Tödliche Seuche im Salzburger „Schnauzerl“!

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Kurz nach Redaktionsschluss der WUFF-Sommerausgabe überschlugen sich die Ereignisse. Am 14. Juni 2002 erreichte uns ein Schreiben von Dr. Erik Loos von der Salzburger Landesregierung, in dem mitgeteilt wurde, dass nunmehr der endgültige Bericht der Landesveterinärdirektion bezüglich des Auftretens von Tierseuchen im „Schnauzerl-Hotel“ vorliege.

„Nach weiteren umfangreichen Recherchen und Einbindung von Experten des Instituts für Virologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien kommt der Amtssachverständige jetzt doch zum Ergebnis, dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass eine (wahrscheinlich virale) Infektionserkrankung mit seuchenhaftem Charakter im Schnauzerl-Hotel aufgetreten und möglicherweise noch immer vorhanden ist.“

Der Satz „Einbindung von Experten des Instituts für Virologie …“ erweckt den Eindruck, als ob tatsächlich Virologie-Experten der vet.med. Uni Wien vor Ort, also im „Schnauzerl“, gewesen seien. Dies war jedoch nach unseren Recherchen nicht der Fall. Wie uns Univ.-Prof. Dr. Karin Möstl mitteilte, hatte bezüglich der Situation des Infektionsgeschehens im Tierhotel „Schnauzerl“ lediglich ein unverbindliches Telefongespräch mit der Landesveterinärdirektion Salzburg stattgefunden, wobei verschiedene Maßnahmen diskutiert wurden. Univ.-Prof. Möstl zu WUFF: „Ich habe auch verschiedene Empfehlungen gegeben, soweit dies ohne persönliche Kenntnis der lokalen Situation möglich ist, da ich das Tierhotel nicht selbst besucht habe“.

Todesfälle von Hundewelpen im „Schnauzerl“ beschäftigen Behörde
Am 21. Juni 2002, also eine Woche nach dem Brief der Landesveterinärdirektion Salzburg, in dem von einer Infektionserkrankung mit seuchenhaftem Charakter im „Schnauzerl-Hotel“ die Rede ist, erhielten wir ein Schreiben der Tierklinik Seekirchen (behandelnder Tierarzt der Tierhändlerin Rehrl):

„Todesfälle von Hundewelpen aus dem Schnauzerl-Hotel in Neumarkt beschäftigen derzeit die für den Flachgau zuständige Veterinärbehörde. Inzwischen steht fest, dass es sich um eine seuchenhafte Infektion handelt. Bei mehreren Welpen, die Mitte Juni von der Betreiberin der Pension aus dem Ausland importiert worden waren, musste ein Veterinär der Tierklinik Seekirchen bei der Untersuchung des Allgemeinzustandes massiven Durchfall feststellen. Unverzüglich hat die Tierklinik Seekirchen eine Probe an das virologische Institut der Veterinärmedizinischen Universität Wien gesandt. In enger Zusammenarbeit gab es bereits nach zwei Tagen den Befund: Der Welpe war an Parvovirose, einer hochansteckenden, tödlich verlaufenden, aber nicht anzeigepflichtigen Virusinfektion erkrankt. Dieses Ergebnis haben wir der Behörde zur Einleitung weiterer Verfahrensschritte übermittelt.“

Anfrage an Salzburger Landesregierung
Bis heute leugnet Frau Rehrl jedoch auf ihrer Homepage, dass von ihr importierte Welpen an Parvovirose erkrankt bzw. verstorben sind. Offenbar interessiert sich nicht nur WUFF für die Vorfälle im „Schnauzerl“, denn am 3. Juli 2002 wurde von den Landtagsabgeordneten Helmut Naderer und Dr. Karl Schnell eine 19 Punkte umfassende Anfrage an die Salzburger Landesregierung eingebracht. Die Anfrage beschäftigt sich unter anderem mit der Herkunft der verkauften (und trotz Parvovirosegefahr nach wie vor angebotenen) Hundewelpen, sowie den bisher aufgetretenen Seuchen im Hause der Hundehändlerin Rehrl.
Fest steht nun: Das „Schnauzerl“ besitzt keine Tierheimbewilligung mehr. Ob diese von der Salzburger Landesregierung entzogen oder – dem zu erwartenden Entzug zuvorkommend – von Frau Rehrl selbst zurückgelegt wurde, ist letztendlich unwichtig. Viel wichtiger ist, dass endlich eine klare Abgrenzung zwischen gemeinnützigen Tierheimen und gewerblichen Tierhändlern wie Frau Rehrl getroffen wurde.

Aufgedeckt: Welpenimporte aus slowakischem Hundegroßhandel!
Fest steht mittlerweile auch, dass sich der Verdacht der WUFF-Redaktion bezüglich der Herkunft der „Schnauzerl“-Welpen erhärtet hat. Während Frau Rehrl noch vor mehreren Wochen selbstbewusst die inländische Herkunft der Welpen „von österreichischen Züchtern, aus Schutzverwahrung, Beschlagnahmung, etc.“ garantierte, behauptet sie nun, dass ja hinlänglich bekannt sei, dass sie Welpen aus dem Ausland importiere. Ein Rückzieher, den die Hundehändlerin sofort in ein neues Versprechen umwandelte: Die Welpen seien zwar aus dem Ausland, aber dafür von ausgewählten liebevollen Hobbyzüchtern, die sie alle 200 (!) persönlich auf Kriterien der tiergerechten Haltung untersuche und je nach Abschneiden mit 2 bis 5 „Schnauzerln“ auszeichne. Zur Bekräftigung verweist sie auf klimatisierte Busse, in denen die Welpen transportiert werden. Es stimmt zwar, dass der Welpengroßhandel EUROKENNELS und Zulieferer von Frau Rehrl, im Internet unter http://www.eurokennels.host.sk zu finden, die Auslieferung der Hundebabys mit vollklimatisierten Bussen anpreist, doch mit liebevollen Hobbyzüchtern haben derlei Firmen nichts zu tun. Wer sich die Preisliste des Welpengiganten EUROKENNELS durchliest (kann angefordert werden), darf sie dann mit jenen auf Frau Rehrls Homepage (http://www.Schnauzerl.at) vergleichen, um sich zu überzeugen, dass der Handel mit Ostwelpen ein wirklich profitables Geschäft ist, besonders bei Größenordnungen von fast 150 Importwelpen in nur 6 Monaten! Ein Geschäft, das allerdings immer auf Kosten der Tiere geht, die für die Groß- und Zwischenhändler ohnedies nichts anderes sind als Handelsware. Darüber können auch süße Hundebabys, rührendste G’schichterln und schönfärbende Worte auf der „Schnauzerl“-Homepage von Hundehändlerin Rehrl nicht hinwegtäuschen.

Schein und Wirklichkeit: Die Quarantäne
Frau Rehrl rühmt auf ihrer Homepage die strikte Einhaltung von Quarantänebestimmungen und die große desinfizierbare Quarantänestation im „Schnauzerl-Hotel“. In Wahrheit gibt es im gesamten Tierbereich nur einen einzigen winzigen Raum, der als sogenannte Quarantäne deklariert ist. Bei monatlichen Lieferungen von 10-15 Importwelpen müssten diese wie Sardinen gestapelt sein, um dort hineinzupassen. Zudem ist eine Quarantänezeit von 3-4 Tagen bei Parvovirosefällen lächerlich.

Die „Schnauzerln“
Die findige „Schnauzerl“-Chefin will natürlich allen potenziellen Kunden jetzt die Importwelpen von „besten Züchtern aus Europa“ (Zitat Rehrl) schmackhaft machen. Doch in Wahrheit beliefern vor allem Welpengroßhändler das Hundehotel. Aber vielleicht meint Frau Rehrl ja den Großversand, wenn sie von den „liebevollen Hobbyzüchtern“ spricht. Denn mit konkreten Angaben, also Namen und Adressen der zweihundert „liebevollen Hobbyzüchter“, kann sie – wie gewohnt – nicht aufwarten. Zitat Rehrl: „Wir sehen uns die Hobbyzüchter(innen) genau an und vergeben ausschließlich Welpen aus artgerechter, liebevoller Familienhaltung. Wenn wir Welpen übernehmen, sehen wir uns vorher die Aufzuchtstätte unangemeldet an und achten auf nachstehende Punkte.“ Ein Bewertungskriterium ist etwa das Dabeisein der Hundemutter bei der Welpenbesichtigung. Doch in einem Schreiben an unsere Redaktion vom 13.6.2002 betonte Frau Rehrl noch: „Da wir in den meisten Fällen die Elterntiere nicht kennen …“ Aber in jenem Schreiben stand ja auch noch keine Zeile von slowakischen Musterzüchtern, sondern (angesprochen auf Hundewelpen aus dem Ausland): „Wir machen bei der Tiervergabe keine nationalen Unterschiede. Auch können private und vereinsmäßige Tierschützer, die Tiere aus dem Ausland retten, diese Hunde genauso abgeben wie der Hobbyzüchter aus Österreich.“ Ob Frau Rehrl den slowakischen Welpengroßhandel EUROKENNELS mit vereinsmäßigen Tierschützern verwechselt hat?
Zitat Rehrl: „Zum Thema Seuchen möchten wir noch festhalten, dass wir keine solche haben und auch nie hatten. (…) Bei uns konnten trotz x-facher Laborauswertungen und Kontrollen keine Seuchen festgestellt werden.“ Nun, die Veterinärabteilung des Landes Salzburg und die Tierklinik Seekirchen sind da offenbar ganz entschieden anderer Ansicht: Das Auftreten der hochansteckenden und tödlich verlaufenden Parvovirose-Seuche im „Schnauzerl“ ist tierärztlich bestätigt!

Keine Märchen mehr
Es wäre doch viel einfacher, ehrlicher und langfristig klüger von Frau Rehrl, sich offen als das zu deklarieren, was sie ist. Eine konzessionierte Hundehändlerin, die mit billig importierten Welpen Geschäfte macht. Zum Eigentor könnte jetzt der vielbemühte Standardsatz von Frau Rehrl werden:“Wir sind uns sicher, Sie werden (wie schon so viele vor Ihnen) eine positive, bleibende Erinnerung von unserem Haus mitnehmen.“ Welcher Art dieser Erinnerungen sind, zeigen einige der unzähligen Beschwerdebriefe, die in der WUFF-Redaktion eingegangen sind und die wir auszugsweise in den Kästen vorstellen.

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„Etikettenschwindel“ im „Schnauzerl-Hotel“?

Am 6. Mai 2002 holte Frau Dr. Ariane Asselborn aus Salzburg den Magyar Vizsla-Rrüden Lupo aus dem „Schnauzerl-Hotel“. Sie glaubt, dass ihr nicht die Wahrheit erzählt wurde, als es hieß: „Der Welpe stammt aus einer behördlichen Abnahme in Kärnten.“ Denn Details über die Abnahme erfuhr sie nicht. Doch Frau Dr. Asselborn wunderte sich darüber, dass der Welpe trotzdem so zugänglich war. Sie wurde von Frau Rehrls Lebensgefährten, Herrn Wolfgang Kirchhofer aufgeklärt, dass das menschenfreundliche Verhalten auf eine gute Haltung beim Vorbesitzer hinweise. Warum wurde er dann beschlagnahmt, wunderte sich Frau Dr. Asselborn wieder … Heute ist Frau Dr. Asselborn ziemlich sicher, dass ihr Kärntner Lupo in Wahrheit ein Ostimport ist. Nichtsdestotrotz hofft sie, auf diesem Weg seine Wurfgeschwister zu finden, mit denen sie gerne Kontakt aufnehmen würde. Kontakt über WUFF ([email protected])

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650 Euro für jungen Rotti aus dem „Schnauzerl-Hotel“: Musste mit 8 Monaten eingeschläfert werden

Mein Hund Rottweiler Billy, geb. im Dezember 2001, wurde im Februar 2002 mit blutig-schleimigem Stuhl aus dem Schnauzerl Hotel „gerettet“! Der Hund – ohne Papiere – kostete 650 Euro. Nach zahlreichen Tierarztbesuchen (auch in der Tierklink Seekirchen – „Spezialisten für das Schnauzerl?“) konnten wir diese Krankheit „in den Griff bekommen“ – mit etlichen zusätzlichen Euros. Schlussendlich aber mussten wir unser Familienmitglied mit nicht einmal 8 Monaten wegen schwerster HD einschläfern lassen. Ich glaube nicht im besonderen erwähnen zu müssen, dass unter dieser Trennung nicht nur mein Mann und ich, aber besonders meine 10-jährige Tochter besonders gelitten hat.
Familie Walter
A-5020 Salzburg

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Schockiert über WUFF-Reportage

Wir waren sehr schockiert, als wir Ihre Reportage über das „Schnauzerl“ in WUFF 7+8/2002 lasen: Denn wir müssen annehmen, dass unsere Hündin eine Schwester jener Jenny ist, die so qualvoll verendete. (..) Am 19. Jänner 2002 fuhren wir nach Neumarkt, um uns die Hunde anzusehen. Auf Tierimporte angesprochen, wurde uns mitgeteilt, dass die angebotenen Hunde durchwegs von österreichischen Züchtern stammten, die „überzählige“ Welpen abgäben; und auf die Vermittlung dieser Tiere hätte sich das „Schnauzerl“ eben spezialisiert. Unser Hund stammte nach diesen Angaben von einem Kärntner Züchter. Mehr dürfe uns nicht gesagt werden, weil sich diese Züchter die Preise nicht „ruinieren“ lassen wollten.
Als die drei Welpen hereingetragen wurden, machten alle drei einen sehr erschöpften Eindruck. (…) Eines der Tiere war etwas aktiver, aber die übrigen beiden waren sehr apathisch und nicht dazu zu bewegen, das Körbchen zu verlassen oder auch nur aufzustehen. Wir entschieden wir uns für das agilere der Hundebabys. (…) Einige Wochen nach unserem Kauf kam eine junge Dame während des Welpentrainings in unseren örtlichen Hundeverein: Sie brachte einen Mischling mit, der ihr im „Schnauzerl“ als rassereiner Golden Retriever verkauft worden sei – mit dieser Rasse hatte der mitgebrachte Hund allerdings nicht viel gemein.
Familie Grabner,
A-4840 Vöcklabruck

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Endlich sind diese Missstände öffentlich!

Endlich sind diese Missstände öffentlich. Ich habe selbst am 23.2.2002 einen 5 Monate alten schwarzen Zwergpudel bei Fr. Rehrl erworben und kann alles in Ihrem Artikel (WUFF 7+8/2002) Erwähnte nur bestätigen. (…) Der Hund sah erbärmlich aus! Eine riesige Bisswunde am Rücken (lt. Fr. Rehrl durch einen Schäferhund ihres Hauses!!), tränende Augen, schuppige Haut, eine bis zur Unkenntlichkeit kupierte Rute und extrem dünn. Auf meine Frage, woher der Hund käme, meinte sie, er sei von einem Züchter, der den Hund abgeben musste. Massimo war laut meinem Tierarzt unterernährt (1,5 kg), hatte Ohrmilben und eine Augeninfektion. Zusätzlich wurde ein Hodenhochstand diagnostiziert, der unbedingt operiert werden musste. (…)
Alice Muchitsch,
A-5330 Fuschl am See

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Nach Aufenthalt im „Schnauzerl-Hotel“: Wenn man die Hand hob, duckte sich
unser Hund

Als wir unseren Hund für drei Tage ins Schnauzerl-Hotel auf Pension brachten, wiesen wir Frau Rehrl darauf hin, dass unser Hund an ED leidet und wir es daher bevorzugen, ihn zu ruhigeren Artgenossen zu geben. Sie tat dies, genauso versprach sie uns, dass sie unseren Hund nie lange in der Kälte lassen würde und dass alle Hunde bei Regen sorgfältig abgetrocknet werden. (…) Drei Tage später holten wir unseren Hund ab. Die Decke, die wir ihm mitgegeben hatten, war nicht in seinem Zwinger. Sie war schmutzig geworden und erst nachdem wir darauf bestanden, bekamen wir sie völlig verwaschen von Fr. Rehrl zurück. (…) Überhaupt waren ihr Fragen unangenehm und sie mochte es nicht, wenn man sich etwas umsah. (…) Nach der Abholung war unser Hund verkühlt und verstört. Hob man die Hand, duckte er sich lange Zeit. Ich weiß nicht, was man alles mit ihm gemacht hat …
Katrin Hauer, Email

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