WTV: Petition gegen Wolf ist Affront

0
168
In Osttirol steht der Wolf einmal mehr im Kreuzfeuer der Kritik. (Foto © AdobeStock)

Wieder steht der Wolf am Pranger, diesmal in Osttirol: Dort wird dieser für einige Schaf- und Wildrisse der letzten Zeit verantwortlich gemacht, seine Ansiedelung generell nicht geduldet. In vielen Fällen scheint allerdings dem Vernehmen nach noch nicht einmal restlos geklärt zu sein, ob diese Tiere tatsächlich von einem Wolf, oder nicht von einem großen Hund gerissen wurden. Diese vagen Erkenntnisse allein reichen für einige Politiker aus, um umgehend Angst und Panik in der Bevölkerung zu schüren und in Tirol quasi zum Halali auf Wölfe zu blasen. Ein Tiroler Nationalratsabgeorndeter brachte diesbezüglich eine weitere Petition (es ist bereits seine dritte zu dieser Thematik) zur Senkung des Schutzstatus des Wolfs ein, um so genannte „Problemwölfe“ unbürokratisch entnehmen zu können oder anders ausgedrückt: um sich einen Freibrief für das problemlose Töten unliebsamer Lebewesen zu sichern. Eine Petition gegen Wölfe ist ein Affront gegen die richtigen Bemühungen auf EU-Ebene, den Artenschutz ernst zu nehmen, das ökologische Gleichgewicht in den Wäldern zu fördern und mit den Tier- und Naturschutzorganisationen zu kooperieren.“, sagt die Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins (WTV) Madeleine Petrovic.

Schutz großer Beutegreifer
Zur Erinnerung: Alle großen Beutegreifer, so auch der Wolf, genießen grundsätzlich einen hohen Schutzstatus. Österreich ist unter anderem durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU dazu verpflichtet, entsprechend günstige Gebiete und Erhaltungszustände für Bär, Luchs und Wolf zu schaffen. Im „Bergwaldprotokoll“ der Alpenkonvention (ein völkerrechtlicher Vertrag zum Schutz der Alpen) befürwortet Österreich sogar eine Wiedereinbürgerung der großen Beutegreifer zur Wiederherstellung eines natürlichen Selektionsdrucks auf Schalenwild wie Reh oder Gämse.

Österreich hinkt hinterher
Darüber hinaus hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) erst im Oktober 2019 in einem Urteil festgehalten, dass eine Ausnahme vom strengen Artenschutz nur zulässig ist, „wenn es an einer anderweitigen Maßnahme fehlt,  mit der das verfolgte Ziel in zufriedenstellender Weise erreicht werden kann und die in der FFH-Richtlinie vorgesehenen Verbote beachtet werden.“ Gelindere Mittel sind etwa: Herdenschutzhunde, fachgerecht aufgestellte Schutzzäune – Maßnahmen, die in vielen anderen Ländern wie etwa der Schweiz längst gesetzt wurden, als absehbar war, dass eine Rückkehr des Wolfs bevorsteht. Österreich hinkt hier – wieder einmal – weit hinterher. Da eine Tötung mit Sicherheit den stärksten möglichen Eingriff darstellt, werden gelindere Mittel in diesen Fällen besonders genau zu untersuchen sein. (Quelle: OTS-Wiener Tierschutzverein)

TEILEN
Vorheriger ArtikelHundeattacken in NÖ und Kärnten
Nächster ArtikelDrei Wolfsrudel in Österreich
Martina Bartl
Martina Bartl ist erfahrene Hunde- und Pferdehalterin und seit rund 15 Jahren Journalistin. Sie hat sich auf die Fachgebiete Pferde & Reiten und auf Hunde spezialisiert.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT