Wer ist gemeint? – Wie Hunde auf ihren Namen reagieren …

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Die Kolumne zum Thema ­„Alltagsprobleme mit dem Hund“.  WUFF-Autorin Yvonne Adler, Tierpsychologin, akademisch geprüfte Kynologin und  Hundetrainerin, beantwortet Ihre Fragen. Schicken Sie uns Ihr Alltagsproblem mit Ihrem Hund , kurz formuliert und mit 1 bis 2 Bildern. In dieser Ausgabe geht es darum, bei einer Mehrhunde­haltung Hunde so ­anzusprechen, dass sich auch der ­gemeinte Hund betroffen fühlt – und nicht etwa ein anderer Hund.

Hallo Frau Adler!
Wir leben zu Hause mit 4 Mischlingshunden. Zuletzt zog vor 6 Monaten der Schnauzermix Rufus bei uns ein, der durch seine Vorgeschichte in einer Tötungsstation eher unsicher und ängstlich ist. Er hat vor allem Probleme damit, wenn ich mit den drei anderen Hunden schimpfe. Dann ergreift er sofort die Flucht und es dauert einige Zeit, bis er sich wieder in meine Nähe wagt. Haben Sie vielleicht einen Rat für uns?
Liebe Grüße, Herta Binner

Liebe Frau Binner!
Mehrhundehaltung in der richtigen Konstellation ist eine wahre Bereicherung für das Hunde-Leben. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass der jeweilige Hund, mit dem man in Interaktion gehen möchte, immer mit seinem Namen angesprochen werden muss. Nur so können die Hunde differenziert lernen, wer den „Schimpfer“ sozusagen ausgelöst hat. Das Gleiche gilt natürlich auch für lobende Worte: durch die Ansprache mit dem Hundenamen wird das richtige Individuum bestätigt. Rufus muss also lernen, dass er nur dann gemeint ist, wenn sein Name genannt wird. Um dies umzusetzen ist es wichtig, dass Sie lernen, immer den jeweiligen Hund anzusprechen.

Das Training ist einfach: starten Sie damit, Ihre Hunde immer mit dem jeweiligen Namen anzusprechen, wenn etwas Spannendes und für die Hunde Positives passiert. Auch wenn ein Leckerchen kommt, wird der jeweilige Empfänger direkt genannt. Natürlich ist diese Übung auch mit Lob bzw. Streicheleinheiten variabel. Ein schneller Lerneffekt stellt sich ein, wenn Sie die Übung auch mit dem Futternapf verbinden: Sie sprechen dazu einfach den jeweiligen Hund an, bevor er das tägliche Futter bekommt. Wichtig bei all diesen Übungen ist, dass Sie nicht immer der gleichen Reihen­folge folgen – also nicht immer Hund 1, Hund 2, Hund 3 und dann Rufus trainieren – sondern den Ablauf immer wieder variieren. Es darf kein Ritual erkennbar sein, da sonst Hund 3 schnell lernt, dass er nach Hund 2 an der Reihe ist, dies aber nicht mit dem Namen verknüpft. Nachdem Sie dieses Training eine Zeit lang durchgeführt haben, werden Sie schnell merken, dass der angesprochene Hund Sie ansieht, wann immer der Name genannt wird.

Dies ist vor allem auch für uns Hundehalter eine große Übungsaufgabe, da wir unsere tägliche Interaktion mit den ­Hunden adaptieren müssen. Dies erfordert Zeit, Geduld und Übung, bringt jedoch den gewünschten Erfolg. Um einer Negativspirale des „Schimpfens“ zu entfliehen, sollten Sie sich im täglichen Training auch unbedingt an den „tollen Eigenschaften“ – also den von Ihnen gewünschten Verhaltensweisen Ihrer Hunde orientieren, um dann den jeweiligen Hund mit dem Namen anzusprechen und loben zu können.

Wenn dies gut von Ihnen und Ihren Hunden beherrscht wird, kommt der nächste Schritt im Training. Nun nennen Sie (wenn Sie schimpfen sollten) den Namen des Betroffenen Hundes, BEVOR Sie schimpfen. Wenn Rufus der ­„Brave“ war, sprechen Sie ihn anschließend sofort an und sagen Sie ihm etwas Positives, zum Beispiel „Rufus, alles ok, das betrifft dich nicht.“ Beachten Sie dabei bitte auch die Stimmungsübertragung! Sind Sie noch lange böse auf die Hunde, wenn Sie schimpfen mussten? Dies ist nämlich ein weiterer Faktor, weshalb wahrscheinlich Rufus manchmal vermeidet, zu Ihnen zu kommen. Aus Hundesicht ist es komplett logisch: Solange Rufus noch das Gefühl hat, dass Frauchen „grantig“ ist, bleibt er lieber auf Sicherheitsabstand.

Ich empfehle Ihnen zudem, dass Sie am Vertrauens- und Selbstbewusstseinsaufbau mit Rufus arbeiten – am besten unter Betreuung durch eine qualifizierte Fachkraft. Damit stärken Sie das Selbstvertrauen Ihres Hundes und er wird in Zukunft weniger Angst haben. Dies ist eine große Bereicherung für Mensch & Hund und das gemeinsame Leben.

Ich wünsche Ihrer Vierbeiner-Familie, dass alle in Zukunft wissen, wer gemeint ist, und sich dadurch der ganze Familienverband noch mehr entspannen kann.
Ihre Yvonne Adler

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Yvonne Adler

Yvonne Adler lebt und arbeitet seit mehr als 20 Jahren mit Hunden. Sie schloss das Studium zur Tierpsychologin mit Auszeichnung ab und ist zudem eine von Europas ersten akademisch geprüften KynologInnen. Neben ihrer Tätigkeit als Sachverständige für Hunde, absolviert sie laufend weitere in- und ausländische Aus- und Fortbildungen im Bereich der Kynlogie, um stets auf dem aktuellsten Stand der internationalen Hundewissenschaft zu sein. Kontakt: Yvonne Adler – Adler Dogs®
www.adler-dogs.at

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