Wärme gegen Krebs: – Therapeutische Hyperthermie in der ­veterinärmedizinischen Praxis

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Die therapeutische Hyperthermie (Wärme-/Hitzebehandlung) von Krebserkrankungen kommt sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin als komplementäre Methode zu ­Chirurgie, ­Strahlen- und/oder Chemotherapie zum Einsatz. Tierärztin Dr. ­Silvia Kragnolini erklärt, wie Hyperthermie ­angewendet wird und wie die Methode wirkt.

Bereits altägyptische Hochkulturen haben die heilende Wirkung von Wärme erkannt. Die Ärzte der griechischen Antike haben dieser Behandlung dann ihren Namen gegeben – Hyperthermie (Überwärmung). 1917 hat Julius Wagner von Jauregg eine Malariatherapie entwickelt, bei der mittels Malariaerregern Fieber ausgelöst wurde, um die aufgrund einer Neuro-Syphilis an progressiver Paralyse Erkrankten zu behandeln. Für diese Entdeckung der „Fiebertherapie" hat Wagner von Jauregg 1927 den Nobelpreis für Medizin erhalten.

Hyperthermie in der Krebs­behandlung
Hyperthermie wird heute in Kombination mit Chemo-und Strahlen­therapie angewendet, kann aber auch in Verbindung mit Misteltherapie und anderen Fiebertherapien verwendet werden. Der Effekt beruht auf der höheren Hitzeempfindlichkeit von Krebszellen im Vergleich zu gesunden Zellen. Dadurch kann man eine geringere Chemotherapie- bzw. Strahlendosis verwenden, was weniger Nebenwirkungen und höhere Über­lebenschancen bewirkt.

Grundsätzlich muss man wissen, dass im menschlichen und tierischen Organismus in jeder Sekunde Krebszellen entstehen. Ein funktionierendes normales Immun-Abwehrsystem spürt diese ersten Krebszellen auf und tötet sie ab. Bei Immunschwächen, wie sie in der Tabelle angeführt werden, kann die Entstehung und Vermehrung von Krebszellen nicht verhindert werden, was dann letztlich die Entstehung von Krebs begünstigt.

Aktivierung der Immunabwehr bei Krebs-Erkrankungen
Tumorgewebe ist sehr hitzeempfind­lich, d.h. wenn der Tumor Fieber bekommt, steigen die Heilungs­chancen von Krebspatienten. Das macht sich die Hyperthermie-Therapie zunutze. Bei Temperaturen über 41°C werden Krebszellen geschädigt. Die Zellwände verändern sich so, dass die Tumorzellen vom körpereigenen Abwehrsystem besser erkannt und folglich bekämpft werden können. Gleichzeitig reagieren die Krebszellen auch empfindlicher auf Chemothera­peutika (Zytostatika), sowie auf die Strahlen- und Antikörpertherapie.

Da schon ein Großteil der ­Tumorzellen durch Hitze zerstört worden ist, kann die Chemotherapie viel niedriger dosiert werden und ist dadurch viel besser verträglich. Außerdem werden die Blutgefäße im Tumorgewebe verringert, was zu einer Nahrungsunterversorgung des Tumors beiträgt.

Ich verwende in meiner Praxis ein Gerät der Firma CELSIUS 42, mit dem nicht der ganze Körper, sondern lediglich das Tumorgewebe mittels Radiowellen computergesteuert auf bis zu 42°C erwärmt wird. Dadurch ist die Kreislaufbelastung geringer. Die therapeutische Hypertherapie (THT) wird vor allem zur Behandlung von Tumoren/Metastasen in der Leber, der Lunge, den Knochen und im Gehirn angewendet. Auch befallene Lymphknoten, Hautmetastasen, Mammakarzinome oder Rezidive im Operationsbereich (Fibrosarkome) können damit behandelt werden.

Thymus-und Misteltherapie
Die Behandlung mit Thymusextrakten dient dazu, das Immunsystem zu stärken und zu regenerieren. Die Mistel hat sich als Heilpflanze einen festen Platz in der Krebstherapie erobert (siehe Artikel von Ulrike Biegel, Misteltherapie – sinnvolle Ergänzung beim krebskranken Hund, WUFF 2/2012). Ich bevorzuge inzwischen, vor allem bei Erkrankungen im fortgeschrittenen Stadium und bei Metastasierung, die Infusionstherapie in Kombination mit Hyperthermie und Fiebertherapie nach William B. Coley.

Krebserkrankungen verlaufen bei jedem Patienten individuell. Selbst wenn man zwei gleich große und gleichartige Tumoren im selben Organ bei verschiedenen Patienten be­trachtet, wird der eine nicht auf dasselbe ansprechen wie der andere. Daher ist es wichtig, die ­Krebstherapie immer individuell anzupassen. Außerdem ist eine intensive Beziehung ­zwischen Therapeut und Patient nötig. Wie schon der kürzlich ver­storbene Penicillin-Forscher Dr. Karl Hermann Spitzy festgestellt hat, ist eine Behandlung ohne Miteinbeziehung des Patienten nicht möglich.

Unsere moderne Medizin ist durch Erfahrung entstanden. Eine syner­gistische Zusammenwirkung aus traditioneller Erfahrungsmedizin und Komplementärmedizin wäre für den Patienten sinnvoll.

HINTERGRUND

Ursachen mangelnder Abwehr­fähigkeit des Organismus

1) angeboren: genetische Mängel des Immunsystems

2) erworben: fehlendes Immun­training (Erkennungserfahrung) in der frühen Lebensphase

3) Chronische Intoxikationen ­(Alkohol, Nikotin, Drogen, Umweltgifte wie Schädlings­bekämpfungsmittel etc.)

4) Therapie-Schädigung: Chemo­therapie, Strahlentherapie, Kortison-Langzeittherapie, Sirolismus-Rapamycin-Unterdrückung der T-Zell-Funktionen (Der Londoner klinische Immunologe Prof. Hobbs stellte fest, dass mehr als 20% der Hospitalpatienten eine T-zelluläre Immundefizienz aufweisen, siehe Hobbs, J.R.; Secondary T-Lympho­cyte Disorders) etc.

5) Antibiotikamissbrauch führt zu Multiantibiotikaresistenzen (MAR)

6) Bewegungsmangel oder körper­liche Überbeanspruchung, Ernährungsmängel, Unterernährung, Adipositas, Spurenelement-Vitaminmangel und chronischer Stress.

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