet, erwarten sie zur Überraschung nicht nur der Amtstierarzt, sondern auch der Bezirkshauptmann und ein Jurist. „Es wurde mir vom Bezirkshauptmann mitgeteilt, dass meine Vorgangsweise sehr seltsam sei und ich auch sicher keine weiteren Auskünfte über das weitere Schicksal der Welpen erhalten werde", erzählt uns Frau S.

Sie erfährt, dass man in der Zwischenzeit bereits recherchiert habe, um welchen Züchter es sich handle, und eine Kontrolle von Josef K. bereits stattgefunden habe. Das würde bedeuten, dass Josef K. den Behörden kein Unbekannter ist. Wie ist es dann möglich, dass eine „Schwarz-Hunde­zucht" unter solchen Bedingungen nicht längst geschlossen wurde?

Steuerfrei und ungeniert
Dass Josef K. die Welpen ohne Rechnung oder Kaufvertrag verscherbelt, mutet angesichts aller anderen Tatsachen schon wie ein Kavaliersdelikt an. Interessant bleibt es trotzdem. 430 Euro pro Welpe und das bei drei aktiven Zuchthündinnen, die möglicherweise zweimal jährlich belegt werden. Und das alles, ohne als Züchter gemeldet zu sein und natürlich ohne dafür Steuern zahlen zu müssen. Ein schönes Zubrot und hochgerechnet auf Jahrzehnte, ein kleines Vermögen, verdient auf dem Rücken ausgebeuteter Hunde. Wird der zuständige Amtsveterinär endlich handeln und Josef K. endlich das Handwerk legen? Wir bleiben dran. Eine Anfrage an die Bezirkshauptmannschaft wurde bereits von WUFF gestellt.

Anm. d. Red.: Die Stellungnahmen des Tierarztes von Josef K. sowie des Amtstierarztes waren bis zum Redaktionsschluss noch nicht vorliegend. Sie können diese – falls überhaupt welche eintreffen – online oder in der ­nächsten Ausgabe nachlesen.

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