Über den Luxus mit vielen Hunden zu leben

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Also ich gebe es ja gerne zu – Mehrhundehaltung ist nix für Jedermann. Vor allem wenn es mehr als 3 oder 4 Hunde sind. Bis dahin ist man ja irgendwie noch „normal“. Ich nenne schon ungern die Anzahl meiner Hunde, trifft das doch oft auf eine Mischung aus Unverständnis und Erstaunen. Wie man das eigentlich macht und vor allem WAS DAS KOSTET? Und ob man dann eigentlich nicht mehr in den Urlaub kann? Und vor allem WAS DAS KOSTET! Die Frage nach den Kosten für die vielen Hunde scheint die Menschen echt zu bewegen. Vor allem wenn sie dann noch mitbekommen, dass wir gezielt alte und kranke Hunde adoptieren, um diese hier liebevoll aufzupäppeln und langfristig teuer medizinisch zu versorgen. WAS DAS WOHL KOSTET?

Ja, in der Tat, das kostet. Und entgegen der Annahme der meisten Menschen ist nicht das Futter für so viele Hunde das Problem, obwohl die meisten Menschen auch da sparsam schauen, wenn ich sage, dass ich eigentlich keine Ahnung habe, wie viel das Futter im Monat so kostet. Nein, ich vergleiche nicht, ob der Sack Trockenfutter vom Aldi vielleicht 3 Euro günstiger ist als der vom Lidl. Unsere Hunde bekommen hochwertige Nahrung, und die selber zubereitet. Jaaaa, das macht n‘ Haufen Arbeit, Herrchen steht jeden Morgen mindestens eine Stunde am Herd, um individuell die Mahlzeiten für die Hundekinder vorzubereiten.

OH GOTT, wie viel Arbeit, UND ERST MAL WAS DAS KOSTET …? Wenn ich dann also sage, dass die Futterkosten eigentlich gar nicht ins Gewicht fallen, sondern der Tierarzt, Physio etc. das „Problem“ sind, spätestens dann höre ich regelmäßig als nächstes: von dem Geld könnte man ja einen tollen Urlaub machen. Oder oder … ja, das könnte man. Dann hab‘ ich zwei Wochen Urlaub gehabt, mit meiner Kreuzfahrt dem Klima nachhaltig geschadet, um zuhause dann Tausende Euro ärmer zu sein und außer ein paar netten Bildern hab‘ ich nix mehr. Doch klar, man ist „erholt“. Die Erholung braucht man natürlich, weil man nämlich arbeitet wie blöd für den nächsten Urlaub oder das immer noch größere, teurere Auto. Kann ja jeder machen wie er mag. Ich habe da kein Problem mit.

Spannend, dass es für viele Menschen aber echt ein „Problem“ zu sein scheint, dass Leute wie ich unser Geld lieber für kranke Hunde ausgeben. Weil da hat man ja nix davon? Hmmm … Ansichtssache? Jaaa, viele Hunde machen viel Arbeit, der Alltag in einem Mehrhundehaushalt ist extrem strukturiert, und man muss Abläufe diszipliniert einhalten, sonst versinkt man im Chaos. Freie Tage? Da fahren wir zur Physio … Urlaub? Wenn, höchstens getrennt, wobei ich seit letztem Jahr meinen Urlaub lieber im Tierheim in Spanien verbringe. Ich habe festgestellt, dass mich das glücklicher macht als nur am Strand zu liegen. Nein, das muss keiner verstehen. Und immer wieder höre ich „aber dass du nicht wieder einen Hund mit bringst.“ Ja – warum eigentlich nicht? Ausschlafen? Nein, seit Jahren nicht mehr, was noch nicht mal daran liegt, dass die Hunde mich aufwecken, sondern viel mehr daran, dass das Tagespensum nicht zu schaffen ist, wenn wir zu spät aufstehen. Kino, Ausflüge, andere Hobbys … gibt es natürlich nicht, denn dafür ist einfach keine Zeit. Auch die Anzahl der Freunde reduziert sich auf die, die leben wie wir.

Okay, wir haben auch „Katzenfreunde“, die leben wie wir – nur mit Katzen. So, jetzt ist die überwiegende Mehrheit der Menschen offenbar der Meinung, dass es für uns schlimm ist „nur noch für die Hunde zu leben“. Man muss doch auch mal „was für sich tun“ – UND WAS DAS KOSTET …! Traurigerweise kann sich niemand vorstellen, dass es mich sehr glücklich macht, mit vielen Hunden zusammen zu leben. Ja, das Leben als Mehrhundehalter ist anders und ich würde lügen, wenn es nicht auch Tage gibt, wo man das Gefühl hat, dass einem alles zu viel wird. Tage, an denen alte Hunde morgens gebadet werden müssen weil sie „ausgelaufen“ sind. Tage, an denen Magen-Darm rum geht. Tage, an denen man selbst vielleicht krank ist, aber die Hunde dennoch ihren Auslauf brauchen. Aber an den allermeisten Tagen sehe ich meine Hunde an, ich sehe dass es ihnen gut geht, dass sie glücklich und gesund sind, und das macht mich glücklich. Ich brauche keinen teuren Urlaub, mir reicht mein alter Dacia (was aber nicht heißt, ich würde nicht auch einen VW Bus nehmen falls mir jetzt jemand einen spenden möchte).

Ich gebe mein Geld gerne und lieber für meine Hunde aus. Für Hunde, die ohne mich kein lebenswertes Leben hatten. Hunde, die keiner wollte, die ungeliebt waren. Ja, das macht mich verdammt glücklich. Das Leben als Mehrhundehalter ist anders, aber nicht schlechter. Zumindest nicht für mich. Und nein, ich muss mir nichts gönnen, ich muss auch nichts für mich tun, ich brauche keine Wellness. Da zu sitzen und meine Hunde zu beobachten das ist mein Wellness Programm. In Anbetracht all des Elends auf der Welt macht es meine Seele gesund, meine Hunde zu streicheln und zu wissen wo sie herkommen und wie es ihnen vorher ging. Ach so – und wenn am Ende des Monats noch ein paar Euro übrig sind, dann spende ich die gerne auch noch. Ich weiß Mama, ich komm‘ nie zu was. Sorry …

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Yvonne Linke
Yvonne Linke lebt und arbeitet im schönen Bayern. Ihr Zuhause teilt sie zumeist mit einer größeren Gruppe von Hunden aus dem Tierschutz (und deren Haltern), dank denen es niemals langweilig wird. Schwerpunkt ihrer Arbeit in der von ihr 2008 gegründeten Hundeschule (www.canis-bonus-hundeschule.com ) ist die Arbeit mit verhaltensauffälligen Hunden.

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