Tierärztliche Versorgung auch für Hunde obdachloser Menschen in Wien

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Damit auch die Hunde obdachloser Menschen eine – ­kostenlose – ­tierärztliche Versorgung genießen können, haben die öster­reichische Tierärztekammer und der Wiener Verein neunerHAUS eine tierärztliche Versorgungsstelle gegründet.

Nicht selten sind Tiere die ­einzigen sozialen Kontakte und treuen Begleiter obdachloser Menschen. Sie sind Ersatz für Familie und Freunde, geben Geborgenheit und Halt. Damit dieser letzte Halt nicht verloren geht, sind im neunerHAUS, einem Verein zur Errichtung und Führung von Wohnhäusern für obdach- und wohnungslose Menschen in Wien, immer schon auch Tiere willkommen. In den drei neunerHÄUSERN und zwölf Startwohnungen finden 180 obdachlose Menschen gemeinsam mit ihren tierischen Freunden – neben anderen Tieren sind dies derzeit 15 Hunde – ein neues Dach über dem Kopf.

War das neunerHAUS bei seiner Gründung vor mehr als 10 Jahren die erste Einrichtung in Wien, in der ­Menschen ihre Tiere mitbringen und mit ihnen leben konnten, so gibt es heute bereits in knapp der Hälfte der Dauer- und Übergangswohneinrichtungen der Wiener Wohnungslosen-Hilfe (WWH) und in zwei Notschlafstellen ebenfalls Kontingente an Wohnplätzen für Menschen mit Tieren. „Unsere neue tierärztliche Versorgungsstelle soll durch die Förderung der Tiergesundheit dazu beitragen, dass in Zukunft noch mehr WWH-Wohnplätze für obdachlose Tierhalter angeboten werden. Eine gesicherte veterinär­medizinische Basisversorgung ist dafür unumgänglich“, ist Markus ­Reiter, Geschäftsführer des Vereins neunerHAUS, überzeugt.

Warum eine tierärztliche Versorgungsstelle für Tiere Obdachloser?
Für wohnungs- und obdachlose Tierhalter ist es ein besonderes Problem, wenn ein Tier veterinärmedizinische Versorgung braucht, da sie die mit einem Tierarztbesuch verbundenen Kosten nicht tragen können. In den letzten Jahren betreuten ehrenamtliche Tierärzte und Sozialbetreuer in Form von Hausbesuchen schon kontinuierlich die Tiere der ­neunerHAUS-Bewohner. Um das tierärztliche Leistungsangebot allen obdach- und wohnungslosen Menschen in Wien zugänglich zu machen, wurde nun eine tierärztliche Versorgungsstelle eingerichtet.

Tierhaltung darf keine soziale ­Frage sein
Tierschutzstadträtin Sandra Frauenberger zur Bedeutung des Projektes:
„Tierhaltung darf keine soziale ­Frage sein, sondern muss im richtigen ­Ausmaß für alle Tierfreunde und -freundinnen ermöglicht werden.
Die Versorgungsstelle für Tiere Obdachloser leistet hier einen maßgeblichen Beitrag. Daher unterstützt die Stadt dieses wichtige Projekt.“

An die neunerHAUS Tierärzte ­können sich wohnungslose Tierbesitzer wenden, wenn ihre Tiere krank bzw. verletzt sind und veterinärmedizinische Versorgung notwendig wird. Das – kostenlose – medizinische Angebot umfasst in erster Linie Impfungen und Parasitenbehandlung bzw. Vorbeugung bei Hund und Katze. Neben einer normalen Ambulanztätigkeit werden aber auch einfache chirurgische Eingriffe, Wundversorgungen, Schmerztherapien und Zahnbehandlungen angeboten.

Besondere Bedeutung für eine verantwortungsvolle Tierhaltung kommt auch dem Kastrieren von Tieren zu: Ungewollte Vermehrung ist nicht nur ein Platz- sondern auch ein Kostenproblem. Außerdem werden alle ­Hunde gechipt und registriert, wodurch jeder Hund seinem Besitzer eindeutig zugeordnet werden kann.

Gesunde Hunde, Katzen, Kaninchen und Vögel sind für Menschen ohne Obdach nun eine Sorge weniger. „One health – eine Gesundheit: Tierärzte sehen ihre Arbeit als Beitrag für die Gesundheit von Mensch und Tier“, erklärt Dr. Maurizio Colcuc, Präsident der Landesstelle Wien der Österreichischen Tierärztekammer  das Engagement der Tierärzte bei der Verwirklichung des Projektes „neunerHAUS tierärztliche Versorgungsstelle“.

Die Finanzierung
Der Verein neunerHAUS stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung, Tierärzte und Sozialbetreuer sind ehrenamtlich tätig. Für Geräte, Verbrauchsmaterialien, Medikamente etc. ist der Verein auf Geld- und Sachspenden angewiesen. Die Stadt Wien und zahlreiche Sponsoren begleiten das ­Projekt, angestrebt wird eine langfristige Zusammenarbeit mit Partnern aus dem Pharmazie- und Tierschutzbereich, um diese ­dringend notwendige Versorgung von ­Tieren obdach- und wohnungsloser Menschen ­dauerhaft und nachhaltig gewährleisten zu können.

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