Shar Pei – Der Sandhaut-Hund

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Der chinesische Rassestandard beschreibt den Shar Pei sehr blumig mit „Ohren wie Muscheln, die Nase wie ein Schmetterling, der Kopf groß wie eine Melone, Großmuttergesicht, der Hals wie beim Nilpferd, das Hinterteil wie beim Pferd und die Beine wie beim Drachen". So malerisch diese Beschreibung ist, so wechselhaft ist die Geschichte dieser Rasse, die in den 1970ern fast ausgestorben wäre. Der ­Ausdruck „chinesischer Faltenhund" ist übrigens eine falsche Übersetzung von Shar Pei, das vielmehr ­Sandhaut-Hund bedeutet.

Der internationale Hundezuchtverband FCI (Fédération Cynologique Internationale) zählt den Shar Pei innerhalb der Sektion der molossoiden Hunde zu den doggenartigen Hunden. Dass die Herkunft ­dieser Rasse China ist, wissen mittlerweile nicht nur Experten. Denn als „chinesischer Faltenhund" ist er aufgrund seines doch sehr speziellen Aussehens auch in weiten Teilen der Bevölkerung bekannt. Auch wenn Falten das Aussehen dieses Hundes nicht dominieren sollen, so haben die Züchter dieser Rasse bis vor noch gar nicht langer Zeit genau diese Faltenbildung in der Zucht gefördert und aus dem Shar Pei eine Qualzuchtrasse gemacht. Die übergroßen Falten führen nämlich zu chronischen Hautentzündungen und machen den Hund für verschiedene generalisierte Haut­erkrankungen anfällig, was mit Schäden und Leiden für das Tier verbunden ist. Der Ausdruck Faltenhund resultiert übrigens aus einer falschen Übersetzung der chinesischen Bezeichnung Shar Pei. Tatsächlich bedeutet dieses Wort „Sandhaut-Hund", weil das Fell der Rasse kurz, rau und borstig ist, eine andere Quelle übersetzt den Ausdruck mit „Haifischhaut-Hund".

Wächst in die Falten hinein
Charakteristisch für den Shar Pei ist es, dass seine Welpen im Vergleich zu anderen Rassen auffallend viel Fell besitzen, wodurch sich zwischen der 2. und 16. Woche besonders viele und große Falten bilden. Im weiteren Verlauf jedoch „wächst der Hund in sein Fell hinein", und letztlich sollte ein erwachsener Shar Pei keine über­triebene Faltenbildung mehr haben und bestehende Falten auf der Stirn und am Widerrist sollten nicht lose sein, sondern sehr eng anliegen. „Schließlich wurde der Shar Pei als vielseitiger Arbeitshund gezüchtet, der agil sein soll und nicht durch übermäßige Falten behindert" werden soll, wie der Schweizer Shar Pei-Züchter Jason Wong betont, der sich auf den Urtyp des Shar Pei besinnt.

Aber auch im aktuellen Rassestandard der FCI, der dem westlichen Typus (siehe später) des Shar Pei gilt, gelten als Fehler „Hautfalten oder Haare, die die normale Funktion der Augen beeinträchtigen", sowie auch „tiefe Hautfalten am Körper und an den Gliedmaßen, außer am Widerrist und am Rutenansatz". Diese kritischere Haltung zu den bisher übermäßigen Falten beginnt sich ­glücklicherweise bei seriösen Züchtern allmählich durchzusetzen.

Zur Geschichte der Rasse
Der Shar Pei wird als eine alte chinesische Hunderasse bezeichnet, die es schon zu Zeiten der Han-Dynastie um 200 v. Chr. gegeben haben soll. Malereien auf Töpfereien sowie auch kleine Shar Pei-ähnliche Statuetten aus dieser Zeit weisen darauf hin, dass der Ursprung dieser Rasse in der südchinesischen Provinz Quangtung liegen soll. Die älteste literarische Quelle aus China stammt aus dem 13. Jahrhundert und beschreibt einen faltigen Hund mit Shar Pei-ähnlichen Merkmalen. Er fand vor allem Verwendung als Wachhund und Jagdhund der ­Bauern. Allerdings soll er als Wachhund auch Adelige und Samurai­kämpfer beschützt haben, heißt es in einigen Quellen. Aufgrund ihrer faltigen, losen Haut und ihrer Kraft wurden diese Hunde in China später auch in Hundekämpfen verwendet, wie viele andere Rassen auch.

Während der kommunistischen Revolution in China kam es fast zum Aussterben der Rasse. Ein chinesischer Geschäftsmann namens Matgo Law soll dann zusammen mit amerikanischen Liebhabern der Rasse den Shar Pei gerettet haben. Einige der wenigen zwischen 1970 and 1973 in Rotchina noch vorhandenen Exemplare wurden nach Hongkong und ­Taiwan gebracht, einige auch in die USA. Mit diesen wurde dann mittels ausgeprägter Inzucht (es gab ja nur wenige Hunde dieser Rasse) die Rasse zunächst vor dem Aussterben gerettet. In den 1970ern noch als „seltenste Rasse der Welt" bezeichnet, ging es danach wieder bergauf, was die Anzahl der Hunde betrifft, und zugleich bergab, was die Gesundheit anlangt, wie ­viele Experten kritisieren. Denn bald fanden Züchter großen Gefallen an der übermäßigen Falten­bildung und forcierten dieses Merkmal in ihrer Zucht. Das führte auch zu einem Modeboom, vor allem in den USA, wo es derzeit um 80.000 Shar Peis geben soll. So kam es schließlich dazu, dass der Shar Pei des westlichen Typs mit über­mäßiger Faltenbildung als klassiche Qualzucht bekannt wurde.

Charakter
Studiert man die Literatur über den Shar Pei, fällt auf, wie die Autoren bei der Darstellung seines Charakters ins Schwärmen kommen, dennoch kann man aus einigen dargestellten Merkmalen auch zwischen den Zeilen sehr deutlich lesen. Wenn, wie bspw. im FCI-Standard, die Rasse als „ruhig, unabhängig, treu, liebe­voll zu den Mitgliedern der Familie" bezeichnet wird, muss man sich fragen, was mit ­„unabhängig" eigentlich gemeint ist. Andernorts wird der Shar Pei als „Ein-Mann-Hund" bezeichnet, d.h. er bindet sich offenbar lieber nur an eine Person. Andererseits aber sei er auch ein „Familienhund". Interessant ist die Tatsache, dass im FCI-Standard bei den Augen verlangt wird, dass sie einen „missmutigen Ausdruck" haben sollen. Ein missmutiges Dreinsehen als erforderliches Zuchtmerkmal zu bezeichnen, scheint mir heutzutage etwas anachronistisch zu sein. Wie auch immer, wenn also das Auge missmutig dreinschauen soll, so stellt sich die Frage, ob der Shar Pei auch ein missmutiger Hund ist. Wenn man dann liest, dass er misstrauisch zu Fremden ist und sich da gerne zurückzieht, scheint das zu dem im FCI-Standard geforderten Auge zu passen …

Andererseits sagen Liebhaber und Züchter dieser Rasse, dass die zentralen Charaktermerkmale Ruhe, Gelassenheit und Ausgeglichenheit seien. Wenn man liest, dass er sich im Kreise seiner Familie am wohlsten fühlt, dann heißt dies, dass er Fremden gegenüber eher misstrauisch und reserviert ist, was als Erbe seiner Aufgabe als Wachhund auch verständlich ist. Diese Eigenschaft bestätigen dann Shar Pei-Freunde auch. D.h. bei Besuchen muss man seinem Shar Pei daher ent­sprechende Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung stellen.

Auch wenn er kein Hochleistungssportler ist oder besondere körperliche Ausdauer aufweist, so sei er sportlich ambitioniert, heißt es, und er begleite seine Familie gerne bei Wander­touren oder beim Joggen.

Zwei Typen: Nilpferd oder ­Dachziegel?
Man unterscheidet heute zwei Typen des Shar Pei, einerseits den alten ­chinesischen Typus und andererseits den westlichen Typus. Der ­seltenere traditionelle chinesische Typus wird auch als bonemouth-Shar Pei bezeichnet, der westliche aufgrund seines massigeren Schädels hingegen als meatmouth-Shar Pei. Liebhaber des chinesischen Shar Pei kritisieren, dass in der westlichen Zucht der Kopf im Verhältnis zum Körper zu groß ist, was bei den Hunden naturgemäß zu einer geringeren Leistungsfähigkeit führt. Zudem ist der westliche Shar Pei mit einer Größe von 44-51 cm kleiner als der traditionelle mit 48-58 cm. Vergleicht man zudem den alten FCI-Standard von 1994 mit dem aktuell gültigen von 1999, fällt auf, dass von einem ursprünglich „geraden Rücken" abgegangen wurde und man nun fordert, dass die Schulter „gut schräg nach hinten geneigt" sei. Dies ist wohl eine Anpassung an den schwereren Kopf im Vergleich zur ursprünglichen ­Rasse. Ob dies gesundheitlich günstiger ist als ein gerader Rücken, wird von Experten bezweifelt. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal der beiden Typen ist die Schnauze, die beim westlichen Shar Pei „nilpferdartig" ist, während der chinesische Typus keinen Nasenbuckel aufweist, die Oberseite sei vielmehr „wie ein Dachziegel" ge­bogen, heißt es.

Manche Shar Pei-Experten und ­-Züchter, wie etwa der Schweizer Züchter Jason Wong (www.sharpei.ch), weisen darauf hin, dass die Zucht des chinesischen Shar Pei, wie sie vor allem in Hongkong forciert wird, vor allem durch genetische Vielfalt die Gesundheit der Rasse zu verbessern sucht. In den westlichen Ländern ­hingegen würde nur auf das Äußerliche geachtet, d. h. möglichst genau dem FCI-­Standard zu entsprechen. Dabei würde die Gesundheit der ­Rasse „gänzlich auf der Strecke" ­bleiben. Dennoch gibt es auch unter den Züchtern des west­lichen Typs Bestrebungen, die ­Gesundheit der Rasse zu verbessern.

Der Shar Pei, der heute häufiger als westlicher Typus mit massigerem Kopf gezüchtet wird (FCI-Standard), sowie seltener als ursprünglich chinesischer Typus (größer und agiler), ist nicht nur vom historischen Aspekt her gesehen eine sehr interessante Rasse. Wer sich dafür interessiert, sollte unter allen Umständen danach trachten, einen Hund aus einer seriösen, auf Gesundheit bedachten Zucht zu erwerben, und sich vor allem, wenn vorhanden, schon bestehende Nachkommen aus der Zuchtstätte anschauen bzw. die Besitzer befragen können. Auch wenn die Wesenseigenschaften einer Hunde­rasse grundsätzlich in gewissem Rahmen vorhersagbar sind, so ist die Genetik nicht der einzige Aspekt dafür. Auch die Aufzucht beim Züchter sowie das spätere familiäre Umfeld spielen eine große Rolle, wie sich ein Shar Pei entwickeln wird.

Prinzipiell möchte ich schließlich anmerken, dass sich niemand anhand eines bloßen Rasseporträts für eine bestimmte Rasse entscheiden soll. Dies gilt auch für dieses! Sinn solcher Porträts ist es vielmehr, die Vielfalt unserer Hunderassen vorzustellen. Sollte dadurch das Interesse für eine Rasse geweckt werden, beginnt erst eigentlich die Arbeit des Hunde-Interessenten. Ausführliche weitere Literaturrecherche sowie Kontakt­aufnahme mit Besitzern solcher Rassen, entweder direkt oder in ­Internetforen, sind erste Voraussetzungen dafür, eine Hunderasse auch näher kennenzulernen.

HINTERGRUND

Rassespezifische Erkrankungen des Shar Pei

Aufgrund des sehr kleinen Genpools in den 1970er Jahren, als die Rasse vom Aussterben bedroht war, finden sich einige Erbkrankheiten, die man gehäuft beim Shar Pei findet. Die wichtigsten sind im Folgenden aufgelistet.

  • „Familiales Shar-Pei Fieber" (FSF): Erkrankung mit hohem Fieber und übertriebenen Entzündungs­reaktionen. Es kommt zu Gelenksschwellungen, teilweise Schwellungen am Maul sowie Schmerzempfindlichkeit. Außerdem auch Erbrechen, Durchfall, Apathie.
  • Amyloidose: Kann zu einem frühen Tod durch Nierenversagen führen.
  • Muzinose: Hauterkrankung ungeklärter Herkunft mit teigigen Schwellungen, Rötungen, Pusteln und Haarausfall.
  • Otitis: Entzündungen des Gehörganges durch die im Standard geforderten kleinen Ohren, ­weshalb es zu einem engen Gehörgang kommen kann.
  • Angeborenes Entropium: ­Einwärtsrollen der Augenlider mit Augenentzündungen.

WUFF-INFORMATION

Rasseklubs

1. Deutscher Shar-Pei-Club 1985 e.V.
http://www.1-dspc.de

Molosser Club Austria
http://www.molosser.at

Molosser Club der Schweiz
http://www.molosser-club.ch

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Dr. Hans Mosser
Der Arzt und Theologe Mag. Dr. Hans Mosser ist Mitbegründer und Herausgeber von WUFF und arbeitet im Hauptberuf als leitender Arzt und ­Professor in einem Universitätsklinikum.

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