Wiener Hunde in Hollywood

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Der letzte Tag vor der Abreise ist hektisch. Die Hunde spüren die Unruhe, die in der Wohnung herrscht und weichen nicht von meiner Seite. Ein letztes Abendessen bei meiner Mutter, dort blühen Rodos und Bonita richtig auf, sie sind verspielt und übermütig, und bringen noch einmal kräftig „Omas” wertvolle  Teppiche durcheinander. Um 21.00 Uhr gehen wir schnell nach Hause, denn unser Abholdienst, zwei Freunde aus München, haben sich um diese Uhrzeit angesagt. Sie haben einen  Bus gemietet, um unser umfangreiches Gepäck verstauen zu können. Wir nehmen  einen Schlummertrunk und legen uns noch ein paar Stunden schlafen.

Frühaufsteher
Um 2.00 Uhr früh läutet der Wecker, Rodos denkt nicht im Traum daran, freiwillig aufzustehen und ich muß ihn mit Gewalt aus dem Bett ziehen. Er jedoch fällt  gleich wieder um und stellt sich schlafend. Bonita, die Fröhliche, ist da anders, sie freut sich auf das Gassi gehen, auch wenn es mitten in der Nacht ist. Schließlich schaffe ich es mit gutem Zureden und Hilfswörtern, wie …wo ist das Mausssssiiii???”…, was immer hilft, wenn nichts mehr hilft, auch Rodos aus dem Schlafzimmer zu locken. Wir drehen noch einmal ein paar Runden in unserer vertrauten Umgebung, Rodos markiert eifrig seine Büsche, als wenn er seinen Kumpels erzählen wollte, daß er jetzt länger weg sein wird. Um Punkt 3.30 Uhr fahren wir los, Richtung München. Der Bus bietet viel Platz, für Bonita liegt eine Decke auf dem Boden, auf der sie es sich gemütlich macht und Rodos läßt sich genüsslich neben mir auf der Sitzbank nieder. Die Fahrt vergeht ungewöhnlich schnell, pünktlich um 8.30 Uhr kommen wir in München an.

Check-in als Sperrgepäck
Zuerst laden wir das Gepäck aus, bauen die Flugboxen der Hunde zusammen und bringen alles zum Lufthansa-Schalter. Rodos und Bonita sind neugierig, beschnuppern alles, froh, nicht mehr im Auto zu sein. Glücklicherweise wissen sie nicht, was ihnen bevorsteht. Die Dame am Check-In wirkt äußerst kompetent und umkompliziert, sie schickt meinen Mann zu einem anderen Schalter, um für die Hunde zu bezahlen, sie werden übrigens bei Amerikaflügen der Lufthansa nicht nach Größe oder Gewicht beurteilt, sondern lediglich nach der Stückzahl. Pro Hund bezahlen wir  DM 252.-, das sind ca. ÖS 1770.-. Danach tragen wir die Flugboxen zu einem eigenen Schalter für Sperrgepäck, der nette Herr dort erklärt uns, daß es genügt, wenn wir die Hunde eine Stunde vor Abflug bringen, die Boxen dürfen wir zurücklassen. Wir sind erleichtert, so bleibt uns noch eine kleine Schonfrist. Selbstredend, daß wir mit der Wahl, mit Lufthansa zu fliegen, nun vollkommen zufrieden und auch etwas beruhigt sind.

Beruhigungstablette
Um 10.00 Uhr gehe ich noch einmal mit den beiden Hunden Gassi, finde sogar am Flughafengelände eine grüne Wiese, welche begeistert benetzt wird. Um 10.30 Uhr bekommen die Wuffis ihre in Schinken verpackte, nach Absprache mit meinem Tierarzt nur leicht dosierte, Beruhigungstablette und um 11.00 Uhr gibt es keinen Aufschub mehr, sie müssen in ihre Boxen. Beide, Rodos und Bonita gehen vertrauensselig hinein, denn das haben wir zuhause oft genug geübt. Als ich allerdings die Türen zumache (das haben wir vergessen zu üben), ernte ich ziemlich vorwurfsvolles Gebell von beiden Seiten. Schließlich werden sie auf einen Wagen verladen, zu einem Aufzug gebracht, mit ein paar tapfer hinuntergeschluckten Tränen verabschiedet und weg sind sie. Im hintersten Winkel meines Kopfes zwickt mich doch wieder das Gewissen, ob es wirklich richtig ist, was ich da mache und warum ich ihnen das antue.

Sind die Hunde mit an Bord?
Dann ist es auch für uns so weit, um 11.40 Uhr steigen wir in den Flieger und das erste, was wir die Chefstewardess fragen, ist, ob in dem Flugzeug auch unsere beiden Hunde verladen sind. Sie ist sehr nett und verspricht uns, sich gleich zu erkundigen. Wirklich, fünf Minuten später bestätigt sie uns, daß zwei Hunde mittlerer Größe an Bord seien und meine Frage, ob denn auch die Heizung und die Klimaanlage in dem Frachtraum angestellt seien, quittiert sie, beruhigend lächelnd, mit „ja”. Also versuchen wir, die nächsten 11 Stunden hinter uns zu bringen. Mein Mann und ich nehmen uns vor, während des Fluges nicht von den Hunden zu sprechen, um uns nicht verrückt zu machen, jedoch kann sich keiner von uns daran halten und abwechselnd fragen wir uns, wie sie sich wohl fühlen, ob sie schlafen, ob sie sich fürchten …

San Francisco: Wo sind die Hunde?
Selbst der schlimmste Flug, der realistisch gesehen eigentlich angenehm und relativ kurz war, geht zu Ende und wir landen in San Francisco. Ortszeit ist 14.15 Uhr, ich kämpfe mich sofort, mit Ellbogentechnik zum Ausstieg, verfluche alle aus der Business-Class, die zuerst aussteigen dürfen, sprinte im Eilzugstempo zur Gepäcksausgabe und stelle mich zu der Tür, wo meine Wuffis rauskommen sollen. Laut Aussagen einiger Leute, die schon mit Hunden geflogen sind, werden Tiere immer als erstes, noch vor dem Gepäck, ausgeladen. Ich warte fünfzehn Minuten, die Koffer kommen inzwischen, die ersten Leute gehen schon, ich warte noch fünf Minuten, dann gehe ich zu einer Dame, die zuständig aussieht und frage sie nach dem Verbleib meiner Hunde. Sie meint, in zwei Minuten kommen sie, also übe ich mich wieder in Geduld.
Alle Koffer sind inzwischen da, es werden immer weniger Menschen und mir kommen schon wieder die Tränen. Also gehe ich noch einmal zu der netten Dame und schluchze sie an, daß meine Wuffis noch immer nicht da seien. Anscheinend erbarmt sie sich nun meiner, sagt, sie wird sich jetzt darum kümmern, schreitet forsch durch jenes Tor und endlose fünf Minuten später, die mir wie eine halbe Ewigkeit vorkommen, erscheinen die Flugboxen mit den Hunden.
Der erste Blick hinein läßt mich erleichtert aufseufzen, sie schauen erstaunlich gut aus. Etwas müde Augen, allgemein wirken sie erschöpft, aber überhaupt nicht ängstlich oder traumatisiert, auch nicht apathisch und schon gar nicht irgendwie hysterisch. Sie wedeln beide leicht mit ihren Schwänzen und ich mache die Türen ein wenig auf, um sie zu streicheln. Noch müssen sie in ihren Boxen bleiben, bis wir das Flughafengelände verlassen haben. Mit drei Gepäckwagen voll mit Hundeboxen, Koffern und Reisetaschen schreiten wir zur Immigration (Einreise), wo wir uns in der langen Schlange einreihen. Als uns ein Ordnungshüter zu dem Schalter holt, wo normalerweise nur Crew-Mitglieder diverser Fluggesellschaften einreisen dürfen, sind wir erstmal sehr erfreut.

Seit 15 Stunden in der Box
Ein Zollbeamter kommt, läßt sich die Impfpässe der Hunde zeigen, wirft nicht einmal einen Blick hinein und sagt, daß die Hunde in Ordnung sind. Kein Tierarzt, der die Hunde untersucht, kein amtstierärztliches Gesundheitszeugnis nötig, nichts. So einfach habe ich es mir wirklich nicht vorgestellt. Anders bei uns Menschen, obwohl mein Mann auch gleich seinen Einreisestempel bekommt. Ich jedoch nicht. Angeblich habe ich das falsche Visum im Paß. Kurz gesagt, wir sitzen drei Stunden am Flughafen, die armen Hunde seit 15 Stunden in ihren Boxen und wir sind fast soweit, in den nächsten Flieger zu steigen und wieder nachhause zu fliegen. Total übermüdet haben wir fast keine Nerven mehr. Doch wieder scheint sich jemand meiner Tränen zu erbarmen und auf einmal bekomme ich einen Stempel und darf auch offiziell in Amerika einreisen.

Chaos Flughafen
Endlich dürfen die Wuffis aus ihren Boxen und die Begrüßungsfreude ist groß! Keine Erschöpfung und Müdigkeit mehr, sie strecken sich wohlig, zeigen trotz Lärmes am Flughafengelände keine Angst oder Nervosität. Sie benehmen sich so, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt, jetzt in Amerika zu sein. Während mein Mann die Boxen zerlegt, mache ich mich auf die Suche nach einer Wiese oder anderen Gassi-Möglichkeit, was sich jedoch sofort als unmöglich herausstellt, da der Flughafen eine einzige Baustelle und noch dazu von oben bis unten zubetoniert ist. Durch den extremen Lärm der Autos und Flugzeuge und der Menschenmassen, sind beide Hunde nicht dazu zu bewegen, wenigstens ein Lackerl zu machen.
Sie müssen wissen, meine Wuffis sind in dieser Hinsicht etwas eigen. Wenn sie nicht Ruhe, eine Wiese und Büsche haben und sich ohne Leine bewegen können, kann Gassi gehen eine wahre Tortur werden und endlos dauern. So wie auch hier, und so leid sie mir auch tun, weil ich weiß, daß sie eigentlich dringend ‚müssten’, ist es mir ein dringendes Bedürfnis, so schnell wie möglich von diesem Chaos-Flughafen wegzukommen.

Rent a car
Inzwischen hat mein Mann herausgefunden, daß die Autovermietung ein paar Kilometer außerhalb des Flughafengeländes liegt, man dort nur mit einem Shuttle-Bus hinkommt und diese unsere Hunde nur in der Box mitnehmen. Nachdem unsere Nerven bereits auf äußerste gespannt sind, bauen wir eine der Flugboxen wieder zusammen, stecken beide Hunde hinein, die nur mehr sehr widerwillig folgen und fahren mit dem Bus zur Autovermietung. Voller Freude, es nun geschafft zu haben, brechen wir fast zusammen, als wir vor uns eine endlose Schlange von Menschen am Schalter ‚unserer’ Autovermietung warten sehen. Ich zerre den letzten Rest meines positiven Denkens aus dem hintersten Winkel meines Gehirns hervor, setze mich nieder, scharre das Gepäck und unsere Hunde um mich und übe mich in Geduld, während mein Mann sich am hintersten Zipfel der Schlange einreiht.

Die erste Nacht
Wiederum zwei Stunden später, inzwischen ist es 20.00 Uhr geworden, erhalten wir endlich unser Auto, einen großen Geländewagen. Wir verstauen sämtliche Koffer, plazieren die Wuffis auf der Rückbank und verlassen dieses herrliche Flughafengelände, das uns die letzten sechs Stunden fast die Nerven gekostet hätte. Mit dem Wissen, daß es nach diesem Anfang nur mehr besser werden kann, fahren wir Richtung Süden. Inzwischen ist es dunkel geworden und wir haben kein Hotel gebucht. Also beschliessen wir, das nächst mögliche Motel zu nehmen. Nach ca. einer Stunde fahren wir vom Highway ab, zur Pazifik-Küste, entdecken den kleinen Ort Halfmoon-Bay und ein Motel. Endlich können wir Gassi gehen, hier gibt es eine zwar ziemlich eingetrocknete Wiese, aber es ist wenigstens ruhig und wir können die Hunde ohne Leine laufen lassen.
Nicht nur die Hunde sind sehr ‚erleichtert’, sondern auch ich: die Verdauung hat beim Flug keinen Schaden genommen. Nachdem wir zu müde sind und nicht abgewiesen werden wollen, fragen wir erst gar nicht mehr, ob Hunde im Hotel erlaubt sind, sondern schmuggeln unsere beiden heimlich ins Zimmer.

Am Pazifik
Es ist 6.00 Uhr und wir fühlen uns frisch und ausgeschlafen. Rodos und Bonita sind fröhlich und quietschlebendig, man merkt ihnen überhaupt nichts mehr von der anstrengenden Reise an. So wie sie wirken, haben sie keinerlei Schaden oder Trauma erlitten. Wir brechen eine halbe Stunde später auf  und fahren zur Küste. Dort entdecken wir einen menschenleeren Strand und genießen diese wunderbare Stimmung aus Morgennebel, aufgehender Sonne und tosendem Pazifik. Bonita ist außer sich vor Begeisterung und versucht Rodos zum Spielen zu animieren, doch leider ist er wie immer ein Morgenmuffel und kommentiert ihre Aufforderungen mit launischem Geknurre. Doch Bonita ist ein fröhlicher Hund und findet auch knurren lustig.

Highway Number 1
Schließlich ist es an der Zeit, weiterzufahren, da wir einen langen Weg vor uns haben. Unser erstes Ziel ist eine Ranch in Arizona, in der Nähe von Tucson. Dort haben wir ein Häuschen gemietet und werden zwischen unseren verschiedenen Reisen immer wieder dort hinkommen. Die Strecke ist ca. 1500 km und wir wollen in drei Tagen dort sein, ohne uns zu hetzen, da wir mit den Hunden öfter Pausen machen wollen. Also fahren wir wieder zurück auf dem Highway Number 1, einer berühmten und wunderschönen Route entlang der kalifornischen Pazifikküste, welche San Francisco mit Los Angeles verbindet. 
Die Landschaft entlang dieser Straße ist atemberaubend schön und schon bald haben wir alle Anfangsschwierigkeiten vergessen und beginnen, unsere Fahrt, unsere Reise und unseren langen Urlaub zu genießen. Rodos und Bonita liegen entspannt auf der Rückbank und machen ein Nickerchen. Oft bleiben wir stehen, sehen uns bei besonders schönen Stellen das Meer an, bewundern Leuchttürme und eine See-Elefantenkolonie. Rodos und Bonita sind beeindruckt von diesen riesigen Meeressäugern mit den hundeähnlichen Zähnen.

Hund in Hotel geschmuggelt
Die Suche nach einer Unterkunft gestaltet sich schwierig, da Labour-Day Weekend ist, ein grosser Feiertag in Amerika. Nachdem wir bei drei Motels nachgefragt und kein Zimmer gefunden haben, landen wir bei einem Motel, wo noch ‚Vacancy’ (frei) angezeigt wird. Jedoch steht gross an der Tür ‚No Pets’ (keine Haustiere). Leicht genervt parken wir vor der Zimmertür und bringen die Hunde dann unbeobachtet ins Zimmer, uns selbst einredend, daß das Schild sich lediglich auf den Rezeptionsbereich bezieht … Ich möchte hier bemerken, dass Rodos und Bonita unter keinen Umständen etwas kaputt machen oder durch Gebell stören. Wahrscheinlich gibt es wesentlich mehr menschliche Gäste, die sorgloser mit Moteleinrichtungen umgehen … Aber erklären sie das einmal einem hundefeindlichen Rezeptionisten.

Äusserlplatz in Santa Monica
Wieder stehen wir fit und ausgeschlafen sehr früh auf und fahren weiter nach Süden, bis wir Los Angeles erreichen. Vorher besuchen wir noch Arnie Schwarzeneggers Lokal ‚Schatzi’, ehe wir nach langem Suchen in Santa Monica einen eingezäunten ‚Hundeäusserlplatz’ finden. Alle Hundebesitzer laufen mit einem Schauferl herum, um die frischen Trümmerl ihrer Lieblinge gleich in den Abfalleimer zu schippen. Selbstredend, daß Bonita und Rodos in dieser Atmosphäre keine Anzeichen setzen, ihre Geschäfte zu verrichten. Wir ziehen wieder ab von dieser fantastischen Einrichtung für amerikanische Wuffis.

Wiener Hunde am Hollywood Boulevard
Nach einer Fahrt durch die Hügel von Beverly Hills (dort fanden wir endlich einen Wanderweg zum Gassigehen), landen wir auf dem Hollywood-Boulevard. Hier stellen wir fest, dass Bonni und Rodos offensichtlich die ersten  Mischlingshunde aus  Wien auf dem Hollywood-Boulevard sind. Rodos markiert eifrig den in den Boden eingelassenen Stern eines bekannten Schauspielers. Wahrscheinlich ist Rodos doch kein Fan dieses Künstlers.
Wir sind froh, aus dem Getümmel der Grosstadt hinauszukommen und erreichen nach weiteren drei Stunden Fahrt den Joshua Tree Nationalpark östlich von Los Angeles. Hier ist es noch sehr heiss – Wüstenklima! Trotzdem wirken nicht nur die Hunde erleichtert. Zum erstenmal bauen wir unser Zelt auf, die Hunde dürfen natürlich bei uns schlafen, nicht zuletzt aufgrund der Schilder, die vor Coyoten warnen.  Als es am späteren Nachmittag kühler wird, fangen wir an, diesen Abend zu geniessen und realisieren erstmals, dass wir am Ziel unserer Träume angelangt sind. Am nächsten Tag erreichen wir ‚unsere’ Ranch, wo wir letzten März auch geheiratet haben. Nun ist es noch schöner, da auch unsere Hunde dabei sind. Wir sind froh, einige Tage hier verbringen zu können, ehe wir auf grosse Tour durch den Südwesten der USA gehen. Davon erzähle ich im nächsten Teil von ‚Reisen im Rudel’ – im nächsten WUFF.

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