So findet man die Berufung seines Hundes

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Berlin/Wesel (APA/dpa) – Sind Hunde nicht ausgelastet, entwickeln sie manchmal komische Vorlieben. Dagegen hilft ein Hobby. Viele Tiere entdecken durch Hundesport oder Nasenarbeit eine richtige Berufung – für uns Menschen mitunter ein riesiges Kapital.

Sie nehmen die Wohnung auseinander oder machen Radau, wenn man es gar nicht brauchen kann. Unausgelastete Hunde sind eine echte Last. Oft ist das Problem allerdings hausgemacht: Die Tiere sind intellektuell unterfordert. Aber: Wie findet man die richtige tiergerechte Beschäftigung für seinen Hund – ohne dass man sein Leben komplett umkrempeln muss?

Die Hundetrainerin Katja Krauß sagt: „Erst einmal ist es wichtig, auf das Individuum zu schauen. Wie sieht der Alltag des Hundes aus? Was für ein Temperament hat er?“ Ein Hund, der mit ins Büro geht, hat sozusagen schon einen Job. „Viele Gerüche, viele Menschen. Das ist für die Tiere auch geistige Arbeit“, sagt die Expertin. Da verwundert es nicht, wenn der Hund nach einem 8-Stunden-Arbeitstag höchstens noch seinen Schlaf unterbricht, um einen Kontrollgang zum Futternapf zu machen. Bewegung ist natürlich trotzdem wichtig: „Eine Stunde sollte es bei erwachsenen Hunden mindestens am Tag sein, besser sogar zwei“, so Krauß. Und, na klar, kann man es auch beim Spazierengehen belassen. Aber regelmäßiger Sport ist vor allem deshalb gut, weil er in der Regel Bewegung und geistige Auslastung bietet.

Eine der beliebtesten Hundesportarten ist das Agility. Dabei wird eine Art Hindernisparcours durchlaufen. Auf Zeit müssen sie unter anderem Sprünge überwinden, durch Tunnel kriechen und Slalom laufen. Viele Tiere haben daran einen Heidenspaß. Die Hundeexpertin Marlies Köster erklärt: „Die Höhe der Hindernisse ist auf die Hunde angepasst, generell können alle teilnehmen“. Das ständige Springen und dessen Auswirkung auf die Gelenke wird in der Hundebesitzer-Szene allerdings heiß diskutiert.

Gerade bei großen Hunden ist die Gefahr, Gelenkbeschwerden zu entwickeln oder zu verstärken, groß. Die Tierärztin Astrid Behr rät: „Sprechen Sie mit ihrem Haustierarzt, bevor sie einen Hundesport wie etwa Agility ausüben.“ Auf der Suche nach dem richtigen Hobby für den Hund sei es außerdem hilfreich, die Rasse und deren Triebe zu bedenken: „Oft geben Rassezuchtvereine Ideen für eine artgerechte Beschäftigung. Bei Mischlingen müssen Besitzer überlegen: Von welchem Anteil hat der Hund mehr? Wie verhält er sich?“

Bei Retrievern beispielsweise ist die Sache klar: Die Passion dieser Hunde ist das Apportieren, also das Bringen von Bällen, Stöckchen, Dummys. Die meisten lieben auch das Wasser, eine gute Möglichkeit der Beschäftigung sind also Bringspiele aus dem Wasser. Schwimmen ist zudem gut für die Gelenke.

Schwieriger wird es bei Hütehunden. Border Collies etwa oder auch Australian Shepherds sind hochintelligente Leistungssportler – allerdings im Schafe hüten. Die meisten Besitzer haben aber leider keine. „Der Hütetrieb ist schwer zu befriedigen“, bedauert auch Krauß. Die Hunde müssen also anders gefordert werden. Da sie sehr intelligent sind, bietet sich hier zum Beispiel komplexe Nasenarbeit an. Aber auch Hindernistraining jeglicher Art kann eine schöne Herausforderung für sie sein. „Die besten Hunde bei Meisterschaften in Agility sind meistens Border Collies oder Australian Shepherds“, weiß Köster.

Hundetrainerin Krauß hält dennoch nichts vom Agility: „Die Sprünge sind für die meisten Hunde zu hoch, das Training auf Zeit ist nicht artgerecht.“ Sie selbst bietet eine abgewandelte Form namens Mobility an: Stationen, an denen es auch um die Bewältigung von Aufgaben geht – allerdings nicht auf Zeit und ohne hohe Hürden.

Ein Sport, der vor allem den Gehorsam der Tiere schult, ist das Rally Obedience. Eine Sportart aus den USA bei der die Hunde ähnlich wie beim Dressurreiten verschiedene Lektionen an der Seite ihres Halters absolvieren müssen, kombiniert mit kleinen Hindernissen. Häufig gibt es außerdem die Möglichkeit, in Vereinen das Longieren zu erlernen – der Hund rennt dabei um einen abgesteckten Kreis um den Besitzer herum und ändert auf dessen Signal Richtung und Tempo.

Klar ist: So zahlreich wie die Vereine ist auch das Angebot an Hundesportarten, die fast immer für alle Hunde prinzipiell geeignet sind. Hund und Halter müssen eben ausprobieren, was gefällt. Krauß wirbt vor allem für die Nasenarbeit mit Hunden. Egal ob Hütehund, Labrador oder Chihuahua. Die Nase der Tiere ist derart fein, dass es kein besonderes Talent brauche, um Gegenstände oder Stoffe auf Kommando zu erriechen. Zehn bis 15 Prozent des Gehirns würden die Hunde zum Schnüffeln einsetzen. Ihre eigenen Hunde hat sie zum Beispiel auf die Allergiepflanze Ambrosia und Schimmel in Gebäuden trainiert. Denkbar ist aber auch das Schulen auf Trüffel, Geldscheine, Krebszellen, Allergene oder Bettwanzen. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Einzig Hunde, die sowieso schon Schwierigkeiten mit der Atmung haben, sollten eventuell keine Nasenarbeit machen. Dazu gehören diejenigen mit einer besonders flachen Nase. Also Möpse oder Französische Bulldoggen.

Wer täglich fünf Minuten trainiert, der könne seinen Hund locker in einem halben Jahr zu einem Suchhund ausbilden. Ein Profi braucht dafür manchmal sogar nur etwa zwei Wochen. Der Karriere als Trüffel-Suchhund stehen also nur noch Sie als Besitzer im Wege.

 

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