Wie entsteht ein Editorial? – Der Blog des Herausgebers

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Hintergrund
Worum geht’s?
Ich möchte Sie durch meinen Blog, den Sie auch online lesen können, an den vielen, oft spannenden, freud-, aber manchmal auch leidvollen, stets aber authentischen Erfahrungen teilhaben lassen. Der Blog hat ein Open End, weil auch WUFF mit Ihnen als Leserin und Leser, vielleicht auch als (hoffentlich aktiver) Online-Rezipient, vulgo „User“, weitergehen wird (www.wuff.eu).
Schreiben Sie mir, fragen Sie mich! Ihre Reaktionen auf meinen Blog – so wie auch auf alle Artikel in WUFF – sind jederzeit willkommen und werden ggf. auch publiziert (jedoch nicht ohne Ihr Einverständnis). Und wenn Sie irgendetwas wissen wollen, das mit WUFF zu tun hat, fragen Sie mich einfach! ([email protected])
Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre und einen tieferen Einblick in das, was WUFF ausmacht.
Ihr Hans Mosser

Der Blog des Herausgebers

Immer wieder werde ich gefragt, wie mir nach über 20 Jahren jeden Monat immer noch etwas einfällt fürs Editorial. Die Antwort lesen Sie in dieser Folge meines Blogs.

Als Herausgeber von WUFF „gehört“ mir seit Veröffentlichung der ersten Ausgabe, also seit nunmehr über 20 Jahren, die erste Seite in WUFF. Sie können sich also ausrechnen, wie viele Editorials ich schon geschrieben habe. Warum also nicht einmal das Editorial zu einem eigenen Thema machen?

Wie ein Editorial entsteht, wie ich zu den Themen komme, dazu komme ich gleich. Vorerst möchte ich noch die Frage beantworten, WO es entsteht. Nämlich auf der Straße, auf Feldwegen oder Waldpfaden. Mein Editorial entsteht nämlich überwiegend während ich laufe. Zur Vorbereitung auf einen oder zwei Marathon- oder Halbmarathon-Wettbewerbe, die ich pro Jahr bestreite, laufe ich relativ regelmäßig zwischen 1 und 3 Mal pro Woche, selten auch 4 Mal, jeweils 13 bis 20 Kilometer, und das bei fast jedem Wetter. Fast immer bin ich bewaffnet mit zwei Dingen: Einer ­Wasserflasche und einem sehr kleinen und flachen digitalen Diktiergerät.

Was ist ein Editorial?
Zum Redaktionsschluss liegen die Artikel der kommenden WUFF-Ausgabe ja immer schon druckfertig vor. D.h. ich weiß, welche Themen behandelt werden. Nun ist ein Editorial als literarische Gattung ja nicht dazu da, eine Art Inhaltsangabe zu sein. Auch wenn dies häufig von Redaktionen so gehandhabt wird, ändert dies nichts an dieser Norm. Vielmehr ist es der Sinn eines Editorials, die persönliche Meinung des Heraus­gebers und/oder der Chefredaktion eines Mediums wiederzugeben.


Wie entsteht das Thema?
Ich laufe also los und schon während der ersten paar Kilometer beginnt der Stress des Alltags von mir abzufallen. Ich genieße die Umgebung, jetzt gerade das frische Grün und die blühende Natur. (Zum Glück bin ich in dieser Hinsicht ohne jegliche Allergien, worunter ja leider immer mehr Menschen leiden.) Irgendwie ist das Laufen also für mich eine Art meditativer Tätigkeit, die trotz der körperlichen Anstrengung zu einer geistig-seelischen Entspannung führt. Alle möglichen und ­unmöglichen Gedanken kommen und gehen. Und irgendwann taucht dann aber ein Gedanke auf, bei dem ich fast wie von selbst (gedankliche) Fäden zu spinnen beginne.

Die Gedanken können in unterschied­licher Nähe zum Thema Hund stehen. Ich mache mir da also keine fixen Vor­gaben, weil ich aus Erfahrung weiß, dass ich während des Laufens dann sowieso irgendwie deduktiv auf das Thema Hund komme, wenn es um das Editorial geht. Andererseits aber ist es auch nicht selten so, dass ich ausgehend von einem Hundethema plötzlich bei allgemeinen philosophischen oder gesellschaftlichen Fragestellungen lande. Das lässt sich nicht vorhersagen. Und insofern entstehen also meine Theman nicht zwanghaft. Ein Beispiel:

Wenn ich im Editorial des Dezemberheftes aus 2016 die Anwendung mechanistischen Denkens auf Lebensprozesse ­kritisiert habe, dann hat das zunächst noch nichts mit WUFF bzw. mit dem Hund zu tun. Sehr wohl aber dann doch, nämlich bei der Anwendung dieses Gedankens bspw. in der Beurteilung der Kastration von Hunden aus Verhaltensgründen. Aus dem Nachdenken über eine grundsätzlich allgemeine Fragestellung bin ich also in weiterer Folge auf den Hund gekommen.

Oder aber umgekehrt, ich komme von einem explizit hundlichen Gedanken auf Allgemeines. Vor vielen Jahren (ich kann leider nicht finden, welche Aus­gabe es war) dachte ich beim Laufen über einen der in WUFF publizierten Artikel des Kognitionsbiologen Marc Bekoff nach. Es war darin um die Erkenntnis von Emotionen bei Hunden gegangen. Ausgehend davon habe ich dann im Editorial Grundsätzliches über das geschrieben, was Menschen und Tiere ausmacht.

Das heißt also, mein Thema für das Editorial entsteht sowohl von der speziell hundlichen Seite oder aber von einer allgemeinen Fragestellung, die dann schließlich auch im Nachdenken über unseren Vierbeiner resultiert.

Editorial als Selbstdarstellung
Wie ich eingangs betont habe, geht es in einem Editorial, so wie übrigens auch in einem Blog wie diesem, um ­persönliche Meinung. Der Leser soll erkennen können, wer hinter einem Magazin steht, und anhand der Meinung des Herausgebers auch Rückschlüsse auf die Blatt­linie ziehen können. Das bedeutet nun nicht, dass es in einem Medium keine redaktionelle Vielfalt geben soll, die auch andere Aspekte vertritt als die des Herausgebers. Natürlich ist gerade auch in WUFF die fundierte redaktionelle Vielfalt eines unserer Markenzeichen.

Ich denke, dass ein Editorial, so wie auch ein Blog, die also entsprechend der medialen Gattung die persönlichen Ansichten oder Erlebnisse des Autors betreffen, natürlich eine Art Selbstdarstellung sind. Die Einblicke ins Private, in das, was hinter dem rein Beruflichen steckt, ins ganz Eigene, in meine Gedankenspinnereien, all das ist dann, wenn ich es Ihnen mitteile, also mit Ihnen teile, nichts anderes als eine Darstellung meines Selbsts. Allerdings – es ist mir immer ein Anliegen, aufrichtig zu sein. Nicht gekünstelt oder gar falsch, wie ich es nicht selten in Editorials anderer Medien empfinde.

Wer steht dahinter?
Ich glaube, es geht vielen darum zu wissen oder zumindest irgendwie zu erspüren, wer dahinter steckt. Und dies gerade in der zunehmenden Anonymität unserer Zeit und ihrer Medien. Wenn Zeitschriften und andere Medien nur mehr Ziffern in Exceldateien großer Medienweltkonzerne sind, die ihrerseits wiederum in der Hand anonymer ­Aktionäre sind und damit Gegenstand von Finanzmärkten, dann halte ich es für umso wichtiger hervorzuheben, dass es bei WUFF genau anders ist.

Nach meinen eigenen Recherchen scheint mir WUFF eines der ganz wenigen inhabergeführten Magazine zu sein, die es im deutschsprachigen Raum noch gibt. Mit allen daraus resultierenden Vorteilen, die ich gerade auch in meinen Editorials schon mehrmals näher ausgeführt habe. Denn weiß ich, wer dahinter steht, lässt sich das, was man Blattlinie nennt, klarer erkennen. Und fast noch wichtiger, es lassen sich ggf. bestehende Abhängigkeiten feststellen, die natürlich Einfluss auf Magazine haben. Dass ich damit nun schon wieder bei der von mir schon mehrfach betonten Unabhängigkeit von WUFF bin, verübeln Sie mir bitte nicht. Denn darauf sind wir einfach besonders stolz, und wir halten das auch für ein wichtiges Qualitätsmerkmal eines Mediums.

Schreiben, was die Leute denken?
Natürlich muss ein Medium, um Bestand zu haben, auf Dauer wirtschaftlich geführt werden können. Das bedeutet nichts anderes als dass es Leserinnen und Leser braucht, die das Medium für gut halten und es erwerben. Eine bekannte Zeitung wirbt nun aber um Verkaufszahlen mit dem Slogan „wir schreiben, was Sie denken“. Abgesehen davon, dass man genauer formulieren müsste, dass die Zeitung schreibt, was sie GLAUBT, dass Leser denken, welcher denkende Mensch will lesen, was er ohnehin denkt? Wo ist da der „Mehrwert“?

Ich erwarte mir von einer guten Zeitschrift mehreres: Gedankenanstöße, die mich weiterbringen, Vermittlung neuer Erkenntnisse, Hintergrundinformationen zu kolportierten Halbwahrheiten, Aufdecken von Verstecktem und, ja, auch gute Argumente für eine Meinung, die mir vielleicht zwar intuitiv zu eigen ist, die ich aber noch nicht vollends durchdacht habe. Mir muss deswegen nicht jeder Artikel in einer Zeitschrift gefallen, aber ich verlange eine gute Recherche auf hohem Niveau. Sonst könnte ich mir gleich alles irgendwie aus dem Internet zusammenschustern.

Mehrwert: Besser leben mit Hund
„Besser leben mit Hund“ ist der sog. Claim, also ein Anspruch von WUFF. Auf der Suche nach einer knappen Zusammenfassung dessen, wofür WUFF steht, ist uns vor einigen Jahren dieser kurze Satz eingefallen. Er bedeutet nichts anderes als das, was in der Wirtschaft als „Mehrwert“ bezeichnet wird. Es ist letztes Ziel all dessen, was Sie jeden Monat in WUFF vorfinden. Inwiefern dieser Claim von WUFF auf Sie zutrifft, können allerdings nur Sie selbst beurteilen. Für eine kurze Rückmeldung in dieser Hinsicht wäre ich Ihnen dankbar ([email protected]).

Vom Diktiergerät ins WUFF
Wie mir die Themen für das Editorial in den Sinn kommen und welcher Art sie sind, habe ich nun recht ausführlich erklärt. Die Gedanken kommen dann in das eingangs erwähnte kleine, flache digitale Diktiergerät. Mit einem Clip an der Laufhose befestigt, ist es allzeit bereit für das Aufnehmen meiner Gedanken. Zu Hause übertrage ich dann die Diktierdateien auf den Computer, wo ich sie dann abspiele und selbst eintippe. Denn während des Schreibens sortiere ich meine aufgezeichneten Gedankengänge und bringe sie auch in eine lesbare Form. Schließlich lasse ich noch ein oder zwei Tage vergehen, bevor ich das Editorial für den Druck freigebe.

Wie ich aus zahlreichen Reaktionen weiß, wird mein Editorial vielfach als eine Art Brief an die Leserin, an den Leser ­verstanden. Das ist durchaus zutreffend und korreliert auch mit seiner literarischen Gattung als persönliche Meinung des Herausgebers. Und es zeigt sich auch in den Reaktionen, die ich erhalte ­([email protected]).

Pdf zu diesem Artikel: hundeblog_06_2017

 

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Dr. Hans Mosser
Der Arzt und Theologe Mag. Dr. Hans Mosser ist Mitbegründer und Herausgeber von WUFF und arbeitet im Hauptberuf als leitender Arzt und ­Professor in einem Universitätsklinikum.

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