Welpenkauf: Die ­Haftung des Verkäufers auf ­Schadensersatz

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Der Kauf eines Hundes ist Vertrauenssache. Viele Züchter rechtfertigen dieses Vertrauen, indem sie die zur Zucht eingesetzten Hunde sorgfältig aussuchen und Elterntiere und Welpen engmaschig tierärztlich untersuchen lassen. Es gibt indes auch Züchter oder ­Ver­käufer von Hunden, die diesem Anspruch nicht genügen. Und dann?

Man stelle sich folgenden ­Sachverhalt vor: Ein Welpenkäufer erwirbt von einem gewerblichen Hundezüchter einen zehn Wochen alten Hund. Einige Wochen nach Übergabe des Hundes stellt sich heraus, dass der Hund an einem angeborenen Herzfehler sowie an Hüftgelenksdysplasie (HD) leidet. Der Tierarzt teilt dem Käufer mit, dass beide Erkrankungen nicht ­gänzlich therapierbar seien. Der Hund wird sein Leben lang tierärztlich behandelt werden und Medikamente zu sich nehmen müssen. Der Käufer will den liebgewonnenen Hund nun gleichwohl nicht dem Züchter zurückgeben.

Einen ähnlich gelagerten Fall hatte unlängst das Landgericht Bonn zu entscheiden (Urteil vom 12.06.2012 – 8 S 342/10). Der dortige Käufer hatte den Kaufpreis „auf Null" gemindert und somit Rückzahlung des vollen Kaufpreises verlangt. Ferner klagte er auf Erstattung der bislang angefallenen Tierarztkosten sowie auf Feststellung, dass der Züchter die künftig aufgrund der Erkrankungen entstehenden materiellen Schäden – also insbesondere weitere Tierarztkosten und Medikamente – ersetzen muss. Das Landgericht gab dem Käufer Recht.

Käufer erhält Kaufpreis zurück
Zunächst müsse sich der Käufer nicht auf die sog. Nacherfüllung verweisen lassen, da die Erkrankungen nicht vollständig heilbar seien und eine „Mangelbeseitigung" daher ausscheide. Außerdem sei dem Käufer auch nicht zumutbar, einen anderen Hund als Ersatzlieferung zu akzeptieren, weil über die Monate des sich intensiv um den erkrankten Hund Kümmerns eine enge Bindung zu dem Tier aufgebaut worden sei.

Die Minderung des Kaufpreises „auf Null" sei gerechtfertigt, weil einem erkrankten Hund, der zeitlebens einer besonderen Betreuung und medizinischen Behandlung bedürfe und auch nicht zuchttauglich sei, kein materieller Sachwert zukomme. Den Kaufpreis erhält der Käufer mithin zurück.

Schadensersatz?
Problematischer war indes der be­gehrte Schadensersatz. Denn im Gegensatz zur reinen Minderung erfordert das Gesetz insofern eine schuldhafte Pflichtverletzung des Verkäufers. Doch auch diese Voraussetzungen sah das Landgericht als gegeben an. Der Verkäufer habe keinen Herzultraschall und keine geschulte HD-Untersuchung der Elterntiere durchführen lassen und darüber hinaus stamme der Welpe nicht aus einer gesundheitlich einwandfreien (Zucht-) Linie. Denn die Rückverpaarung (Inzestverpaarung) mit einem Elterntier, welches bereits einmal eine HD-Erkrankung vererbt habe und einem Elterntier, welches eine leichte HD aufwies (wie sich aus der Ahnentafel ergab), stellten eine klare Pflichtverletzung dar. Bei dieser Sachlage hätte der Züchter im Kaufvertrag nicht zusichern dürfen, dass der Hund aus einer gesundheitlich einwandfreien Linie stamme und zuchttauglich sei.

So ist es. Denn die Zucht mit ­kranken Hunden oder aber diejenige mit Hunden, über deren Stammbaum und etwaige Erkrankungen der Elterntiere der Züchter nichts weiß, zeugt nicht wirklich von Verantwortungsbewusstsein.

Allerdings kann es auch einem noch so sorgfältigen Züchter, der mit großem Aufwand und all seiner Erfahrung sowie tierärztlicher Begleitung und Kontrolle die Zuchttiere auswählt, widerfahren, dass ein Welpe eine Erkrankung aufweist und daher ein kaufrechtlicher Mangel vorliegt, der seinen Käufer zur Ausübung von Gewährleistungsrechten berechtigt. Allerdings ist einem solchen Züchter schwerlich ein Verschuldensvorwurf zu machen, so dass er zwar eine Minderung oder auch einen Rücktritt vom Vertrag wird hinnehmen müssen; schadensersatzpflichtig wird er indes nicht sein.

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