Tobi – als mein Leben eine positive Wende nahm

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Ein Tag wie jeder andere?
Es war ein kalter, grauer Novembertag, als ich mich im Tierheim am Wiener Khleslplatz wieder fragte, warum gerade ich nach 5 Jahren mein Zuhause verloren hatte. Am frühen Nachmittag öffnete meine Betreuerin die Zwingertür und ich dachte, „heute bin ich aber früh dran zum Spazierengehen“. Wir gingen aber nicht die gleiche Runde wie üblich, sondern machten einen Abstecher über die Hundevergabestelle, wo meine Betreuerin die Leine einer jungen Frau (später wurde mir beigebracht, daß sie Ilona heißt) übergab und sagte, sie solle mit mir ein paar Runden im Hof drehen.

Das grosse Los?
„Hatte ich das große Los gezogen, über das sich die Hunde hier unterhalten … ein neues Zuhause?“ Ich habe mich wirklich zusammengerissen und bin marschiert, wie ein Absolvent einer Hundeschule und siehe da, ich kam nicht zurück in den Zwinger, sondern durfte mit in die Vergabestelle. Dort hörte ich, wie über mich geredet wurde und man den Weg zum Tierarzt erklärte. Tierarzt? Nach einer kurzen Wartezeit betrat ich mit Ilona das Behandlungszimmer. Mir wurde ins Maul und in die Ohren geschaut und ich wurde auch abgehorcht. Nach der Untersuchung wurde gefragt, ob ich auch mit einer Ohrenentzündung eine Chance auf das neue Zuhause hätte. Keine Frage, die erste Bewährungsprobe war geschafft. Mit einem Mittel für die Ohren, der Anweisung, dieses 2 mal täglich einzutropfen, einer Spritze mit Shampoo (ihr müsst wissen, ich habe furchtbar gestunken) und der Zusage, daß mein nackter Bauch bei richtiger Pflege wieder Haare bekommen würde, verließen wir die Ordination. Jetzt wurde noch mein Impfpaß übergeben, ein Zettel unterschrieben, der mir gewisse Rechte zusichern sollte und schließlich öffneten sich die Pforten des Tierheimes.

Zeit sich zu freuen?
Brav bei Fuß marschierten wir zur Schnellbahnstation. Meinen Schwanz aber ließ ich vorsichtshalber noch hinunterhängen, denn ich wußte ja nicht, was mich erwarten würde. Nach ein paar Stationen mit der Schnellbahn und dann mit der Straßenbahn, kamen wir zu einem hohen Haus. Die Türe wurde aufgesperrt und ich wurde hineingebeten. Nach einer Aufzugsfahrt wußte ich, daß dies mein neues Zuhause werden sollte. Ich muß zugeben, ich war richtig neugierig und froh, wieder eine Wohnung zu sehen, so hob ich mein Ringelschwänzchen und begann das erste Mal, seit ich den Zwinger verlassen hatte, zu wedeln. Siehe da, hinter der Tür befand sich eine kleine Wohnung, die ich langsam und vorsichtig erkundete … ich hatte eine wirklich gutes Gefühl.

Der kleine Schrecken danach
Doch jetzt geschah das Unvermeidliche. Ich wurde gepackt und in die Badewanne gesteckt, ein schreckliches Gefühl für einen so wasserscheuen Hund, wie ich es bin. Aber es mußte ja so kommen, denn so ein kleiner stinkiger Schmutzfink, wie ich es war, in einer sauberen und extra für mich aufgeräumten Wohnung, das konnte ja nicht gut gehen. Nach der Tortur mit Shampoo und Wasser und nach dem Trockenreiben bewunderte mich jeder und sagte, was für ein toller Hund ich sei.

Die Eingewöhnung
Da ich aber nicht wissen konnte, was mir in den nächsten Wochen und Monaten bevorstehen würde, ging ich zunächst auf Distanz zu den lieben Menschen, die mich aufgenommen hatten. Anfangs zog ich das Badezimmer als Schlafplatz vor, traute mich dann nach einigen Wochen schon ins Wohnzimmer. Aber mich angreifen, nein, das ließ ich noch nicht zu. Kaum wurde ich berührt, marschierte ich wieder ins Badezimmer … war es Angst, mein neues Zuhause zu verlieren? Schlechte Erfahrungen mit Menschenhänden?
Schön langsam zog der Sommer ins Land und ich dachte mir, daß mein neues Zuhause richtig toll ist. Obwohl ich mich noch immer nicht angreifen ließ, wurde ich überallhin mitgenommen und auch mit Leckerlis verwöhnt. Und endlich war mein Mißtrauen beseitigt – man durfte mich streicheln …

3 Jahre danach: Ein Märchen
Heute, mehr als drei Jahre nach der „Befreiung“ aus dem Tierheim, bin ich ein richtig verwöhnter Hund. Ich habe wieder rundherum Haare, die zwar schon etwas grau werden. Ich gehe gerne auf Hundeausstellungen, denn dort gibt es immer so nette Spielkameraden, bin überall dabei, fahre mit auf Urlaub, wo ich in der Sommerhitze sogar baden gehe und lasse mich von meinen Menschen streicheln und drücken. Mit meinem zweiten Zuhause habe ich es wirklich gut getroffen.

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