Verhaltensproblem: Gesteigerte Erregbarkeit

Neben den theoretischen Vorträgen im ersten Teil, demonstrierte am zweiten Seminartag Herr Georg Sticha in ausgezeichneter Weise die verhaltenstherapeutische Behandlung von Problemhunden, welche den Seminarteilnehmern gehörten. Aus dem theoretischen Teil möchte ich die Problematik der gesteigerten Erregbarkeit herausgreifen, um den Lesern einen Eindruck zu geben, wie die Verhaltensstörungen im Seminar behandelt werden. Aus Platzgründen kann das Thema natürlich nicht im gleichen Umfang wie beim Seminar behandelt werden.

Allgemein gesteigerte Erregbarkeit
Man versteht darunter eine gegenüber der statistischen Norm gesteigerte emotionale Erregbarkeit. Prinzipiell, können wir – wie beim Menschen -zwei Formen unterscheiden:
– Beim introvertierten Tier hat sie Furcht und Angst zur Folge.
– Beim extrovertierten Tier hat sie gesteigerte Aktivität zur Folge. Die wichtigsten Ursachen sind im Kasten aufgelistet.

Massnahmen
Das Wichtigste wird sein, dem Hund zunächst Ruhe zu verschaffen. Wenn in einer Familie oder zwischen Partnern häufig gestritten wird, so belastet dies oft das Tier, insbesondere wenn es noch nicht erwachsen ist. Sehr oft werden auch Streitigkeiten über das Tier ausgetragen: Der Hund hat etwas angestellt, sie schimpft ihn aus und er bedauert den Hund und streichelt ihn. Der Hund wird in eine Konfliktsituation gebracht: Ein- und dasselbe Verhalten wird einmal belohnt und einmal bestraft.
Leicht erregbare Hundehalter reagieren oft selbst auf ein- und dasselbe Verhalten unterschiedlich: Einmal wird der Hund wegen seiner Zutraulichkeit und dafür, daß er auf Schritt und Tritt folgt gelobt, das andere Mal wird er vertrieben, weil der Hundehalter sich gerade geärgert hat und ihm das Nachfolgen des Hundes „auf die Nerven geht“. Nicht selten besteht die Situation, daß z.B. eine nicht berufstätige Frau sich tagsüber intensiv mit dem Hund beschäftigt und auch sehr konsequent ist. Der Partner kommt abends nach der Arbeit nach Hause, möchte sich jetzt beim Hund beliebt machen, indem er dem Hund jetzt alles angehen läßt: Er darf sich zu ihm auf die Couch setzen, wird vom Tisch gefüttert usw. Es passiert also all das, was der Hund sonst nicht darf. Abgesehen davon, daß der Hund dadurch verunsichert wird, sinkt der Mann in der Rangordnung häufig unter den Hund ab. Diese Inkonsequenz kann wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den Partnern führen, was wiederum den Hund belastet. Versetzen Sie sich in die Lage eines solchen Hundes und Sie werden verstehen, daß solch ein Tier enormen psychischen Belastungen ausgesetzt ist.

Mehrere Bezugspersonen
Manche Hunde haben oft sogar mehrere Bezugspersonen und Domizile: Unter der Woche sind manche Hunde bei den Eltern, am Wochenende oder abends werden sie abgeholt und wohnen bei „ihren“ berufstätigen Besitzern. Die Eltern der Hundehalter verhalten sich dem Hund gegenüber wieder anders als die Hundehalter selbst.
Durch entsprechende verhaltenstherapeutische Maßnahmen können viele Probleme mit guten Erfolgsaussichten gemildert oder gar beseitigt werden. Wie die Rückmeldungen der Seminarteilnehmer zeigen, haben die bisher durchgeführten WUFF-Seminare grossen praktischen Erfolg bei vielen Problemstellungen erreicht und auch die Beziehung zwischen Hundehalter und Hund verbessert.

>>> WUFF – INFORMATION

Ursachen gesteigerter Erregbarkeit

a) genetisch
b) Jugenderfahrung, z.B. Überforderung des Junghundes durch zu intensives Training.
    Auch Proteinmangelernährung beim Welpen wird als Ursache diskutiert.
c) gesteigerte Erregbarkeit des Muttertieres
d) Beziehungsarme Umgebung
e) Spätere ungünstige Erfahrungen (z.B. Hund wurde ausgesetzt und/oder war längere Zeit in einem Tierheim)
f) Ängstlichkeit und Erregbarkeit des Besitzers.
g) Inkonsequente Behandlung des Hund

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