Sprichwörtlich HUND: Von dicken, bunten und schlafenden Hunden

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Wie kommt der Hund zu den vielen Redensarten wie bspw. bunter Hund, Hundewetter oder hundemüde? Karin Joachim hat viele solcher ­Redewendungen recherchiert und teils Erstaunliches ausgegraben.

„Ich bin hundemüde“ – ­diese Feststellung hat jeder ­Hundehalter sicher schon oft getroffen und dabei vielleicht belustigt auf den eigenen ­schlafenden Hund geschaut. Und sicher musste schon der eine oder andere mehrfach seinen „inneren Schweinehund ­überwinden“, um doch bei Dauerregen, bei „Hundewetter“ also, zum gewohnten Spaziergang ­aufzu­brechen. Und haben Sie nicht unlängst Ihrem Familienhund eine leckere Wurst angeboten mit der Bemerkung: „Du sollst auch nicht leben wie ein Hund!“ Woher kommen diese und die vielen weiteren sprichwörtlichen Redensarten rund um den Hund und was bedeuten sie genau?

Redensarten und Sprichwörter
Redewendungen begleiten ­unseren Alltag in größerem Maße als wir annehmen. Sprichwörter ­enthalten einen allgemeingültigen Inhalt, transportieren eine Lebensregel oder eine Weisheit und sind in ihrer ­Formulierung festgelegt („Was du nicht willst, das man dir tu …“). ­Redewendungen dagegen bestehen meist aus einer festen Wortver­bindung, die Bedeutung ist nicht unmittelbar aus den einzelnen ­Wörtern abzuleiten. Seit dem 15. und 16. Jahrhundert bereits werden im deutschen Sprachraum Sprichwörter und Redensarten gesammelt (u.a. von Erasmus von Rotterdam), die jedoch vielfach wesentlich älter sind. Deshalb klingen diese mitunter heute etwas veraltet und transportieren Inhalte, die unserer heutigen Welt fremd erscheinen.

Gute und schlechte  Eigenschaften
„Hundeelend“, „hundsgemein“, ­„blöder Hund“ – ein Großteil der ­sprichwörtlichen Redensarten, in denen unser Haushund vorkommt, hat eine negative Bedeutung. Der Hund ist darin das Sinnbild alles Kärglichen, Geringwertigen. „Hündisch“ gar ist die Beschreibung eines unterwürfigen Menschen. Nur selten werden darin positive Eigenschaften wie die immer wieder als sprichwörtlich bezeichnete Treue thematisiert. Der „treue Hundeblick“ ist einer der wenigen positiven Ausdrücke. Woher kommt das?

Seit jeher wird der Hund sehr ambivalent bewertet, sowohl im euro­päischen Kulturkreis als auch weltweit. In manchen Kulturen war der Hund Begleiter von Gottheiten (z.B. Göttin Diana), auch spezielle Hundegötter (Mexiko: Xolotl, Ägypten: Anubis) sind überliefert. Seine Treue, sein Mut und seine Kraft wurden verehrt, beispielsweise bei den Kelten. Noch heute heißt so mancher Hund Argos, und Herrchen oder Frauchen weiß gar nicht, dass dies der Name des Hundes des griechischen Helden Odysseus war, dessen Treue legendär wurde. Andererseits wurden ­Hunde gefürchtet oder als Überbringer von Unheil und Krankheiten (z.B. der Tollwut) verteufelt. Vielfach besteht auch eine Verbindung des Hundes mit den dunklen Mächten und der Unterwelt. So z.B. ist Zerberus aus der griechischen Mythologie ­Wächter am Tor zur Unterwelt. In vielen Kulturen bestanden im realen Leben deutliche Unterschiede zwischen der Behandlung nützlicher Hunde (Jagdhunde, Windhunde) und der herrenloser Hunde oder der Hunde der ärmeren Bevölkerung, dies auch im euro­päischen Raum. Negative Aus­drücke wie „falscher oder feiger Hund“ ­stehen in engem Zusammenhang mit den Rechtsgebräuchen vergangener Zeiten.

Regeln und Moralvorstellungen
Sprichwörtliche Redensarten transportieren oft eine (vermeintlich) allgemeingültige Regel mit oft auch moralischen Vorstellungen. „Beiß nicht die Hand, die dich füttert“, ist ein solcher Ratschlag. Viele Redensarten stehen in engem Zusammenhang mit der Jagdausübung früherer Zeiten. Die Jagd war ein Privileg und durfte nur von bestimmten Personen­gruppen ausgeübt werden. Die Sorge für die Jagdhunde, auch die der Adeligen, überließ man jedoch oft der einfachen Bevölkerung. Jagdhunde bekamen häufig das letzte flüchtende Wildtier einer Gruppe zu fassen, woraus sich die Redewendung „Den Letzten ­beißen die Hunde“ ableitet.

Haben Sie sich schon des Öfteren gefragt, ob der Spruch „Hunde, die bellen, beißen nicht“ wirklich zutreffend ist? Zumeist wohl ja, denn wenn Hunde ausgesprochen deutlich ihre Zähne zeigen und sich lautstark gebärden, möchten sie in Wirklichkeit nur andere auf Distanz halten. Ihr Ziel ist es zunächst, einem Kampf aus dem Weg zu gehen. Auf den menschlichen Bereich übertragen bedeutet der Kern dieses Sprichwortes: Jemand, der laut herumschreit, muss nicht unbedingt handgreiflich werden. Sicher ist das aber in beiden Fällen nicht immer. Hundliche Verhaltensweisen dienen in vielen Redensarten also dazu, den Menschen eine Art Leitfaden für den Umgang mit anderen Menschen an die Hand zu geben.

Schwierig zu ergründen
Während Feststellungen wie „Damit lockt man keinen Hund hinterm Ofen hervor“ oder „Den Schwanz einziehen“ auch heute noch verständlich sind, erschließt sich bei etlichen der Sinn nicht gleich und manche führen uns sogar auf eine falsche Fährte: „Sind Sie jetzt auch schon auf den Hund gekommen?“, haben bereits die meisten Neuhundebesitzer schon einmal gehört. Mit diesem Ausspruch war aber eigentlich gar nicht die Neuanschaffung eines Hundes gemeint, sondern die Feststellung, dass der Angesprochene oder Beschriebene herunter-, nämlich in ärmliche Verhältnisse gekommen war. Für die Herkunft dieser Redewendung gibt es unterschiedliche Interpretationen. Eine geläufige ist diese: Auf den Boden von Geld­kassetten war in früheren Zeiten ein ­angsteinflößender Hund aufgemalt. Zur Abschreckung von Dieben oder aber auch als Mahnung an den Besitzer der Wert­sachen selbst, der, sobald er den Hund auf dem Grund des Bodens sehen konnte, deutlich über seine Verhältnisse gelebt hatte. Impliziert wäre damit zugleich ein Apell an die eigene Sparsamkeit. Eine andere Erklärung: Wirklich arme Menschen konnten sich als Zug- und Lasttier nur einen Hund leisten. Der Hund wurde zum Symbol der Verarmung, besonders wenn sich der Mensch zuvor noch ein Pferd oder einen Esel leisten konnte, also wirtschaftlich abgestiegen war. Diesen Abstieg beschreibt auch das Sprichwort „Vor die Hunde gehen.“ Doch mit Hunden hatte diese Feststellung rein gar nichts zu tun. Etwa seit dem 16. Jahrhundert war im Bergbau ein offener, kastenförmiger auf Schienen zu bewegender Förderwagen im Gebrauch, der Hunt/d genannt wurde. Ein schlechter Arbeiter musste zur Strafe diesen Wagen ziehen und ging dementsprechend „vor dem Hunt“. Über die Herkunft des Begriffs selbst streiten sich die Gelehrten. Eine Erklärung: der Wagen machte auf den Schienen ein quietschendes Geräusch, ähnlich dem Bellen eines Hundes.

„Da ist der Hund begraben“ ist eine weitere Redewendung, die eher Rätsel aufgibt. Wenn man heute einen Ort damit beschreibt, so meint man landläufig einen öden Ort, einen Ort, der von jeglicher Zivilisation abgeschieden ist. Überliefert ist auch „Da liegt der Hund begraben“, womit nicht etwa ein Hundegrab gemeint ist, sondern die Ursache von etwas oder generell eine Schwierigkeit. Die Experten sind sich uneins über den Ursprung auch dieser Redensart. Plausibel wird sie jedoch, wenn man bedenkt, dass mittelhochdeutsch die „hunde“ ‘Schatz, Beute‘ bedeutet (der Hund = der „hunt“). Die sprachliche Herkunft geriet in späteren Zeiten in Vergessenheit. Man erklärte diese Redensart dann mit einem sagenhaften Schatzhüterhund, der in der Erde verborgen war und Schatzräuber fern halten sollte.
 
Wenn man heutzutage dem „inneren Schweinehund“ mutig gegenübertritt und seine eigene Willensschwäche überwinden will, so ahnt man nicht, dass sich die Bedeutung seit dem ersten Auftreten im 19. Jh. mehrfach gewandelt hat: Vom bissigen Charakter (gleich dem eines Saupackerhundes) über die niedrigsten mensch­lichen Motive (1920er Jahre) zu herausragenden soldatischen Tugenden (2. Weltkrieg).

Der Pudel
Besonders häufig taucht der Pudel in sprichwörtlichen Redensarten auf. Der Pudel selbst kam zu seinem Namen, weil er sich gerne im ­Wasser aufhält und für die Wasserarbeit gezüchtet wurde. Der Pudel ist also etymologisch mit der Pfütze und dem Pfuhl verwandt. Ein „begossener Pudel“ sieht aufgrund seines in trockenem Zustand lockigen Fells auch meist recht mitleidserregend aus, und ein Mensch schaut dementsprechend kleinlaut und beschämt. Das genaue Gegenteil empfindet, wer sich ­„pudelwohl“ fühlt, ein sich freuender Pudel ist ja auch lustig anzuschauen. In der Literatur hat der Pudel eine Sonderstellung inne, taucht er z.B. in Schillers „Räubern“ oder in Goethes „Faust“ („Des Pudels Kern!“) auf. ­Kegler kennen den Pudel in einem anderen Zusammenhang: Es ist ein Fehlwurf. Das Verb „pudeln“ ist erstmals im 18. Jh. überliefert und meint „einen Fehler machen“. Dass die „Pudelmütze“ nicht dem Pudel gehört oder gar aus seinem Fell hergestellt wurde, versteht sich: Das Ende der frisierten Rute stand hier Pate.

Andere Sprachen
Auch das Lateinische kennt einige Redensarten rund um den Hund: „Cave canem“ stand in antiken Städten an so mancher Haustür, aus Pompeji ist ein ausdrucksstarkes Bodenmosaik erhalten. Ein Schild mit der Aufschrift „Vorsicht, bissiger Hund“ hängt heute noch an so mancher Gartenpforte.

Während man im Deutschen ­„Schlafende Hunde nicht wecken soll“, ein Problem lieber nicht ansprechen, also ruhen lassen sollte, heißt es im Französischen: „Il ne faut pas réveiller le chat (Katze) qui dort“. Dort wo übrigens im Deutschen der Hund begraben liegt, ist es im Französischen der Hase („C’est là qu’est le lièvre“. Ein extremes Regenwetter („Hundewetter“) beschreiben wir mit der Feststellung „Es regnet Hunde und Katzen“, dies ist eine Übersetzung des englischen „It’s raining cats and dogs.“ Vielfach findet man die Erklärung, Tiere würden gar von Windhosen in die Höhe gezogen und kämen dann mit dem Regen auf die Erde. ­Plausibler ist die Verballhornung des ursprünglich altfranzösischen Wortes ­„catadyse“ für Wasserfall.

Kurioses
Wenn man eine Aufgabe „vergeigt“, also nicht zufriedenstellend erledigt, so hat man sie „verhunzt“. Was hat der Hund damit zu tun? Das Verb wurde erst in neuhochdeutscher Zeit abgeleitet und müsste eigentlich ­„verhundsen“ heißen, womit wir wieder bei den negativen Attributen angelangt wären. Vielerlei Attribute haben sich dem Hund hinzugesellt: „Bunte“, auffallende Hunde begegnen uns des Öfteren, die auch meist bekannt wie solche sind. Mit Ruhm haben sich diese Menschen meist nicht bekleckert und so schwingt hierbei eine kritische Bewertung mit. Aus dem frühen 18. Jh. existiert der Vergleich einer Frau mit dem Verhalten eines Hundes: „die man … pflegt einen bunten Hund zu nennen, den man auf allen Straßen find.“ Nicht sehr schmeichelhaft. Mit dem Ausruf „ein dicker Hund“ möchte man sein Erstaunen über etwas ­Ungeheuerliches zum Ausdruck bringen. Teilweise bezeichnet man damit auch einen groben orthographischen oder grammatika­lischen Fehler. Über die genaue Wortherkunft wird viel spekuliert, eine eindeutige Erklärung findet sich jedoch nicht. Heute ein wenig aus der Mode gekommen, doch mancher kennt ihn noch – den „­Kalten Hund“, eine Keks-Schichttorte, die nicht gebacken wird, kühl gestellt werden muss und ihren Namen ­vermutlich von der kalten Hundeschnauze erhalten hat. Das hundliche Verhalten selbst wird heute ebenfalls wortreich umschrieben: Schlitten fahrende Hunde sind im Winterurlaub eher selten anzutreffen, häufiger dagegen im heimischen Haus, dann nämlich, wenn ihr Hinterteil juckt oder schmerzt.

Seien wir Hundehalter also froh darüber, dass unsere Hunde bei uns ein wahrlich gutes „Hundeleben“ führen – ob als Schoß- oder Sofa-, als Arbeits- oder Begleithunde, und ärgern wir uns nicht, wenn sie uns wieder einmal mit ihrem „Dackelblick“ um den Finger wickeln.                        

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Karin Joachim studierte Germanistik und Anglistik an der Universität Bonn und leitete lange Jahre ein archäologisches Museum in Rheinland-Pfalz. Heute veranstaltet sie Kultur- und Naturführungen, Familienwanderungen und thematische Stadtbesichtigungen für Mensch und Hund in und um Bad Neuenahr-Ahrweiler unweit von Bonn. Zur Zeit begleitet sie Airedale Terrier Hündin Lina. www.forum-mensch-hund.de 

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