Taube Hunde: Erziehung & Sport

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Helene Weidschachers Hauptanliegen war es, Prinzipien für die Ausbildung eines tauben oder problematischen Hundes aufzuzeigen, um seine Erziehung und das Zusammenleben mit ihm zu erleichtern. Es zeigt sich immer wieder, daß eine Arbeit mit einer angenehmen Verknüpfungen beim Lernen die Sicherheit des Gehorsams erhöht. Diese Erkenntnis findet immer mehr Verständnis und Anwendung.

Blickkontakt ist wichtig
Eine andere Erkenntnis wird auch immer häufiger angewendet: Der Blickkontakt erhöht die Qualität der Zusammenarbeit. Ich habe bei meinen Anleitungen zur Alltagserziehung in den vergangenen drei Jahrzehnten auch immer geraten, den Hund für jedes Herschauen deutlich zu loben – heute sagt man gerne „bestätigen“. Vor kurzem durfte ich aber noch eine andere Dimension verstärkt erleben, die mir klar machte, daß es überhaupt kein Problem sein muß, einen tauben – oder vielleicht schwierigen – Hund zu erziehen:
Ich durfte mit Anton, (Helenes taubem 7-jährigen Dalmatiner, mit dem mein Hund Konsti und ich seit 1994 befreundet sind), einen Agilityparcour laufen. Aus Zeitgründen konnte ich mich leider nicht ausreichend auf den Parcour vorbereiten, startete also ohne die übliche vorherige Parcourbegehung. Deshalb stellte ich mich dann auch so an, als ob ich gerade erst mit diesem Sport begonnen hätte, obwohl ich ihn mit meinem Konsti schon seit 10 Jahren betreibe. Aber der taube Anton ließ sich trotzdem so führen, als ob wir durch ein Gummiband verbunden wären. Er schaute immer wieder – oft geduldig – her und schien sozusagen zu fragen, was ich nun wolle. Wenn ich eine unklare Bewegung machte, vergewisserte er sich nochmal, ob er mich richtig interpretiert habe und befolgte meine nächste Anweisung. Da wurde mir klar, daß die intensivste Kontaktaufnahme zu einem Hund auch über den Blickkontakt geht – wie zwischen uns Menschen. Für diese Erfahrung bin ich dem getupften Freund sehr dankbar!

Körpersprache betonen
Neben der freudigen Arbeit und dem bewußten Umgehen mit dem Blickkontakt ist in der Hundeerziehung noch etwas sehr wichtig, was mein guter Lehrer, Herr Schlichenmeier, schon vor 30 Jahren gelehrt hat, nämlich die Körpersprache. Auch in den Unterordnungsübungen mit hörenden Hunden ist nicht unbedeutend, wie man sich ihnen gegenüber bewegt. Ein schlappes Daherlatschen der ihn führenden Person wird es dem Hund sehr erschweren, eine freudige Arbeit zu zeigen. Wenn nun aber ein Hund das Gehör zur Verständigung nicht einsetzen kann, ist er noch mehr darauf angewiesen, sehen zu können, was man von ihm will – besonders im Lernstadium muß man sich dessen bewußt sein. Da Hunde sehr genau beobachten, können sie später manchmal kleinste Zeichen richtig verstehen.
Helene verwendete die meiste Zeit darauf, mit jedem einzelnen Hundeführer die Verständigung mit dem vierbeinigen Kameraden über die Körpersprache zu erarbeiten. Es wurden die persönlichen Zeichen für Alltagssituationen, z.B das Herkommen, geübt, aber auch mittels Agility das KÖRPERBEWEGUNGSBEWUSSTSEIN geschult. Da gab es viel zu tun.

In der Kürze liegt die Würze
Mittels kleiner Agilitysequenzen und einer Führung mit der Leine entdeckten die menschlichen Teilnehmer, daß ihr Hund sehr genau auf ihre Bewegungen reagiert.
Helene wies auch darauf hin, daß dieses Bewegungsbewußtsein auf den Alltag übertragbar ist. Die Wendung der Schulterpartie seines Menschen wird auch unterwegs vom Hund sehr genau beobachtet und als richtunggebend berücksichtigt.
Die Übungen wurden immer so gestaltet, daß der Hund Freude an der Tätigkeit hatte. Er wurde gelobt. Er durfte dazwischen ein Ballspielchen machen. In der Kürze lag außerdem die Würze. Es wurde auf diese Art gleichzeitig an der Bindung des Hundes zu seinem Führer gearbeitet. So konnte Helene ihre Schüler nach zwei Tagen mit einem reichlichen Rüstzeug für die nächste Zeit entlassen.

Sanfter Hierarchie-Aufbau
Ich habe im Laufe der Jahrzehnte und wiederum bei diesem Seminar folgende Beobachtung gemacht: Durch die regelmäßige freudige Arbeit des Hundes mit seinem Menschen entwickelt der Hund neben der von mir „Nestbindung“ genannten Anbindung an die Bequemlichkeiten eines Zuhauses bei seinen Menschen eine „Gehorsamsbindung“. Wenn ich regelmäßig solche Übungen mache, bei denen er sich trotz des Spielerischen an meine Wünsche hält, erlebt er mich immer wieder als angenehmen Chef, dem zu gehorchen es sich lohnt. Schon Herr Schlichenmeier, der Diensthundeausbilder in Leonberg bei Stuttgart, dem ich als Gast bei seinen Schulungen zuhören und zuschauen durfte, lehrte uns Anfang der 70er-Jahre, daß es die Kunst des Hundeausbildens sei, dem Hund das Gewollte so beizubringen, daß er später glaubt, er folge seinen eigenen Wünschen. Der Hund ist also gewillt, sich meinen Anordnungen zu fügen. Ich nenne diesen Vorgang: „Die sanfte Art des Aufbaues der Dominanz des Menschen über den Hund“.

Geordnete Hierarchie
Die Hierarchieordnung wird dadurch so wie wir sie brauchen. Man kann auf diesem Wege – meiner Beobachtung nach – die Gehorsamsbindung so ausbauen, daß man kritische Situationen mittels einer von mir „Vorbeugende Hundeführung“ genannten Methode mit dem Hund meistern kann. Man muß natürlich die kritischen Situationen wie beim Autofahren rechtzeitig, d.h. vor dem Hund, erkennen und ihn mittels kleiner Unterordnungsübungen – bei denen das Lob natürlich nie ausfallen darf – durch die Situation führen. Mit dieser Methode meistern mein Konsti und ich die vielen schwierigen Situationen, die es für uns auf Grund seiner ehemaligen Wesensschwäche noch gibt, zur Zufriedenheit unserer Mitmenschen.
Wichtig ist mir schließlich noch darauf hinzuweisen, daß man mit dieser Methode gerade Menschen, die ihrem Hund körperlich nicht überlegen sind, einen Weg in die Hand geben kann, mit dem sie sehr wohl Chef ihres Hundes werden können, ohne sich auf körperliche Dominanzkämpfe mit ihm einlassen zu müssen. Außerdem führt dieser Weg zu einem recht sicheren Gehorsam, weil es für den Hund keinen Grund gibt, einem Druck durch Gehorsamsverweigerung auszuweichen. Seine Gehorsamsfähigkeit wird nicht blockiert. Der Weg ist mit einiger Arbeit verbunden – aber auch mit viel Freude – weil es ja lustvolle Aktivitäten sind, die regelmäßig ausgeübt werden müssen.

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Wichtige Elemente der Hundeausbildung

– Bindung zum Hundeführer
– Blickkontakt
– Körpersprache
– Einzelne Übungen kurz halten
– Spielerische Atmosphäre

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Perfekter äußerer Rahmen

Da ich im Artikel bereits erwähnt habe, daß uns das Vereinsheim einen angenehmen Rahmen für die Theoriestunden bot, bleibt mir nur mehr darauf hinzuweisen, daß eine Teilnehmerin uns gleich zu Anfang mit einem riesigen Zucchinikuchen versorgte, der köstlich schmeckte und unser Vereinsmitglied Erich, der das Talent zum „Viel-Haubenkoch“ hat, uns das Mittagessen kochte. Er bereitete sogar für die fünf Vegetarier – von 13 – 15 Teilnehmern! – köstliche fleischlose Speisen zu. Drei Damen aus dem Verein unterstützten uns bei der Verkehrsübung und kümmerten sich Sonntag auch um die Essensausgabe in der Kantine. Unseren herzlichen Dank an den Verein möchte ich hier noch einmal zum Ausdruck bringen!
Wir trennten uns Sonntag spätnachmittags reich erfüllt und zufrieden. Unsere deutschen Gäste konnten noch am gleichen Tag heimfahren. Und auch ich blicke auf zwei erfüllte Tage mit vielen schönen Erlebnissen zurück – nicht zuletzt auf dieses, daß Helene ihr erstes Seminar sehr lebendig und kompetent gestaltet hat. Ich hoffe, es folgen noch viele solcher Seminare von Helene!

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