So geht’s! – Tipps zum verlässlichen Absitzen

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Die Kolumne zum Thema ­„Alltags­probleme mit dem Hund". WUFF-Autorin Yvonne Adler, Tierpsychologin, ­akademisch geprüfte Kynologin und Hunde­trainerin, beantwortet Ihre ­Fragen. Schicken Sie uns Ihr Alltags­problem mit Ihrem Hund — kurz formuliert und mit 1 - 2 Fotos. In dieser Ausgabe geht es um ein spezielles Training zum Absitzen. Schritt für Schritt erklärt Yvonne Adler, wie es gehen kann.

Liebe Frau Adler!
Mein Rhodesian Ridgeback Rüde Louis ist 1 ½ Jahre alt und wir versuchen seit jeher, unserem Rüden ein zu­verlässiges Sitz-Kommando bei­zubringen. Er riecht nur die Wurstleckerchen zum Loben und ist total hibbelig und un­ruhig. Das Kommando selbst führt er dann meist schnell aus und nach dem Wurststück steht er sofort ­wieder auf. Und mit seiner Aufmerksamkeit ist es sofort wieder ­vorbei. Ich hoffe, Sie können Tipps geben!
Sybille Berger

Liebe Frau Berger!
Junge Hunde sind richtige Energiebündel und meist sehr schnell abgelenkt. Zu Beginn ist es unabdingbar, Louis’ Bewegungsapparat von einem Fachtierarzt bzw. Chiropraktiker untersuchen zu lassen, bevor Sie mit dem Training starten. Es kann sein, dass er aus physischen Gründen aus dem Kommando gleich wieder ­aufsteht. Ist dies der Fall und ­Louis hat körperliche Schmerzen beim Hinsetzen, ist es ja nur logisch, dass er schnell wieder aufstehen möchte. Doch keine Sorge, sollte das „Sitz" für Ihren Louis ungeeignet sein, können Sie die untenstehenden Trainingstipps auch mit einem „Steh" anwenden und stattdessen dieses Kommando gut eintrainieren.

Als nächstes überprüfen Sie bitte die Motivation, also die Belohnung für Ihren Louis. Versuchen Sie ihm in ­beiden Händen verschiedene Leckerchen anzubieten: In der ­rechten Hand haben Sie Kekse und in der linken bspw. das normale Hunde­futter. Nun testen Sie die Belohnungen von Louis nach seinen Vorlieben und ­notieren sich bitte, welches die ­beste Be­lohnung (Jackpot) für Louis ist und welche eher weniger gewünscht ist. Die Leckerchen, bei denen er voll hibbelig, unruhig und wahrscheinlich auch gieriger wird (Wurst, etc.), kann man später als Jackpot-Belohnung verwenden, also wenn er etwas ganz toll gemacht hat. Für ein Kommando, bei dem wir dem Hund eine ­gewisse Ruhe abverlangen, brauchen wir ­hingegen eine Belohnung, für die Louis das Kommando gerne ausführt, aber trotzdem nicht überdreht, weil die Belohnung extra toll ist.

Nun haben Sie die richtige ­Bestärkung ausgewählt und es sollte Louis ­leichter fallen, sich im „Sitz" ruhiger zu ­ver­halten. Ein weiterer häufiger ­Stolperstein in der Hundeausbildung ist, dass der Hund nicht weiß, wann eine Übung zu Ende ist. Hunde nehmen dann sehr schnell an, dass das Leckerchen den Schluss signalisiert. Für viele Menschen ist dies auch so in Ordnung und es passt. Wenn es jedoch darum geht, dass Hunde ein Kommando auch ­länger ­zuverlässig ausführen sollen, ist eine klare gemeinsame Kommunikation sehr wichtig.

Mit Ihrem Kommando für „Sitz" lassen Sie Louis absitzen und haben zwei Leckerchen in der Hand. Sie geben ihm das erste Leckerchen für „Sitz", wiederholen das Kommando direkt nochmals (Louis sitzt noch immer und riecht ja nun das zweite ­Leckerchen) und mit kurzer Verzögerung erhält er auch das zweite Leckerchen. ­Bleiben Sie in Ihrer Körperspannung und sobald er das zweite Leckerchen abgeschluckt hat und Sie sehen, dass er vielleicht gleich aufstehen wird, geben Sie das Zeichen für „Ende". „Ende" kann ein gewünschtes ­Hörzeichen signalisieren oder auch ein Sichtzeichen.

Wenn diese Übung erfolgreich durchgeführt werden kann, was meist sehr schnell passiert, geht es ans Abwandeln und Verändern der Übung. Tut man dies nicht, weiß Louis einfach, es gibt zwei Leckerchen, und springt danach gleich wieder auf. Sie geben nun das Hörzeichen „Sitz" und beginnen die Leckerligabe hinauszuzögern. Zu Beginn bspw. eine halbe Sekunde warten – Leckerchen geben, wenn Louis sitzt, und dann Hör-/Sichtzeichen für „Ende". Dann gibt es einmal 1 Leckerchen, einmal 3, einmal 6, einmal keines und nur ein Lob. ­Wichtig ist, dass eine Intervallbestätigung immer erst dann erfolgen sollte, wenn der Hund „Sitz" wirklich verstanden hat und sich nicht mehr im Trainingsaufbau befindet.

Sie beginnen also in ablenkungsarmer Umgebung (zu Hause) und trainieren in kleinen Teilschritten weiter. Die Ablenkung kann mit dem Lernfortschritt gesteigert werden. Achten Sie darauf, dass Sie hier nicht zu schnell vorgehen und/oder zu große Abwechslungen bereits am Anfang einbauen, da das den Erfolg ­schmälern kann. Zusätzlich müssen Sie auch auf die Umwelt achten. Gerade jetzt in der kalten Jahreszeit ist es kontraproduktiv, so eine – für Ihren Louis anscheinend schwere – Übung auf Rollsplitt oder Eis zu machen. Auch im Sommer gibt es einige Tücken, wie Dornen, Ameisenhaufen etc.

Mit einem eindeutigen Kommando­anfang und -ende schaffen Sie für Ihren Louis ein klares und verständ­liches Kommando, mit dem Sie Ihrem Hund Erwartungssicherheit und ­Vertrauen vermitteln.

Ich wünsche Ihnen und Louis, dass Sie schon bald Ihre ersten gemeinsamen längeren Sitz-Erfolge feiern können.

Ihre Yvonne Adler

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Yvonne Adler
Yvonne Adler lebt und arbeitet seit mehr als 20 Jahren mit Hunden. Sie schloss das Studium zur Tierpsychologin mit Auszeichnung ab und ist zudem eine von Europas ersten akademisch geprüften KynologInnen. Neben ihrer Tätigkeit als Sachverständige für Hunde, absolviert sie laufend weitere in- und ausländische Aus- und Fortbildungen im Bereich der Kynlogie, um stets auf dem aktuellsten Stand der internationalen Hundewissenschaft zu sein. Kontakt: Yvonne Adler – Adler Dogs® www.adler-dogs.at

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