Vereinslogo erhöht Welpenpreis: Gewerbliche Hundezucht unter seriösem Dachverband?

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Ist Hundezucht eine Liebhaberei, oder doch ein profitables Geschäft, das für nicht wenige Großzüchter Lebensgrundlage ist? Wenn Marktmechanismen die Hundezucht bestimmen, dann bleiben ­Gesundheit und Sozialverträglichkeit der Hunde erfahrungsgemäß auf der Strecke. Dass auch ­kommerzielle ­Hundevermehrer unter den „Fittichen“ eines Dachverbandes wie des deutschen VDH (Verband für das deutsche Hundewesen) züchten, tun sie deshalb, weil das VDH-Logo den finanziellen Ertrag beim ­Welpenverkauf erhöht. Aber ist das überhaupt möglich, wenn der VDH doch angeblich nur ­seriöse Hobbyzüchter zulässt? Der deutsche Rechtsanwalt Lars-Jürgen Weidemann über ein Thema, das gerne ­verschwiegen wird. Und ist das „Geschäft mit Hunden“ auch in Österreich unter dem hiesigen Pendant des VDH, dem ÖKV, möglich? WUFF hat beim ÖKV nachgefragt.

Ein lang gehegter Traum steht kurz vor der Erfüllung: Carmen R. konnte sich nach Eintritt in den Ruhestand endlich von ihrer Stadtwohnung verabschieden und hat eine gemütliche neue Unterkunft auf dem Land gefunden. Hundehaltung? Kein Problem, der Vermieter ist e­inverstanden. Doch welcher Hund passt zu ihr? Einer aus dem Tierheim oder doch ein Welpe von einem Züchter? ­Carmen R. macht sich zunächst im Internet schlau und landet nach einiger Zeit auf der Homepage des Verbandes für das Deutsche Hundewesen e.V. (VDH). Schnell findet sie dort unter der Rubrik „Welpenkauf“ eine Checkliste, mit welcher seriöse Züchter zu erkennen sein sollen; u.a. wird dort vor Zeitungsinseraten und Internetangeboten gewarnt, in denen Züchter gleichzeitig verschiedene Hunderassen anbieten.

Kommerzielle Zuchtanlage statt Liebhaberzucht
Weiter wird geraten, Welpen bei Züchtern zu kaufen, die Mitglied in einem VDH-Zuchtverein sind. Denn im VDH gelte eine der strengsten Zuchtordnungen der Welt, die das Ziel verfolge, gesunde und sozialverträgliche Welpen zu züchten. Die Adressen von Züchtern sind nur einen Klick entfernt, sodass sich Carmen R., nachdem sie sich für den Kauf eines Rassehundwelpen entschieden hat, telefonisch an einen ­entsprechenden Züchter wendet. Er habe gerade Welpen und sie könne am Wochenende vorbeikommen.

Vor Ort angelangt ist Carmen indes irritiert: Der Züchter hält nicht nur die von ihr favorisierte Rasse, sondern ­züchtet offenbar mit etlichen unterschiedlichen Rassen. Zudem reiht sich Zwinger an Zwinger, Dutzende von Hunden, deren gesundheitlicher Zustand ihr mitunter bedenklich erscheint, tummeln sich auf dem Gelände. So hat sie sich das eigentlich nicht vorgestellt. Vielmehr ist sie davon ausgegangen, eine Hobbyzucht mit Familienanschluss vorzufinden und nicht eine kommerzielle Zuchtanlage. Enttäuscht fährt sie wieder nach Hause.

Carmen R. ist nicht die Einzige, die so etwas erlebt hat. Aber ist das eigentlich möglich? Kommerzielle Hundezucht im VDH? Haben nicht viele Zuchtvereine, die Mitglied im VDH sind, Satzungsregelungen, die nur die sog. Hobbyzucht zulassen? Nähern wir uns dem Problem über die letzte ­Frage: In der Tat ist nach vielen Satzungen VDH-ange­höriger Vereine nur die Hobbyzucht zulässig. Allerdings unterwerfen sich die Vereine in ihren Satzungen wiederum der Satzung und den Ordnungen des VDH. Und die ein­schlägige Satzungsregelung des VDH lautet wie folgt:

„Als ordentlicher Züchter und Halter gilt, wer lediglich aus Gründen der Liebhaberei (Hobby) die Zucht und/oder die Ausbildung nach kynologischen Grundsätzen betreibt und fördert. Dem steht eine etwaige tierschutzrechtliche ­Verpflichtung zur Beantragung einer Genehmigung oder eine behördliche Einstufung der Zucht als gewerblich grundsätzlich nicht entgegen.“

Diese beiden unscheinbaren Sätze sollte man mehrmals lesen. Denn dann erschließt sich: Hier geht zugleich Schwarz und Weiß. Rechts und links. Evangelisch und katholisch. Dabei ist noch nichtmals ein Problem darin zu sehen, dass diese Satzungsregelung weiterhin von einer Hobbyzucht ausgeht, wenn ein Züchter eine tierschutzrechtliche Genehmigung beantragen muss. Denn §11 Abs. 1 Nr. 3a des deutschen Tierschutzgesetzes, der für das gewerbsmäßige Züchten von Wirbeltieren eine Erlaubnispflicht statuiert, greift nach den Allgemeinen Verwaltungsvorschriften zur Durchführung des Tierschutz­gesetzes (Ziffer 12.2.1.5.1) in der Regel schon dann ein, wenn ein Züchter drei oder mehr fortpflanzungsfähige Hündinnen hält. Ein solcher Züchter muss allerdings nicht zwangsläufig schon ein „richtiges“ Gewerbe betreiben.

Spannender ist vielmehr der zweite Teil des 2. Satzes, welchem zufolge eine behördliche Einstufung der Zucht als „gewerblich“ der satzungsmäßig so bezeichneten ­Hobbyzucht grundsätzlich nicht entgegenstehen soll. Wenn also insbesondere das Finanzamt der Auffassung ist, es liege keine Liebhaberei mehr vor, sondern durch den Zuchtbetrieb würden (steuerpflichtige) Einnahmen erzielt, so ist der Züchter nach der Satzungsregelung trotzdem nach wie vor Hobbyzüchter.
 
„VDH-Welpen“ bringen höheren finanziellen Ertrag
Diese Satzungsbestimmung und damit die Anerkennung einer gewerblichen Zuchttätigkeit innerhalb des VDH soll dem Vernehmen nach kartellrechtlichen Vorgaben geschuldet sein mit der Folge, dass viele derjenigen Zuchtvereine, die aufgrund ihrer eigenen Satzungs­bestimmungen ausschließlich Hobbyzüchter als Mit­glieder haben möchten, nichts gegen kommerzielle Züchter in ihren Reihen unternehmen können. Es ist für einen ­kommerziellen Züchter auch ohne weiteres möglich, mehrere Rassen zu halten und zu züchten und in mehreren VDH-Zuchtvereinen Mitglied zu sein. Dies ist auch durchaus lohnenswert, weil ein Welpe mit VDH-Papieren einen wesentlich höheren Kaufpreis erzielt als ein solcher ohne Papiere.

Allerdings muss die Frage erlaubt sein, ob all dies mit dem vom VDH propagierten Ziel, besonders gesunde und sozialverträgliche Hunde zu züchten, in Einklang zu bringen ist. Denn wenn die Mechanismen des freien Marktes greifen, geht es um wirtschaftlichen Gewinn. Wer hohe (Anschaffungs- oder Unterhaltungs-) Kosten für eine große Zwingeranlage hat, muss die Ausgaben klein halten. Dies kann zu Lasten der gehaltenen Hunde gehen. Wer gleichzeitig zwei oder drei Würfe zu betreuen oder 50 Hunde zu versorgen hat, kann wahrscheinlich kaum eine liebevolle Betreuung und Sozialisierung von Welpen gewährleisten, so wie dies zahlreiche Hobbyzüchter tun.

Hundezucht – ein Erwerbsberuf?
Innerhalb des VDH kursiert eine Studie über einen großen Mitgliedsverein, in welchem manche (Groß-) Züchter durch die Zucht und den Verkauf von Hunden Gewinne erwirtschaften, die so manchen kleineren Unternehmer erblassen lassen. Da wird die Hobbyzucht schnell zur Lebensgrundlage. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der VDH nun seinerseits Mitglied des Internationalen Verbandes Fédération Cynologique Internationale (FCI) ist und sich dem Regelwerk der FCI unterworfen hat. Gemäß Art. 9 c, Punkt 8 der Statuten der FCI gehört es nun zu den Pflichten der Mitgliedsverbände, Personen auszuschließen, die Hunde ausschließlich aus kommerziellen Erwägungen züchten. Allerdings scheint das Interesse des VDH, insofern irgend etwas zu veranlassen, überschaubar. Denn der VDH erhebt von seinen Mitgliedsvereinen jährliche Beiträge. Zu diesen zählt ein sog. Zuchtanteil, der sich nach der in das Zuchtbuch und Register eingetragenen Anzahl der Hunde richtet. Je mehr Hunde gezüchtet werden, desto höher der an den VDH zu zahlende Beitrag. Sinnvoller als eine Begrenzung kommerzieller Zuchten scheint es dem Verband daher zu sein, die steuerrechtlichen Kenntnisse seiner Züchter zu optimieren; der letzte Kurs der VDH-Akademie „Hobbyzucht oder Profession? Besteuerung des Hundezüchters“ fand am 21. März 2010 in Dortmund statt …

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Der Autor, Lars-Jürgen Weidemann, ist Partner der Anwaltskanzlei ­Sieger, Weidemann und Laakes in Mülheim an der Ruhr. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren u.a. mit rechtlichen Fragen zur Hundehaltung, zum Tierschutz- und Vereinsrecht.
 
Rechtsanwalt L.-J. Weidemann,
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45478 Mülheim an der Ruhr,
Tel.: (02 08) 59 433 96,
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