Seit Jahrtausenden leben Hund und Mensch Seite an Seite, teilen ihr Leben, ihre Zeit und manche gar ihr Bett – und doch finden immer noch viele Missverständnisse statt, die ein Gefahrenpotenzial bergen. Warum ist das so und wo lauern die Gefahren im Alltag, die einen Beißvorfall begünstigen?
Unsere Hunde müssen sich uns Menschen in fast all ihren Bedürfnissen anpassen, denn wir entscheiden darüber, wann sie ruhen, fressen, spielen oder sich lösen dürfen. Unsere Hunde regulieren ihr Hungergefühl so, dass sie sich an »Essenszeiten« gewöhnen, ganz anders als ihre wilden Kollegen, die ihre Beute dann jagen, wenn sie hungrig werden, aber keine Erwartungssicherheit haben. Sie gewöhnen sich an unseren Schlafrhythmus oder daran, ihre Blase zu kontrollieren, damit sie den Harndrang zurückhalten können, bis wir mit ihnen rausgehen.
Wir empfinden diese Anpassung als eine Selbstverständlichkeit, doch just diese Einstellung birgt bereits die erste Gefahr. Anpassung kostet Energie, sie kostet Nerven und (über)fordert viele Hunde. Der eine Hund kann damit besser umgehen als der andere, das bedeutet aber bei Weitem nicht, dass er es mit der Leichtigkeit tut, die wir vermuten. Wenn also in diese Anpassung Energie gesteckt wird, fehlt sie vielleicht an anderer Stelle. Das kann sich in Form eines ausgeprägten Jagdverhaltens äußern, der Leinenaggression oder: dem Einsetzen des Zahnwerks. Immer wieder liest man in der Zeitung, dass ein Hund »aus dem Nichts« Passanten angreift oder das Kind zu Hause »plötzlich« verletzt. »Aus dem Nichts« ist im Grunde nur die Aussage, dass man keinen direkten Kausalzusammenhang finden kann. Den gibt es aber immer und er liegt sehr oft in der Annahme, dass unsere Hunde sich problemlos anpassen können.