Welcher Gassi­­geh-Typ sind Sie? – Gassigeh-Verhalten unter der Lupe

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Manche gehen täglich immer zu denselben Zeiten mit ihrem Vierbeiner Gassi, andere variieren das je nach Befindlichkeit und Umständen, sowohl der eigenen als auch der des Hundes. Manche gehen häufiger nach draußen und sind aktiver als andere, andere eher Couchpotatoes. Was bestimmt eigentlich – abgesehen vom erforder­lichen Mindestmaß – die Häufigkeit des ­Gassigehens? Das Wetter? Die Aufforderung Ihres Hundes? Die Stärke Ihrer Beziehung zu ihm? Es gibt ja nichts, was ­Wissenschaftlern fremd ist, und so haben Forscher der ­University of Liverpool Faktoren untersucht, die mit dem Ausmaß des täglichen Gassi­gehens zusammenhängen. WUFF-Herausgeber Dr. Hans Mosser hat sich mit dieser Studie ­auseinandergesetzt.

Tägliches Gassigehen ist für die meisten Hundehalter, zumindest im städtischen Bereich, ein normaler Bestandteil des Alltags. Ob sich die erforderlichen Gassigänge auf mehrere Familienmitglieder aufteilen oder ob es nur eine Person gibt, die diese Aufgabe übernimmt bzw. übernehmen muss, macht natürlich einen Unterschied. Auch, ob Frauchen oder Herrchen gerne spazieren gehen oder eher Bewegungsmuffel sind. Und nicht zuletzt gibt es auch unter den Hunden solche, die es vorziehen, auf dem Sofa zu liegen statt nach draußen zu gehen, vor allem bei trübem oder nassem Wetter.

Dr. Carri Westgarth von der University of Liverpool hat sich in einer Studie mit Faktoren auseinandergesetzt, die das Ausmaß des täglichen Gassi­gehens bestimmen sollen (Westgarth 2015). Das Thema hält sie deswegen für wichtig, weil nachgewiesen sei, dass regelmäßige körperliche Aktivität sowohl für Menschen als auch für Hunde von gesundheitlichem Vorteil ist. Außerdem hält Westgarth Bewegung für ein wichtiges Element der Therapie sowohl von fettleibigen Menschen als auch dicken Hunden.

Ohne jetzt näher darauf ­einzugehen, ab wann nun ein Mensch oder ein Hund als fettleibig (das ist die Übersetzung des in der Studie verwendeten medizinischen Fachbegriffs ­adipös) zu bezeichnen ist, und ohne den Body Mass Index zu bemühen, nehme ich zunächst einfach einmal an, dass jeder Mensch (der über ein bisschen Selbstbewusstsein verfügt und zudem nicht an einer Essstörung erkrankt ist) sich diesbezüglich selbst relativ korrekt einschätzen wird. Beim Hund ist der Punkt, ab dem von ­Fettleibigkeit gesprochen wird, ­allerdings schon schwieriger zu definieren. Überlassen wir diese Definition daher vorerst einmal besser Ihrem Tierarzt.

Der Zusammenhang zwischen Hundehaltung und vermehrter körperlicher Aktivität, u.a. auch durch häufiges Gassigehen, ist schon mehrfach bestätigt worden. So auch in einer großen Übersichtsarbeit über „Hunde­haltung und körperliche Aktivität“ einer wissenschaftlichen Arbeitsgruppe um den Experten für Public Health (Öffentliche Gesundheit) Dr. Hayley Christian von der ­University of Western Australia in Perth. Die Forscher haben alle für dieses Thema relevanten Studien zwischen 1990 und 2010 analysiert und den direkten Zusammenhang zwischen Hundehaltung und körperlicher Aktivität im Vergleich zu Menschen ohne Hund nachgewiesen (Christian 2013). Dr. Carri Westgarth, die damals ebenfalls an dieser Studie mitgearbeitet hatte, hat aber nun – die für uns Hundefreunde offensichtliche Tatsache – festgestellt, dass auch unter den Hundehaltern deutliche Unterschiede bestehen, ob und wie oft jemand mit seinem Vierbeiner Gassi geht. In der eingangs erwähnten Studie ist sie also dieser Frage nachgegangen.

Schon 2014 hat die ­Wissenschaftlerin der University of Liverpool in einer Studie festgestellt, dass einer der wichtigsten Einflüsse, wie oft Hunde­halter mit ihrem Hund spazieren gehen, die „Stärke der Beziehung“ zwischen Halter und Hund ist, also die Bindung (Westgarth 2014). Je stärker das mensch-hundliche Band, umso größer auch die Motivation des ­Menschen, seinen Hund auszuführen. Nun aber will die Forscherin mehr ­darüber wissen.

In ihrer neuen Studie (Westgarth 2015) vergleicht Westgarth etwa die Häufigkeit des Gassigehens damit, ob der Hund zuhause auf dem Sofa liegen darf oder nicht, oder ob er sämtliche Räume der Wohnung betreten darf oder nur manche. Was sollte das aber miteinander zu tun haben? Westgarth sieht hier sehr wohl einen Zusammen­hang. Wenn die Wissenschaftlerin annimmt, dass Menschen, die zu ihren Hunden eine engere Beziehung haben, diese eher auf dem Sofa liegen lassen werden als Menschen mit weniger starker Bindung zu ihrem Hund, dann steht für sie diese „Liegeerlaubnis“ also für eine tiefere mensch-hundliche Beziehung als dort, wo diese Liegeerlaubnis nicht gegeben wird. D.h. die Liegeerlaubnis auf dem Sofa steht somit für eine stärkere Mensch-Hund-Bindung und wird so in der Studie mit der Häufigkeit des Gassigehens korreliert.

Damit die Ergebnisse der Studie dann aber auch wirklich stimmen, ist vorauszusetzen, dass diese Annahme Westgarths stimmt – und mehr als eine Annahme ist es nämlich nicht. Es könnte doch durchaus auch der Fall sein, dass jemand zu seinem Hund eine sehr enge Beziehung hat und trotzdem aus diesen oder jenen Gründen nicht will, dass der Hund auf dem Sofa liegt. Wie auch immer, bei dieser ­Studie setzt die Forscherin ihre Annahme als gegeben voraus, dass Sofaliegen eine stärkere Mensch-Hund-Bindung erkennen lässt.

Bindung & Motivation
Neben der mensch-hundlichen Bindung wird auch ein zweiter Bereich mitbestimmend für die Häufigkeit des Gassigehens angesehen, nämlich die Motivation oder die Verpflichtung dazu, die etwa durch den Bewegungsbedarf des Hundes gegeben ist. Diese beiden Bereiche Bindung und Motivation werden wiederum ihrerseits von vielen Faktoren beeinflusst, von denen die 8 wichtigsten später im Einzelnen besprochen werden. Im Gesamten wird sodann deren Einfluss auf das „Gassigehverhalten“ aufgezeigt.

Die Studie wurde mittels Fragebogen an 214 Haushalten mit insgesamt 279 Hunden in Cheshire, einer Grafschaft im Nordwesten Englands (Hauptstadt Chester), durchgeführt (Übrigens, der „Chester-Käse“ kommt von dort). Die Teilnehmer an der Studie wurden zu zahlreichen Parametern befragt, die in der wissenschaftlichen Auswertung dann miteinander in Beziehung gesetzt wurden. Außerdem wurden auch viele andere Dinge abgefragt, von denen einige im Folgenden vorgestellt werden, weil sie ganz einfach interessant sind und wir uns mit den Antworten vergleichen können.

Null- bis 4-mal Gassi täglich
„Wie oft gehen Sie mit Ihrem Hund Gassi?“ war eine der Fragen der Wissenschaftler. Die Antwort: Im Durchschnitt gehen 77,9% der befragten Hundehalter mindestens einmal pro Tag oder häufiger Gassi, und 22,1% weniger als einmal pro Tag.

Genauer aufgeschlüsselt sieht es ­folgendermaßen aus (siehe ­Tabelle unten): Rund ein Drittel der Hundehalter geht mit dem Hund zweimal pro Tag Gassi, ein weiteres knappes Drittel einmal pro Tag. 13,3% gehen dreimal pro Tag Gassi und knapp 3% sogar viermal. Allerdings wird fast jeder 5. Hund nicht täglich Gassi geführt, die Bandbreite reicht da von 0,2% (niemals Gassi) bis 16,6% (mehrmals pro Woche).

HundehalterHäufigkeit
Gassigehen
32,4%2 / Tag
29,5%1 / Tag
16,6%mehrmals/Woche
13,3%3 / Tag
2,9%4+ / Tag
2,9%1 / Woche
2,2%0-1/ Woche
0,2%niemals

Wie es möglich ist, dass Hunde nicht täglich vom Halter ausgeführt werden, erklärt sich wohl daraus, dass manche, zumeist in ländlichen Regionen, ihre Vierbeiner auch herumstreunen oder allein in den Garten laufen lassen. Auch das bloße Hinführen in eine (nahe gelegene) Hundezone in der Stadt kann in diesem Zusammenhang natürlich nicht als Gassigehen im Sinne einer physischen Aktivität des Halters gelten.

Länge der Spaziergänge
Wenn mit Hunden spazieren ­gegangen wird, dann ist die Mehrheit der Hunde­halter durchschnittlich ­zwischen einer viertel und einer ganzen Stunde unterwegs. Auf die Frage nach der durchschnittlichen Länge ihrer Spaziergänge mit ihrem Vier­beiner gaben 40,6% an, zwischen 16 und 30 Minuten lang Gassi zu gehen, und 41,9% zwischen 31 und 60 Minuten. Nur 6,5% gingen kürzer als eine viertel Stunde und 11,1% länger als eine Stunde Gassi. Mehr als zwei Drittel der Hundehalter gingen übrigens immer dieselben Gassiwege.

Hundeverhalten beim Gassigehen
Offensichtlich war die Mehrheit der in der Studie untersuchten Hunde Passanten und anderen Hunden gegenüber offen und freundlich gesinnt. So gaben 48,5% an, dass ihr Hund beim Gassigehen regelmäßig Passanten „begrüße“ und „körperlichen Kontakt“ mit ihnen suche. Worin genau dieser „körperliche Kontakt“ bestand (Anschnuppern? Anstuppsen? Anspringen?) und ob das nun jedem Passanten auch recht war, lässt sich aus der Studie allerdings nicht herauslesen. 59% der Hundehalter gaben an, dass ihr Hund beim Gassigehen mit anderen Hunden oft oder manchmal spielt, und 24,5%, also immerhin jeder vierte, dass sich ihr Hund gegenüber anderen Hunden oft oder manchmal aggressiv verhält. Dies ist für die ­Wissenschaftler auch insofern von Interesse, als sie annehmen, dass ­Halter von Hunden mit eher aggressivem Verhalten weniger häufig Gassi gehen als andere.

Neben Aggressivität wurde auch anderes unerwünschtes Verhalten abgefragt. Demnach würde sich jeder zweite Hund (50,4%) beim Gassi­gehen in Hunde- oder Katzenkot oder Kleintierkadavern wie toten Mäusen und anderem halbverwesten Getier wälzen, hätte er dazu die Gelegenheit, knapp 17% finden und fressen solche Tierkadaver und 12% fressen regelmäßig Hundekot – ein tatsächlich aus Menschensicht nicht sehr zu schätzendes Verhalten des Vier­beiners, wie die Wissenschaftler korrekt fest­stellen.

Immer an der Leine?
Ob der Hund beim Spazierengehen an der Leine ist oder nicht, hängt natürlich ab einerseits von der Örtlichkeit und andererseits von gesetzlichen Bestimmungen. So geben 14,5% der Studienteilnehmer an, beim Spazieren­gehen ihren Hund niemals frei laufen zu lassen – wohl weil sie überwiegend im städtischen Bereich unterwegs sind, nehme ich nun einmal an, weil dies in der Studie nicht näher aufgeschlüsselt ist. Die Mehrheit jedoch (67,9%) lässt den Hund zumindest in bestimmten Bereichen frei laufen, und 17,6% lassen ihn fast überall ohne Leine, werden also wohl zu einem großen Prozentsatz auf dem Land leben.

Am häufigsten werden beim Spazierengehen eher fixe kurze Leinen benutzt (58,1%), 25,8% verwenden eine ausziehbare Leine, und der Rest verwendet beide Leinenarten.

Warum einen Hund?
Auf die Frage nach dem Grund der Anschaffung eines Hundes gab die Mehrheit der Hundehalter (68,4%) an, einfach einen vierbeinigen Gefährten, also einen Freund haben zu wollen. 36,4% haben sich einen Hund als Hobby bzw. Freizeitbeschäftigung angeschafft, um mit ihm etwas zu unternehmen (Hundesport, Hundeausstellungen u. dgl.). Der Rest nennt andere Gründe wie bspw. Geschenk oder aus Gründen des persönlichen Schutzes.

Gassigehfrequenz und 8 Faktoren
In einer sog. multivariablen Analyse wurden 8 Faktoren identifiziert, die mit der Häufigkeit des Gassigehens zusammenhängen. Diese Faktoren wirken sich auf einen oder beide vorhin erwähnten Einflussbereiche, also die Bindung und die Motivation, aus, die ihrerseits das „Gassigehverhalten“ beeinflussen. Diese 8 Faktoren werden nun im Einzelnen angegeben, zusammen mit einer kurzen Erklärung aus meiner Sicht.

1. Anzahl der Hunde (negativer ­Zusammenhang)
Die Anzahl der Hunde im Haushalt korreliert negativ mit der Häufigkeit des Gassigehens. Mit anderen Worten, je mehr Hunde im Haushalt, desto ­seltener wird Gassi gegangen. Ich denke, dass hier der Grund vor allem darin liegt, dass Halter mehrerer ­Hunde eher auf dem Land zu finden sind, zumeist auch mit einem Garten. Die Beschäftigung der Hunde miteinander im Garten scheint ihrem Halter ausreichend zu sein, sodass zusätz­liche Spaziergänge für nicht erforderlich angesehen werden.

2. Hundegröße (positiver Zusammenhang)
Mit mittelgroßen und großen Hunden wird häufiger spazieren gegangen als mit kleinen. Das wird wohl seinen Grund darin haben, dass man kleinen Hunden weniger bis keinen Bewegungsbedarf einräumt als größeren. Und größere Hunde werden in einer Wohnung mangels Auslastung wohl schneller „unrund“ als kleine, die etwa für die Strecke zwischen Hunde­körbchen und Fressplatz mehr ­Schritte zurücklegen müssen als ein großer Hund.

3. Zahl der Personen im Haushalt (negativer Zusammenhang)
Je größer die Familie ist, umso ­weniger häufig kommt der Hund zum Gassi­gehen. Dieses Ergebnis verwundert, denn man möchte das Gegenteil vermuten. Der Grund liegt vielleicht ­darin, dass größere Familien eher in einem Haus – und dann meist mit Garten – wohnen und der Hund dann einfach ins Freie geschickt wird. Oder dass in einer großen Familie jeder erwartet, dass „der andere“ mit dem Hund Gassi gehen soll und im Ergebnis dann der Hund seltener ausgeführt wird als in einem Singlehaushalt, wo es keine Alternative gibt.

4. Freizeitbeschäftigung als Hunde­anschaffungsgrund (positiver Zusammenhang)
Wird als Anschaffungsgrund des Hundes Freizeitbeschäftigung angegeben, was in 36,4% der Fall war, dann gehen solche Hundehalter deutlich häufiger mit ihrem Vierbeiner spazieren als andere. Das ist an sich auch recht einsichtig, denn solche Menschen wollen ihre Freizeit eher aktiv verbringen und da soll der Hund eben auch eine Rolle spielen bzw. stellt auch einen Motivator für seinen Halter dar. So kommt ein solcher Hund natürlich häufiger ins Freie als ein anderer.

5. Hund darf auf dem Sofa liegen (positiver Zusammenhang)
In Haushalten, wo der Hund auf dem Sofa liegen darf, würde dies auch eine engere Beziehung zwischen Halter und Hund anzeigen, so die Studien­autorin. Und eine solche enge Bindung ist offensichtlich schon für sich allein ein Faktor, der gemeinsame Unternehmungen von Zwei- und Vierbeinern fördert. Dasselbe kann man nun sicherlich auch vom folgenden Faktor annehmen, oder vielleicht auch nicht?

6. Hund darf auf dem Schoß liegen (negativer Zusammenhang)
Nun, wenn der Hund auf dem Schoß seines Halters liegen darf, dann zeigt das für Westgarth auch eine ­engere Bindung an, die an sich auch ein ­häufigeres Gassigehen bedingen würde, wenn, ja wenn nicht der zweite Bereich, nämlich der der Motivation wäre. Weil viele Hundehalter offenbar den Eindruck haben, dass ganz ­kleine Hunde (und nur solche können ja wirklich auf dem Schoß liegen) wohl weniger Bewegung brauchen als ­größere, handelt es sich hier nicht um den Faktor Bindung, sondern um den der Motivation. Ich kann zu meinem Kleinhund zwar eine enge Bindung haben, fühle mich aber nicht motiviert, mit ihm häufig Gassi zu gehen, weil ich glaube, dass er das nicht braucht. Dass natürlich kleine Hunde genauso ihren ausreichenden Auslauf benötigen wie ihre größeren Artgenossen, sei hier nur nebenbei erwähnt.

7. Hund knurrt gelegentlich Familienmitglieder an (negativer Zusammenhang)
Mit Hunden, die zuhause Familienmitglieder anknurren, wird seltener Gassi gegangen als mit solchen, die dies nicht tun. Dies ein nachgewiesener Zusammenhang in den Ergebnissen der Studie – und zugleich ein Beispiel, dass Studien generell immer sehr genau beurteilt werden müssen, um nicht voreilig falsche Schlüsse zu ziehen. Denn Achtung, es ist nur ein Zusammenhang! Denn auch wenn die Autoren aus diesem Zusammenhang nun folgern, dass das Knurren der Hunde die Ursache dafür ist, dass die Halter seltener mit ihnen Gassi gehen, dann ist diese Schlussfolgerung überhaupt nicht bewiesen, sondern lediglich eine für die Autoren plausible Erklärung des bewiesenen Zusammenhanges. Doch für mich ist es nämlich andererseits nicht weniger plausibel, dass vielleicht deswegen, weil der Hund kaum Auslauf hat, er zuhause nie entspannt sein kann und dies wiederum die Ursache für das gelegentliche Anknurren darstellt.

Wenn also in einer Studie, nun egal in welcher, ein Zusammenhang ­zwischen zwei Faktoren nachgewiesen wird, heißt das noch lange nicht, dass damit zwangsläufig das eine die Ursache des anderen ist. Zusammenhang heißt lediglich Nachweis ­gleichzeitigen Auftretens, aber noch nicht einer Ursache. Das verwechseln sogar Wissenschaftler immer wieder gerne. Nach diesem kurzen Ausflug in die – mir immer sehr wichtige – Wissenschaftskritik zurück zum letzten der in der Studie mit Gassigehen assoziierten Faktoren.

8. Beutespiele mit dem Hund ­(negativer Zusammenhang)
In Haushalten, in denen mit dem Hund häufig Beutespiele gemacht werden, wie bspw. Ballspiele oder Stöckchen werfen, wird seltener mit dem Hund Gassi gegangen. Doch irgendwie scheint das widersprüchlich, dass Menschen, die mit ihrem Hund häufig spielen, seltener spazieren gehen. Wie lässt sich dieser Zusammenhang erklären? Vielleicht werden solche Beutespiele häufiger in einem Garten durchgeführt und lassen Hundehalter, die einen Garten haben, ihren Hund häufiger dort laufen als mit ihm Gassi zu gehen. Das wäre eine plausible Erklärung. Aber vielleicht finden Sie eine andere, die genauso plausibel ist?

Zusammenfassung
Mit dem Wissen um die Grenzen und auch um die Fallstricke, die wissenschaftliche Studien und ihre Interpretation haben können, ist es grundsätzlich zu begrüßen, dass die Anzahl der Studien über Hunde und die Mensch-Hund-Beziehung steigt. Das Thema hat auch ­Lebensrelevanz, wie ich es gerne nenne, und es lässt sich nicht selten gerade von uns ­Hundefreunden durch unsere ­Alltagserfahrung überprüfen. Stets aber sollten wir auch bereit sein, ­unsere eigenen Erfahrungen mit solchen Studienergebnissen zu konfrontieren, denn oft scheint uns etwas real, was es vielleicht so nicht ist.

Zusammenfassend bestehen also zwischen den vorhin beschriebenen 8 Faktoren Einflüsse auf die beiden Hauptbereiche Bindung und Moti­vation, die ihrerseits mit der ­Häufigkeit des Gassigehens zusammenhängen. All das ist auch relativ leicht mit Ihrer eigenen Alltagserfahrung vergleichbar, wo es anwendbar ist. Es würde mich interessieren, ob und wie sehr da Ihre Erfahrung (und Meinung) von den Ergebnissen ­dieser Studie abweicht. Vielleicht finden wir ja auch ge­meinsam eine plausible Erklärung dafür. Und was für ein ­„Gassigehtyp“ sind Sie? Schreiben Sie mir! (mosser@wuff.eu).

Literatur
Literaturquellen:
■ Christian, H. et al. Dog Ownership and Physical Activity: A Review of the Evidence. J Phys Activ Health 2013,10:750-759
■ Westgarth, C. et al. Factors associated with daily walking of dogs. BMC Veterinary Research 2015;11:116
■ Westgarth, C. et al. How might we increase physical activitythrough dog walking? Int J Behav Nutr Phys Act 2014;11

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