Wie ich meinen Hund gebissen habe oder – vom Wert der Fremdsprachen

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Also mit Alf fing alles an. Alf, das ist der Hund vom Fahrradfrosch. Er ist nicht besonders groß, aber dafür zottelig und ein Rumtreiber. Nein, nicht der Fahrradfrosch, sondern der Alf. Besagter Fahrradfrosch ist unser hiesiger Fahrradhändler namens Frosch. Und Alf ist sein Hund.

Der Strich
Wir waren gerade erst einige Jahre im Dorf. Unser Haus war zwar fertig, aber das Hoftor fehlte noch. Unsere Halka, was unsere kleine Pinscher-Terrierdame ist, sauste oft auf dem Hof umher und spielte mit mir und den Hühnern. Halka ist überaus folgsam und gelehrig. Damit sie nicht mal auf die Straße rennen würde, zog ich an der Grundstücksgrenze, dort, wo normalerweise sonst das Hoftor wäre, mit dem Fuß einen großen Strich und gab Halka die Weisung, bestimmten Strich nicht zu überschreiten. Und Halka verstand.

Hundliche Gefühle …
Aber eines Morgens sauste plötzlich ein zotteliger Hund auf unserem Hof herum. Halka flitzte sofort los, um den Eindringling zu vertreiben. Der rannte zwar ein Stück zurück, aber dann blieb er stehen und beäugte unsere Halka. Sonst ging Halka jeden Eindringling an, hier blieb sie aber plötzlich stehen. Sie schien irgendwie an dem Kerl interessiert. Der wiederum fing sogar an zu sabbern. Was war da bloß los? Meine Frau schaltete da schneller und rannte mit dem Schrubber auf Alf los. Das half. Alf vergingen die Gefühle und er gab Fersengeld.

Tu was, Mann
Am nächsten Morgen konnte ich nur noch den weghuschenden Schatten von Alf sehen. Aber dafür war an unserer Eingangstür eine große Pfütze. „Das ist die Höhe, jetzt pinkelt dieser Hund schon an unsere Tür!“, meinte meine Frau, „Tu was, Mann!“. Und ich fing an, zu überlegen … Am Abend dann, Halka war im Flur, hörte ich von draußen leise Kratzgeräusche, Halka spitzte die Ohren und gab leise fiepende Laute von sich. Es war Alf, der draußen ein Liebeslied anstimmte. Und Halka sang von drinnen mit. Nun war guter Rat teuer. Also wälzte ich Fachliteratur. Und mir kam ein Buch über Wölfe in die Hände. Und damit kam die Erleuchtung.

Menschliche Markierungen …
Alf markierte sein Gebiet. Aber das war doch mein Gebiet, ich war doch der Leitwolf. Jedenfalls auf meinem Hof. Und da beschloß ich, mein Gebiet selber zu markieren. Gedacht, getan. Spät abends schlich ich nach draußen. Zuerst zur Grundstücksgrenze. Es war dunkel, das war günstig für mein Vorhaben. Also zuerst mal eine Ladung an den Zaunpfosten vom Nachbarn, schön hoch auch, aber nicht zuviel, es mußte ja noch reichen. Dann an die Ecke von unserem Vorgarten. Ein wenig noch an den ersten Weinstock, dann an die Kante vom Schuppen. Es machte schon ein wenig Schwierigkeiten, jedesmal in der Verrichtung wieder abbremsen zu müssen. Noch eine Gabe an der anderen Hausseite. Und zum Schluß den Rest an die eigene Haustür. Ich war in jeder Beziehung erleichtert.
Und was soll ich Euch sagen, es funktionierte. Als am nächsten Morgen Halka nach draußen flitzte, bremste sie zwar wie immer ab, aber sie war irgendwie anders. Immer und immer wieder schnupperte sie, dann ging sie ganz langsam an den Zaun vom Nachbargarten, roch, schaute am Pfosten empor, man sah noch den nassen Fleck ganz bis oben, dann drehte sie den Kopf zu mir und sah mich erstaunt an. Irgendwie sah das wie Anerkennung aus.
Und Alf kam nicht mehr. So war das vor Jahren. Alf hatte sich nicht wieder blicken lassen.

Zweithund für Halka
Aber dafür hatten wir uns im vorigen Jahr einen kleinen Rüden als Zweithund geholt. Unser Terry, so heißt der Neue, ist fast zwei Jahre. Wenn sie spielen, dann ist Halka immer die bestimmende. Aber die letzten Tage sah das Spiel irgendwie anders aus. Statt Terry wegzuschicken, ließ sie es zu, daß er sie von allen Seiten beroch, es schien ihr sogar zu gefallen. Wollten die beiden etwa meine Führungsrolle mißachten?
Inzwischen hatten wir ja ein Hoftor. Das Revier war klar abgesteckt. Und doch erdreißtete sich der kleine Scheißer, meine Weisungen, Alpha-Weisungen, zu mißachten. Die Alfmethode zog bei ihm nicht. Also mußte etwas anderes her. Terry kennt außer Platz und Sitz und Pfötchengeben noch nicht viele Kommandos. Und ich dachte mir, daß er mich nicht verstehen würde. Aber inzwischen bin ich ja Leser von de.rec.tiere.hunde und WUFF (http://www.wuff.at) im Internet. Ich mußte etwas finden, was Terry als Hund verstehen würde.

Haare auf den Zähnen
Und gestern, bei mir im Zimmer, da geht das Getanze wieder einmal los. Terry immer rum um Halka, Halka immer rum um Terry. Das war zuviel. Ich runter auf alle Viere und erst mal gebellt. So tief mit der Stimme, wie ich konnte. Beide blieben sofort stehen und sahen mich an. Klar, ich wußte ja inzwischen, wie ich mich bemerkbar machen mußte. Und dann habe ich grimmig geknurrt. Halka ist ja manchmal etwas ängstlich, sie jedenfalls legte schuldbewußt die Ohren an. Aber Terry sah schon wieder zu Halka.
Da stürzte ich vor, so etwas von schräg oben auf den kleinen Rüden, das Ganze vermischt mit einem fürchterlichen Geknurre und biß meinem Terry ins Genick. Ich habe ihn zwar nicht geschüttelt, aber runtergedrückt habe ich ihn. 100 kg gegen 8 kg. Da das Kerlchen etwas strubbelig ist, hatte ich eine ganze Menge Haare im Mund. Das war aber nicht schlimm, nur sehr trocken und kratzig. Schlimmer war, daß durch die anfängliche Bewegung von Terry sich sein langes Fell an der Gebißspange verfangen hatte. Da hockte ich nun also auf allen Vieren, den Terry unter mir, sein Fell in meinem Mund. Ich konnte nicht aufstehen, weil Terry gewissermaßen sehr an mir hing.
Nun wollte ich ihn aber auch nicht gleich hochlassen, er sollte ja begreifen, daß ich der Bestimmer bin. Also nestelte ich mit einer Hand an meinem Gebiß, um den Kerl abzubekommen, mit der anderen stützte ich mich. Und Terry war so was von still, richtig versteinert. Ich fürchtete nur, daß ich ihn gleich plattdrücken würde, denn nicht nur für Terry sind 100 kg zuviel, sondern auch für mich, jedenfalls in dieser Haltung, dreibeinig gewissermaßen und mit einem Hund am Mund. Die Brille war mir auch noch von der Nase gerutscht und lag irgendwo unter Halka.

Auch ohne Kastration
Wie immer bei uns zu Hause geht alle Rettung von den Frauen aus. Jedenfalls kam gerade meine Frau ins Zimmer, als ich kaum noch Luft bekam. Ich schreibe lieber nicht, wie sie die ganze Situation einschätzte. Irgendwas von Zwangsjacke und Psychiatrie murmelte sie. Aber ich verzeihe ihr. Sie liest ja so selten, eigentlich kaum, in de.rec.tiere.hunde oder http://www.wuff.at. Meine Frau half uns allen dreien wieder auf die Beine und schickte jeden an seinen Platz. Halka kam aufs Sofa, Terry auf seine Liegedecke, ich an den Computer. Mein Gebiß kam ins Reinigungsglas. So wars, genau so.
Und es wirkt, jedenfalls bis heute. Während ich schreibe, sitzt Terry brav auf seiner Decke. Er weiß ja, was passiert, wenn er in meinem Revier hier wildern will. Und wie Ihr lesen könnt, ging alles ohne Kastration ab. Nun analysiert mal.

1 KOMMENTAR

  1. Achtung ! Mann beisst Hund

    eine schöne Geschichte, erinnert sie mich ein wenig an meine erste Begegnung mit meiner Tierheimhündin bei mir zu Hause. Vorher haben wir uns bekannt gemacht und ich war über 2 Wochen jeden Tag bei ihr im Tierheim, ca. 2,5 Stunden laufen und spielen. Nein kein „Stöckchen werfen“, ich meine so typisch hundliche Sozial- und Kontaktspiele.
    Am Abend jedenfalls, als sie bei mir zu Hause ist stelle ich ihren Futternapf auf den Boden, da wo ab nun ihr Essplatz sein sollte. Kaum beuge ich mich vor, da kommt die DIVA um die Ecke der Kücheninsel und droht mir mit nach vorne gestellten Ohren, nach vorne gedrückter Stirn und hoch gezogen Lefzen. Ihrer nicht gerade kleinen Fangzähne sehr dicht an meiner Nase. Booo, was für ein Schreck bei mir für eine 1/10 Sekunde. Im selben Augenblick lasse ich die Futterschüssel die letzten 2 cm auf den Boden scheppern und mich auf die Knie fallen. Der Moment war meine GELEGENHEIT! Mit meiner rechten Hand packte ich fest über den Fang meiner Hündin, mit der Linken ihren Nacken… und weil es gerade so dicht vor meinen entblössten Zähnen war, musste mein Hund einen Biss ins Ohr erdulden.
    Ein hoher „Quieiiik“ von ihr und sie war frei von meinen Zähnen, sie drehte sich auf den Rücken und blieb so, bis ich mich abgewendet habe. Dann gab es am Futterplatz herrlich leckeres „HAPPY MEAL“ und wir beide sind seit mehr als 6 Jahren beste Freunde , allerbeste Freunde!

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