Was tun, wenn es daheim "passiert"?

0
816

Elisabeth Berghuber aus Ried im Innkreis hat ein Problem: „Wir haben seit kurzer Zeit einen 3 Monate alten Welpen, der leider noch immer nicht stubenrein ist. Auch die Ratschläge unserer Nachbarn, ihn zu schimpfen, wenn wir seine Hinterlassenschaften finden, und ihn dann sofort nach draußen zu setzen, haben noch nichts genützt. Manchmal macht er sogar direkt nach einem Spaziergang in die Wohnung, als ob er geradezu darauf wartet, nach Hause zu kommen“.

Zuerst einmal möchte ich Ihnen sagen: Machen Sie sich keine Sorgen. Auch wenn es lästig ist, dass Ihr Welpe noch nicht stubenrein ist, so ist dies im Alter von 3 Monaten ganz normal. Zwar gibt es Hunde, die schon so früh gelernt haben, ihr „Geschäft“ draußen zu verrichten, aber die Regel ist es nicht. Folgende Tipps werden Ihnen helfen, dieses kleine Problem schnell in den Griff zu bekommen.

Auf den Welpen achten!
Bedenken Sie, dass Welpen relativ schnell nach dem Fressen und Trinken nach draußen müssen. Achten Sie darauf, wenn Ihr Welpe unruhig wird, vor allem, wenn er auffällig suchend herumläuft und schließlich anfängt, sich kreisförmig auf eine Stelle zu konzentrieren. Nehmen Sie ihn dann sanft auf, bringen Sie ihn in den Garten und sagen Sie gar nichts dazu. Bleiben Sie unbedingt bei ihm im Garten, damit er nicht das Gefühl hat, er wird nach draußen „verstoßen“, wenn er mal muss. Sobald er dann sein Geschäft verrichtet – was unter Umständen einen kleinen Moment dauern kann, weil er vielleicht etwas abgelenkt ist –, loben Sie ihn ruhig, leise und kurz. Bitte feiern Sie keinesfalls eine „Hurra-mein-Hund-hat-gepieselt-Party“, indem Sie mit aufgeregter Stimme wie verrückt loben – dies erschreckt die meisten Welpen mehr, als dass sie es als Lob empfinden. Manche hören auch vor lauter Aufregung auf zu pieseln, weil sie glauben, jetzt passiert etwas ganz Tolles …

Wenn Sie ihn dabei erwischen …
Das gleiche gilt, wenn er gerade anfängt, drinnen zu urinieren oder zu koten. Sagen Sie ganz ruhig und in normalem Ton „nein“ und tragen Sie ihn raus. Durch das Hochheben wird der Schließmuskel praktisch automatisch aktiviert, und dadurch wird sich Ihr kleiner Hund sein Geschäft im wahrsten Sinne des Wortes einen Augenblick „verkneifen“. Schreien Sie ihn aber nicht mit einem scharfen „Aus!“ an, denn wird ein Welpe sehr erschreckt, „läuft“ es erst recht …

Was tun, wenn es „passiert“ ist?
Sollten Sie im Haus eine Hinterlassenschaft finden, entfernen Sie diese kommentarlos. Es ist absolut sinnlos, Ihren Hund dafür zu schimpfen, da er sich keiner Schuld bewusst ist. Hunde lernen situationsbezogen. Wenn Sie ihn also in solchen Momenten schimpfen, wird er dies mit wer weiß was verknüpfen, z.B. dem Besuch, der gerade zur Tür hereinkommt, oder dem Staubsauger, der gerade läuft. Es kann Ihnen sogar passieren, dass Ihr Verhalten zu einem massiven Vertrauensverlust Ihres Hundes führt, da er keine Ahnung hat, worum es geht und Sie somit unberechenbar für ihn erscheinen.

Manchmal hilft Wechsel des Reinigungsmittels
Reinigen Sie die Stellen, wo er im Haus hingemacht hat, nicht mit Reinigungsmitteln, die Essig enthalten! Essig riecht für Hunde ähnlich (nur konzentrierter) wie Hundepippi – mit anderen Worten: Sie animieren ihn geradezu, wieder dorthin zu machen. Kürzlich rief mich eine Dame an, deren 5 Monate alter Hund noch immer nicht stubenrein war. Allein durch das Auswechseln des Putzmittels war das Problem in wenigen Tagen behoben.

Nase nicht ins „Geschäft“ drücken!
Auch von der vollkommen veralteten Methode, seinen Welpen mit der Nase in seine eigenen Exkremente zu stoßen, sollten Sie unbedingt Abstand nehmen. Mal abgesehen davon, dass dies eine höchst unappetitliche Angelegenheit ist, von der man sich fragt, wer sich eine solche Sauerei ausgedacht hat, ist dies für die sehr empfindliche Nase Ihres Hundes eine Tortur.

Es „passiert“ nach dem Spaziergang
Wie Sie sehr richtig beobachtet haben, ist es manchmal so, dass Welpen kurz nach der Rückkehr von einem Spaziergang ins Haus machen. Dies ist deshalb so, weil sie draußen durch die vielen Umweltreize und Eindrücke so abgelenkt sind, dass sie das Verrichten ihres Geschäftes regelrecht vergessen. Da fliegt ein Schmetterling, Autos fahren vorbei, Passanten fragen nach dem süßen, kleinen Tier und wollen es streicheln, man trifft einen anderen Hund usw.. Kaum in der Ruhe und Geborgenheit des eigenen Zuhauses angekommen, fällt dem Welpen regelrecht ein: „Da war doch noch was!“… und schon haben Sie wieder eine Pfütze auf dem Teppich. Dies können Sie verhindern, indem Sie die letzten 5-7 Minuten mit ihm an der Leine an einem ruhigen Ort ohne Ablenkung auf und ab gehen. Sie werden sehen, dass er sich dort bald löst. Bleiben Sie dann immer stehen, damit Ihr Welpe merkt, dass er in aller Ruhe machen kann, weil Sie auf ihn warten. Wertvolle Teppiche sollten Sie nach Möglichkeit zusammenrollen und wegräumen, bis ihr Welpe zuverlässig stubenrein ist.
Wenn Sie diese Ratschläge beherzigen, müsste Ihr Welpe sehr schnell verstehen, dass „dringende Geschäfte“ draußen verrichtet werden.

>>> WUFF – INFORMATION

Clarissa v. Reinhardt
beantwortet Ihre Fragen

Die Autorin ist Begründerin des Hundeschulkonzeptes "animal learn" (http://www.animal-learn.de) und leitet seit 1993 ihre eigene Hundeschule. Die im In- und Ausland gefragte Referentin hat sich in ihrer Arbeit auf verhaltensauffällige Hunde spezialisiert.

In WUFF beantwortet Clarissa v. Reinhardt Ihre Fragen (bitte knappe Formulierung des Problems!). Ihre Frage (ev. mit einem Foto Ihres Hundes) schicken Sie bitte an:
– WUFF, KW v. Reinhardt, A-3034 Maria Anzbach
[email protected]

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT