Wenn die Tiere sprechen könnten… – Ein Manifest

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Dieser Text ist eine Anklage. Er ist bitter und unbequem. Er ist ein einziger erhobener Zeigefinger, er ist rachsüchtig, fatalistisch und brutal – und das mit voller Absicht, denn mit netten Worten ist hier nicht mehr beizukommen …

Wenn die Tiere sprechen könnten, würden sie uns sagen, dass ihr Schmerzempfinden, ihre Sehnsucht nach Freiheit und Entfaltung – jedes nach seiner Art – genau so stark und groß und intensiv ist wie die des Menschen. Und sie würden uns von einer Zukunft erzählen, in der es gerade anders herum wäre: In der das Tier das Sagen hätte und der Mensch sich beugen müsste.

In dieser Zukunft würden uns die spanischen Windhunde am Hals an einen Baum binden, und zwar so knapp, dass wir mit den Fußspitzen gerade noch den Boden berührten. Dies zur Strafe, weil wir uns nicht so entwickelt haben, wie sie es gerne hätten. Sie würden daneben stehen und zusehen, wie wir uns in zweieinhalb Stunden zu Tode quälten, und sich dabei amüsiert unterhalten.

In dieser Zukunft würden uns die Kühe an einer Schlinge um das Fußgelenk meterhoch über dem Boden zum Transport verladen, so dass uns beim ersten Ruck die Knochen brechen und wir vor Schmerz halb besinnungslos würden. Schweine würden uns durch lange Gänge drängen, an deren Ende man uns einen Bolzen durch das Gehirn treiben oder mit einem Elektroschock an der Stirn bewusstlos machen würde. Dann würden sie uns ausbluten lassen, häuten, in zwei Hälften schneiden, ausnehmen, essen – das volle Programm.

Ein Haufen junger Katzen würde jeden Einzelnen von uns in einen Sack stecken und so lange unter Wasser drücken, bis wir bewusstlos wären, ganz zum Spaß. Oder um ihre Wut – auf was auch immer – an uns auszulassen. Vielleicht waren wir aber auch einfach nur im Weg oder zu langsam oder zu ängstlich oder, oder …

In dieser Zukunft hätten wir ein Halsband, das uns jedes Mal einen elektrischen Schlag geben würde, wenn wir einen Befehl nicht zum Wunsch der uns besitzenden Jagdhunde befolgten. Sie würden uns zudem mit Futterentzug strafen, so dass wir irgendwann vollkommen abgemagert wären, weil wir vor lauter Hunger gar nicht mehr wüssten, was man überhaupt von uns verlangt.

Möglicherweise wären die Situationen aber auch ganz anders: Vielleicht würde ein Mensch in der Wildnis von einem Rudel Hunde angefallen, ginge ein Stier auf einen Spaziergänger los, der seine Wiese querte, zerkratzte eine Katze einer Frau das Gesicht, so dass diese ihr Leben lang entstellt wäre. Doch all das nicht aus Arglist oder Mordlust, sondern aus einem natürlichen Instinkt heraus.

Das haben wir bereits? Ach so. Dann hat es also begonnen.

Es ist unmenschlich, was der Mensch dem Menschen antut. Der Mensch aber hat wenigstens genug Hirn, um das zu reflektieren, Möglichkeiten, sich zu wehren, manchmal. Was der Mensch aber den Tieren antut, ist ebenfalls unaussprechliches Leid, unbotmäßige Grausamkeit – und das musste endlich mal gesagt werden.

Deshalb darf auf dieser Welt von sofort an nur noch ein einziges Gesetz gelten: Was du anderen Geschöpfen tust – das werde an dir getan.

 

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