Tierzahnheilkunde für Hundebesitzer – Konservierende Zahnheilkunde und Orthodontie

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Nach dem Thema Zahnstein beim Hund in der letzten Ausgabe von WUFF (4/2012) geht es nun um Karies, Wurzelbehandlung, abgebrochene Zähne und Zahnkronen für Hunde.

Die Tierzahnheilkunde umfasst prinzipiell 3 große Hauptgebiete: Die Parodontologie wurde ­ausführlich im ersten Teil (WUFF 4/2012) dargestellt. Die beiden anderen Bereiche sind die konservierende Zahnheilkunde sowie die Orthodontie.

Konservierende Zahnheil­kunde: Karies beim Hund

Karies sehen wir beim Hund in letzter Zeit immer häufiger. Auch der Hundebesitzer kann diese braunen oder schwarzen Verfärbungen am ersten Molaren im Oberkiefer und am vierten Oberkieferprämolaren (der sogenannte Reißzahn) in der Mitte des Zahnes in der senkrechten Rille selbst erkennen (s. Abb. 1). Die Behandlung der Karies erfolgt beim Hund genauso wie beim Menschen: Die dunkel­braun verfärbte Stelle wird aus­gebohrt, der Nerv wird durch einen Calciumhydroxydlack geschützt und das Loch wird fachgerecht mit Amalgam oder einer weißen Compositefüllung ("Porzellanfüllung") verschlossen. Auf Wunsch können auch 24-karätige Goldstopf­füllungen mit geringem ­Aufpreis durchgeführt werden. Wird Karies nicht rechtzeitig entdeckt, so kann sie den Nerv ­erfassen, der Zahn stirbt ab und muss dann wurzelbehandelt werden.

Abgebrochener Zahn

Besonders häufig kommen Zahnfrakturen beim Hund vor. Zähne können abbrechen bei Raufereien, beim Apportieren von Steinen oder sehr großen Holzstücken, bei Unfällen – vorwiegend Autounfällen – und bei Zwingerhunden durch Beißen am Käfiggitter. Auch beim Beißen auf Knochen oder zu harten Hundebiskuits können Zähne (besonders die Reißzähne) abbrechen. Die Frakturstelle erkennt man an rauen, spitzen Zacken am Zahn, in den meisten Fällen wird das Tier das Zubeißen an dieser Stelle vermeiden wollen. Manchmal deutet auch nur ein verstärkter Speichelfluss auf die Verletzung eines oder mehrerer Zähne hin. Trifft stärkere Gewalt auf den Zahn, so wird er – sehr oft am Eckzahn oder am Reißzahn zu sehen – quer oder halbschräg abbrechen. Meist wird dabei der Nerv eröffnet, sodass eine kleine, rote, anfangs blutende Stelle zu sehen ist (s. Abb. 2). In jedem Fall muss ein abgebrochener Zahn unbedingt vom Tierarzt behandelt werden.

Wurzelbehandlung

Ist nur die Zahnspitze oder ein kleines Stückchen Schmelz abgesplittert, so genügt meistens das Glätten der rauen Frakturkanten und eine sogenannte indirekte Wurzel­ehandlung. Sehr häufig jedoch ist bei Zahnfrakturen beim Hund der Pulpakanal, also der sogenannte Nerv, eröffnet. In diesen Fällen lässt sich eine Wurzelbehandlung nicht um­gehen. Wird die Behandlung rechtzeitig durchgeführt, so kann der Nerv, und damit der Zahn, am Leben erhalten werden. Auch die Wurzelbehandlung erfolgt beim Hund wie praktisch jede Zahnbehandlung beim Kleintier völlig schmerzlos. In einfachen Fällen genügt es, den infizierten Teil des Nervs zu entfernen und die Kavität nach Unter­füllung mit einem Calciumhydroxydzement mit Amalgam oder Kunststoff fachgerecht zu verschließen.

Gefährlicher Wurzelherd

Wird die Zahnfraktur jedoch nicht gleich entdeckt, so stirbt der Nerv ab und um die Wurzelspitze des ­erkrankten Zahnes bildet sich ein sogenannter periapikaler (um die Wurzelspitze gelegener) Herd. Von diesem Wurzelherd aus werden Giftstoffe in den Körper gestreut, welche nicht nur Gelenksschmerzen, sondern vor allem Herz-, Leber- und Nierenschäden verursachen. Zahlreiche Hunde schon konnten so ihre Lebenserwartung nicht erreichen, weil der Tierbesitzer nicht, ungenügend oder gar falsch über die Gefahren dieser Toxinschädigung nach abgebroche­nen Zähnen aufgeklärt wurde. Der anfänglich kleine periapikale Wurzel­herd wird größer, der um die Wurzel liegende Knochen wird eingeschmolzen, und der Eiter entleert sich schließlich durch die Haut. Wir sprechen dann von einer Zahnfistel. In den meisten Fällen ist es jetzt für eine Wurzel­behandlung zu spät, der Zahn muss entfernt werden. Bei gesunder ­Konstitution und nicht zu ausgedehnter Knochenein­schmelzung jedoch kann der Zahn mit Hilfe einer soge­nannten Wurzelspitzenresektion erhalten werden.

Krone für den Zahn

Soll die Zahnkrone wieder hergestellt werden, ist uns dies heute mit modernen Kunststoffen ohne Weiteres möglich. Ist nur die Spitze eines Zahnes verlorengegangen, so genügt es, den Kunststoff auf den betroffenen Zahn aufzukleben. Oft geht bei Zahnfrakturen aber so viel Schmelz verloren, dass mit der Klebetechnik allein kein haltbares Resultat zu erwarten ist. Für diese Fälle verwendet der Tierzahnarzt die Methode der Parapulpärstiftverankerung mit Goldstiften (sogenannter Stiftzahn).

Wenn der Hund jedoch über ca. 20 kg wiegt, hat sich die Herstellung einer Titankrone bewährt. Dabei wird der Zahn ähnlich wie beim Menschen speziell beschliffen und ein Abdruck aus Silikonabformmaterialien einem speziellen Labor zugesandt. Der Zahntechniker gießt vom Abdruck ein Gipsmodell, an dem die Stahl-, Titan- oder Goldkrone hergestellt wird (s. Abb. 3). Der Tierzahnarzt klebt dann diese genau passende Krone auf dem Zahnstumpf auf und der Patient hat wieder ein vollständiges Gebiss, welches insbesonders bei Gebrauchshunden von großer Bedeutung ist.

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