Standard oder Mini

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Darf ein Miniatur Bullterrier nach Deutschland eingeführt werden, ohne dass ein Straftatbestand verwirklicht wird? Muss für einen Miniatur Bullterrier in denjenigen Bundesländern, in denen der ­„Bullterrier" auf der Rasseliste steht, eine Haltererlaubnis beantragt, möglicherweise gar die sog. Kampfhundesteuer gezahlt werden?

„Natürlich nicht!" wird der geneigte und informierte WUFF-Leser empört ausrufen: „Der Miniatur Bullterrier ist doch eine eigenständige Rasse!". „Genau so ist es", könnte vorschnell beigepflichtet werden. Aber eben nur vorschnell, denn ganz so einfach ist es leider teilweise nicht.

Kynologisch zwei unterschiedliche Rassen

In vielen Bundesländern – auch ­solchen mit einem Hundegesetz oder einer Hundeverordnung mit Rasseliste – wird schon seit langem anerkannt, dass es sich beim Standard und beim Miniatur Bullterrier um zwei unterschiedliche Rassen handelt. Der Verband für das Deutsche Hundewesen e.V. (VDH) hat dies schon vor Jahren bestätigt, die beiden zuständigen Zuchtvereine im VDH, der Deutsche Club für Bullterrier e.V. (DCBT) und die Gesellschaft der Bullterrier-Freunde e.V. (GBF) führen die beiden Rassen eigenständig in getrennten Zuchtbüchern. In Großbritannien, dem Herkunftsort der Rasse, bestätigt das Pendant zum VDH, der Kennel Club, ebenfalls die Eigenständigkeit der ­beiden Rassen.

Probleme mit den jeweils zuständigen Behörden gibt es daher für betroffene Hundehalter allenfalls, wenn sie Hunde als Miniatur Bullterrier halten, welche die im FCI-Rassestandard angegebene Sollgröße von 35,5 cm überschreiten. Wenn die Abstammung des Hundes ­indes mit Papieren anerkannter Verbände nachgewiesen werden kann, ­lösen sich diese Probleme schnell wieder auf. Bei Hunden ohne Papiere werden in der Regel Sachverständigengutachten eingeholt, mit denen entsprechende Sachverhalte ebenfalls oftmals geklärt werden können. Auch bei diesen eigentlich klaren Fällen kann zwar mitunter die Tücke im Detail liegen („zwei Gutachter, drei Meinungen"); grundsätzlich klären sich diese Angelegenheiten allerdings im tatsächlichen Bereich, d.h. entweder handelt es sich um einen Miniatur Bullterrier oder aber um einen Standard Bullterrier.

Für manche Gemeinden
„dieselbe Rasse"

Spannender gestaltet sich allerdings die Sache, wenn der betroffene Hunde­halter bspw. in Sachsen-Anhalt wohnt; denn dort – und auch in einzelnen Gemeinden anderer Bundesländer – gibt man sich mit dem vorgenannten Geplänkel gar nicht erst ab. Vielmehr wird der Miniatur Bullterrier dem Standard Bullterrier gleichgesetzt, obschon § 3 Abs. 2 GefHuG LSA keine eigene Rasseliste aufstellt, sondern auf diejenige des § 2 Abs. 1 Satz 1 HundVerbrEinfG (Bund) verweist, in welchem u.a. der „Bullterrier" aufgeführt ist. Zur Begründung wird auf den Rassestandard der FCI Nr. 11 verwiesen, in welchem zunächst ausführlich der Standard Bullterrier, sodann recht knapp der Miniatur Bullterrier beschrieben wird. Da in diesem Standard hinsichtlich des Miniatur Bullterriers im Wesentlichen nur ausgeführt wird, dass sein Standard gleich dem des Bullterriers ist, allerdings mit Ausnahme der Größe, wird behördlicherseits geschlussfolgert, der Miniatur Bull­terrier sei nur eine Varietät des Bullterriers und keine eigenständige Rasse.

FCI-Generalversammlung:
komplett getrennte Rasse­standards

Das Verwaltungsgericht in Halle hat diese Auffassung in einem Eilverfahren mit Beschluss vom 25.1.2011 bestätigt (3 B 907/10 HAL); das Verwaltungsgericht in Aachen hingegen ist bereits mit Urteil vom 27.12.2006 (6 K 903/05) davon ausgegangen, dass es sich um zwei unterschiedliche Rassen handelt. In einem weiteren Eilverfahren musste sich jüngst in der 2. Instanz der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg mit derselben Frage beschäftigen; mit Beschluss vom 29.08.2011 (1 S 1372/11) äußerte der Senat Zweifel daran, dass Standard und Miniatur Bullterrier eine Rasse seien; abschließend entschieden hat der Senat allerdings nicht, denn während das Verfahren lief, hat die FCI-Generalversammlung am 04./05. Juli 2011 einstimmig den Beschluss gefasst, den Miniatur Bullterrier künftig klarstellend unter einem eigenen Rassestandard mit eigener Standard-Nummer zu führen. Diese Entwicklung hat der Senat im Vorgriff auf ein ­etwaiges Hauptsacheverfahren berücksichtigt, so dass der Antrag­steller seinen Hund einstweilen behalten konnte.

Es bleibt insofern abzuwarten, wie sich diejenigen Behörden künftig verhalten, die bislang von einer Rasse ausgegangen sind. Denn wenn der Beschluss der FCI-Generalversammlung in den nächsten Monaten umgesetzt wird, dürfte die behördliche Luft insofern noch dünner werden als sie zuvor ohnehin schon war …

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