Wenn der Hund nicht folgt

Meist denken Hundehalter bei Disziplinproblemen ihres Hundes an Ungehorsam, ohne zu wissen, daß auch Erkrankungen des Gehörs oder sogar Taubheit die Ursache sein könnten. Auch Welpen können von Taubheit betroffen sein. Für den Züchter kann dies neben Ärger und Enttäuschung des Welpenkäufers auch wirtschaftlichen Schaden bedeuten. Ein Gehörtest mittels audiometrischer Messung kann hier schnell und objektiv Klarheit schaffen.

Schwerhörigkeit auf der Spur
Die häufigsten Ursachen einer Schwerhörigkeit sind, neben der Altersschwerhörigkeit, wiederholte Ohrentzündungen, zu der viele Hunde, aber auch Katzen (Ohrmilben!) neigen. Wichtig ist hier die rechtzeitige Behandlung durch den Tierarzt. Das Ausmaß des tatsächlichen Gehörschadens und der Erfolg der Therapie können jederzeit durch eine audiometrische Untersuchung objektiv beurteilt und kontrolliert werden.

Erblich bedingte Taubheit
Im Gegensatz dazu steht die erblich bedingte Taubheit, wie sie bei vielen anderen Hunderassen (u.a. bei Dalmatiner, Englisch Setter, Bull Terrier, Dogo Argentino, English Cocker Spaniel, Jack Russel Terrier), sowie auch bei Katzen, vorkommen kann. Diese wird von den Elterntieren auf die Nachkommen vererbt und ist eine „sensoneurale“ Taubheit, da sie auf einem Verlust der Sinneszellen im Innenohr beruht. Sie entwickelt sich in den ersten 5 Lebenswochen des Welpen und ist ab diesem Zeitpunkt endgültig. Bei der audiometrischen Untersuchung sind bei einem tauben Ohr keine Potentiale mehr ableitbar, und somit ist sowohl eine einseitige als auch eine beidseitige Taubheit eindeutig feststellbar.

Relativ weit verbreitet
Diese erblich bedingte Taubheit ist leider viel weiter verbreitet, als gemeinhin angenommen. Untersuchungen in den USA zeigen, daß ca. 70 verschiedene Hunderassen von Taubheit betroffen sein können (vgl. Tabelle 1) Einige Rassen wurden näher untersucht. Die Ergebnisse sprechen für sich – nicht nur beim Dalmatiner, bei dem das Problem schon länger bekannt ist, sondern auch bei anderen Rassen zeigte sich ein nicht unerheblicher Prozentsatz an tauben Tieren in der jeweiligen Population (vgl. Tabelle 2).






































Erste Erfolge beim Dalmatiner
Im Rahmen von Dissertationen der Veterinärmedizinischen Universität Wien wurden 1995 und zwischen 1997 und 1999 verschiedene Hunderassen audiometrisch untersucht. Seit der ersten Arbeit ist die audiometrische Untersuchung beim Dalmatiner vom Zuchtverband (ÖDaC) verpflichtend für alle Züchter vorgeschrieben.
Erfreulicherweise konnte bereits in der zweiten Arbeit ein Hinweis auf einen Rückgang der von Taubheit betroffenen Dalmatiner festgestellt werden. Zusätzlich wurden erstmals in Österreich mehrere Vertreter der Rassen Bullterrier und Dogo Argentino untersucht und auch hier ein gewisser Prozentsatz an tauben Tieren festgestellt. (vgl. Tabelle 3).

Ausblick
Es bleibt zu hoffen, daß auch andere Vereine dem Beispiel des ÖDaC folgen werden, da eine wirksame Bekämpfung dieser erblich bedingten Erkrankung nur über einen Zuchtausschluß betroffener Tiere (also aller ein – und beidseitig tauben Hunde) funktionieren kann. Hunden, Tierhaltern und Züchtern könnte dadurch viel erspart bleiben.
Zu empfehlen ist außer der Messung von Zuchttieren auch jene von einzelnen Hunden, bei denen ein Verdacht auf Schwerhörigkeit oder gar Taubheit besteht. Eine Devise für Hundehalter könnte sein: Bei Disziplinproblemen auch an Gehörschäden denken und messen gehen.



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Tabelle 1: STRAIN, G.M. (USA, 1999) Hunderassen, wo erblich bedingte Taubheit auftreten kann (n = 70, hervorgehoben = Rassen mit höherem Auftreten)

Akita
Amerikanisch-Kanadischer Schäfer
Amerikan Eskimo
American Staffordshire Terrier
Australischer Cattle Dog
Australischer Shepherd

Beagle
Bernhardiner
Bichon Frise
Bobtail
Border Collie
Borzoi
Boston Terrier
Boxer
Bulldogge
Bull Terrier
Cardigan Welsh Corgi
Catahoula Leopard Dog
Cavalier King Charles Spaniel
Chihuahua
Chow Chow
Cocker Spaniel (Amerik.)
Collie
Dalmatiner
Dackel (Weißtiger)
Deutscher Schäferhund
Dobermann Pinscher
Dogge
Dogo Argentino
Englische Bulldogge
Englischer Cocker Spaniel
Englisch Setter

Foxhound
Foxterrier
Französische Bulldogge
Großer Pyreneenberghund
Ibizan Hound
Italienischer Windhund
Jack Russell Terrier
Kuvasz
Labrador Retriever
Malteser
Mongrel
Norwegischer Dunkerhound
Nova Scotia Duck Tolling Retriever
Papillon
Perro de Carea Leones
Pitbullterrier
Pointer
Puli
Rhodesian Ridgeback
Rottweiler
Schnauzer
Scottish Terrier
Sealyham Terrier
Shetland Sheepdog
Shropshire Terrier
Sibirian Husky
Soft Coated Wheaten Terrier
Springer Spaniel
Sussex Spaniel
Tibetanischer Spaniel
Tibetanischer Terrier
Toypudel
Walker American Foxhound
West Highland White Terrier
Whippet
Yorkshire Terrier
Zwergpinscher
Zwergpudel



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Audiometrie in Österreich

In Österreich besteht die Möglichkeit zur audiometrischen Untersuchung auf der Veterinärmedizinischen Universität Wien und in zwei privaten Tierarztpraxen, davon eine bei Wien und erstmals seit Anfang Mai eine auch in Oberösterreich.
– Kleintier-Ordination Mittertreffling: Dr. Gerhard Biberauer, Dr. Birgit Seitlinger, Wagnerweg 2, A-4210 Engerwitzdorf (bei Linz), Tel. 07235 / 50 150 (50 550 ab Oktober 99); FAX: DW-4. e-mail: biberauer@vetmed.at
– Tierambulanz Kierling: Dr. Gerold Maier, Feldgasse 26, A-3412 Kierling (Klosterneuburg bei Wien), Tel. und Fax: 02243/87528


Die Autoren:
– Tierärztin Dr. Birgit Seitlinger (Audiometrie-Service) hat eine Dissertation zum Thema "Untersuchungen des Hörvermögens des Hundes mittels Hirnstammaudiometrie" an der Veterinärmedizinischen Universität Wien verfasst.

– Tierarzt Dr. Gerhard Biberauer arbeitet derzeit am Aufbau eines Audiometrie-Services für Oberösterreich.



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Die Audiometrie beim Hund

Die audiometrische Untersuchung, die auf Ableitung sogenannter Früher Akustisch Evozierter Potentiale (FAEP) beruht, ist der einzige objektive Gehörtest, um ein- und beidseitige Taubheit, aber auch unterschiedliche Formen von Schwerhörigkeit festzustellen. Obwohl der technische Aufwand relativ groß ist und ein spezielles Meßgerät für diese Untersuchung benötigt wird, ist sie schnell und problemlos möglich, ohne für das Tier mit Schmerzen verbunden zu sein.

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