Vom Kinderspielzeug zum Wegwerfhund

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Snoopy verbrachte seine ersten Lebenswochen bei einem so genannten „Hobbyzüchter“, besser Hundevermehrer, in Kottes (Niederösterreich). Dieser beliefert immer wieder die Kremser Tierhandlung „Tier & Wir“ mit Spitzmischlingen. Snoopy ist einer davon. Der Tierhändler, gegen den seit vielen Jahren laufend Beschwerden bei uns eingehen, fand schnell einen Abnehmer für den putzigen Kleinen. Es liegt nahe, dass die Käuferin von Welpenaufzucht keine Ahnung hatte und der winzige Rüde als Kinderspielzeug missbraucht wurde. Als er in letzter Not begann sich zur Wehr zu setzen und mit seinen scharfen Milchzähnchen zubiss, wurde er rasch weitergereicht. Die Übergabe an Zuhause Zwei fand der Einfachheit halber gleich auf der Straße statt. Auch im nächsten Haushalt gab es Kinder, die mit ihm spielen wollten, doch Snoopy hatte sein erstes Lernerlebnis bereits perfektioniert, nämlich kräftig zuzubeißen. Stunden später wurde Snoopy bei uns abgeliefert .

Die „Ware Hund“
Es war für alle erschütternd zu erkennen, was diesem erst vier Monate alten Wollknäuel bereits widerfahren sein musste, um derart aggressiv auf Berührungen zu reagieren. Er schnappte panisch nach allen, die ihn nur streicheln oder gar hochheben wollten. Sein Pech, dass er einfach so süß aussah und jeden animierte, ihn anzufassen.
Snoopy ist nicht der erste Hund aus der Kremser Zoohandlung, für die unser Tierheim zur letzten Zuflucht wurde. Jahr für Jahr landen unzählige dieser armen Vierbeiner bei uns. In erster Linie sind es Spitzmischlinge, kleinwüchsige wie Snoopy und hochbeinige Dobermann-Spitzhunde, doch auch reinrassige „Importware“ wie Spaniels, Shi-Tzus, Goldies und andere Rassen. Die meisten wurden an völlig ungeeignete Personen verkauft, die bei kleinsten Problemen überfordert reagierten. Fast alle Hunde wiesen bei ihrer Abgabe mittelschwere bis schwere Verhaltensstörungen auf.

Resozialisierung im Tierheim
Derzeit leben gerade drei Hunde aus dem Geschäft des Tierhändlers bei uns, Spanielrüde Dino, Dobermann-Spitzrüde Rocky und Spitzmischlingsrüde Roli. Die Hunde aus der Zoohandlung verursachen uns Jahr für Jahr hohe Kosten, da sie in der Regel zum Zeitpunkt der Aufnahme verhaltensauffällig und nicht vermittelbar sind. Erst nach wochen- bis monatelangen Schulungs- und Therapieprogrammen durch erfahrene Tiertrainer sind die Hunde so weit, dass wir sie zur Vergabe freigeben können. Snoopy hatte Glück, dass er rechtzeitig bei uns landete. Seine Fehlprägung auf Kinder, die er noch lange Zeit als massive Bedrohung betrachtete, konnte schrittweise wieder abgebaut werden. Tag für Tag wird es besser, doch auch Rückschläge gibt es dann und wann.

Positive Erfahrungen
Snoopy hatte in den ersten Wochen bei uns viel Kontakt mit gut sozialisierten Hunden und tiererfahrenen Menschen. Er ließ sich bald von uns anfassen, anleinen, hochheben und streicheln, ohne Angstsymptome zu zeigen. Viele positive neue Erfahrungen begannen die negativen früheren zuzudecken und zu ersetzen. Eine Zeitlang haben wir Snoopy noch begleitet. Inzwischen lebt er nicht weit von uns bei einer Familie mit einem alten Rüden, einer Katze und Kaninchen. Er ist noch immer kein einfacher Hund, und immer wieder holen sich seine Leute Rat bei uns. Doch wir sind sehr zuversichtlich, dass er dort gute Chancen auf ein dauerhaftes Zuhause hat.

Teufelskreis aus Nachfrage und Angebot
Noch immer verkauft der Tierhändler Welpen in seinen beiden Kremser Geschäften. Und noch immer vermehrt der „Züchter“ aus Kottes seine Spitzmischlinge. Er sieht auch gar keinen Grund, damit aufzuhören: „Die Zoohandlung reiße sie ihm förmlich aus den Händen“. Dobermann-Spitze wird es allerdings keine mehr geben. Die Dobermann-Mutterhündin verstarb nach ihrem letzten Wurf. Wie viele es waren, wissen wir nicht.
Immer wieder beschweren sich Tierfreunde über die Hundehaltung in besagter Zoohandlung. Viele der verkauften Welpen erkrankten, einige verstarben sogar.

Unglaublich: Gewerbeordnung statt Tierschutzgesetz!
Der Händler beruft sich auf eine Kremser Tierärztin, die seine Tiere angeblich betreut. Doch den Tieren hilft das alles wenig. Kein Tierschutzgesetz schützt sie vor dem beinharten Geschäft mit lebender Ware. Denn laut Justitia unterliegen die Welpen einer Zoohandlung (wie alle anderen Tiere dort auch) nicht dem Tierschutzgesetz, sondern der Gewerbeordnung, und die sieht äußerst dürftige Schutzbedingungen vor.  Die Mindestabmessungen für einen Welpenkäfig betragen dreimal Körperlänge ohne Schwanz mal dreimal Körperlänge ohne Schwanz, für jeden zusätzlichen Welpen nur noch drei mal eins, kein Platz für die gesunde Entwicklung eines Hundebabys. Auch das Mindestalter der angebotenen Tierkinder ist kein Thema.

Profit und Geschäft mit großen Welpenaugen
Je hilfloser, umso mehr entsprechen die Kleinen dem Kindchenschema und umso besser zieht die Mitleidsmasche. Auch eine Quarantänestation ist für Tierhandlungen nicht vorgesehen. Parvovirose- und Staupefälle aus Tierhandlungen sind keine Seltenheit. Doch diese Tierseuchen sind noch immer nicht meldepflichtig, weil Hunde eben nicht zum Verzehr durch den Menschen bestimmt sind. Und was mit den Welpen am Wochenende passiert, ist ebenso nirgendwo geregelt. Solange kein Paragraph den Hundehandel in Zoohandlungen unterbindet oder tiergerechte Mindeststandards fordert (Quarantäne, Auslaufgehege, Sozialkontakte, etc.), solange bleiben Hundehändler ungestraft, denn sie verstoßen gegen kein Gesetz.

Von ausländischen Zuchtfabriken in den Warenkorb
Der Handel mit billigen Rassewelpen aus ausländischen Zuchtfabriken und Mischlingsbabys von heimischen Vermehrern ist nach wie vor ein äußerst lukratives Geschäft, Tierleid inkludiert.  Im Webshop einer „Tier & Wir“-Händlerin in Laa/Thaya kann man sogar o­nline Tiere shoppen und die Tierkinder gleich per Mausklick in den Warenkorb befördern. Passenderweise findet sich gleich auf der Startseite ein Link zur Tierhändlerin „Schnauzerl“ Linda Rehrl in Salzburg, über deren Praktiken WUFF bereits mehrmals berichtete.

Stopp dem Hundehandel!
Und doch können wir bereits jetzt etwas tun, um Snoopy und seinen ungezählten Leidensgenossen zu helfen: Viele Menschen aufklären und davon abbringen, Welpen in einer Zoohandlung zu kaufen. Denn wie jeder Markt unterliegt auch der Handel mit Tieren dem ewigen Gesetz von Angebot und Nachfrage. Erst wenn die Tierhändler auf ihren Welpen „sitzenbleiben“, wird  der internationale Hundehandel sich nicht mehr lohnen. 

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