WUFF-Serie (Un) Erwünschtes Verhalten: Wuffi als Dieb

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Hundetrainerin Liane Rauch und Hundepsychologe Thomas Riepe über das, was viele Hundehalter als die häufigsten „Verhaltensprobleme“ ihrer ­Hunde ansehen. Oft eher unerwünschtes hundliches ­Normalverhalten als echtes Verhaltens­problem, geben die beiden Hunde­experten und WUFF-Autoren konkrete Ratschläge für manchmal entnervte Hundehalter. Jeder der Autoren aus seiner speziellen Sicht. Im letzten Teil dieser Serie geht es um den Diebstahl von Gegenständen.

In der Wohnung auf dem Boden herumliegende Gegenstände stellen für den Hund hochinteressante Objekte dar. Man kann mit ihnen spielen, sie zerstören oder ­verstecken. Dass Hundebesitzer dies meist weniger ­lustig finden, liegt in der Natur der Sache. Liane Rauch und Thomas Riepe geben Tipps, wie man das Problem lösen könnte.

Liane Rauch: Schuhe, Kleidungsstücke und auch Handtücher sind für Hunde von großem Interesse. Es riecht nach Frauchen und Herrchen, dient als wunderbarer Schlafplatz oder Hund kann sich die Zeit damit vertreiben, indem er die Haltbarkeit dieser Dinge auf die Probe stellt.

Lösungsansatz Aufräumen!
Die Halterin eines Deutschen Schäferhundes hat mir mit breitem Lächeln im Gesicht erzählt, dass sie nun erst mal neue Schuhe kaufen muss, da ihr Junghund nun auch noch das letzte Paar ­zerfetzt hat. Wären die ­Schuhe in einem Schrank gewesen und hätte der Junghund, der auch noch gerade im Zahnwechsel war, Alternativen vorgefunden, wäre ein Neukauf von Schuhen nicht nötig gewesen. Aber vielleicht war ja gerade das im Interesse des Frauchens …

Thomas Riepe: Hier gehe ich ganz einfach vor. Zum Einen genau so, wie Liane Rauch es schildert. Ich verhindere den Zugang des Hundes zu Dingen, die er bevorzugt zerstören oder stehlen möchte. Zum Anderen bin ich aber auch der Meinung, dass man einem Hund durchaus sagen kann, dass er dieses oder jenes in Ruhe lassen möchte. Das kann ich über Körpersprache, auch ruhig mal über ein nachdrücklich gesprochenes Wort oder auch, wenn ich den Hund mal von dem „wegschiebe“, was er erobert hat. Mit klarer, für den Hund verständlicher Ausdrucksweise, aber komplett ohne Gewalt (wie „Klapsen“ oder ähnlichen Unfug) kann und sollte ich einem Hund mitteilen und mitteilen können, dass etwas für ihn tabu ist. Das ist übrigens eine gute Übung für den Hund. So lernt er, dass er nicht alles bekommen kann, was er möchte. Und er lernt auch, mit Frust umzugehen.

Das Fazit
Liane Rauch: Was mich verwundert hat ist, dass in einer Statistik unerwünschter Verhaltensweisen das „Anspringen“ an erster Stelle genannt wurde. Nach meinem Gefühl sollte „Aggression gegen andere Hunde“ am unerwünschtesten sein. Daran muss gearbeitet werden, denn es stellt eine Gefahr für Mensch und Hund dar.

Immer wieder fällt mir in meiner Trainerarbeit auch auf, dass das Training viel zu kurz und nicht wirklich konsequent durchgeführt wird. Es gibt tatsächlich Halter, die glauben, man könne dem Hund so was im Hau-Ruck-Verfahren ­austreiben oder das erledigt sich in kürzester Zeit. Mein Jungspund Metchley hat im Alter von etwa 1,5 Jahren angefangen, Vögel zu jagen. Heute ist er 2,5 Jahre alt und geht noch immer an der Schleppleine. Obwohl er inzwischen bei Vögeln perfekten Blickkontakt mit mir aufnimmt und sich sein Leckerchen abholt ohne den Vögeln zu folgen, ist es noch nicht an der Zeit, ihn vom Schlepper zu befreien. Erst wenn ich mir 100%ig sicher bin, dass er kein Jagd­verhalten mehr zeigt, darf er wieder ohne lange Leine ­laufen.

Als Hundetrainer kann ich nur erklären, WIE es geht. Die Arbeit, also das tägliche Training, Betonung auf täglich, muss dann schon der Halter leisten.
Den folgenden Abschlussworten von Thomas Riepe möchte ich mich voll und ganz anschließen.

Thomas Riepe: Abschließend möchte ich noch einmal ­darauf hinweisen, dass die hier von uns gegebenen Tipps nur An­regungen beim Umgang mit dem Hund und seinen „vermeintlichen Problemen“ sein können. Jeder Hund, jeder Mensch und jedes Mensch-Hundegespann sind nämlich einzigartig. Geprägt durch unzählige Umwelteinflüsse und ­individuelle Eigenschaften, sodass letztlich immer der Hunde­halter entscheiden muss, welche Tipps er nun umsetzt und wie er sich damit fühlt. Im Prinzip bin ich ein Freund davon, die Dinge nicht zu kompliziert zu sehen – in meinen Augen wird der Hundehalter heute mit Erziehungstipps schon zu sehr überfrachtet. So, dass alles mal angewendet wird und die Hunde stark durch dieses übertriebene Erziehen mehr leiden als nötig. Darum bitte ich Sie, auch mal auf Ihren Bauch zu hören und auch auf Ihren Hund – den Sie natürlich auch als Lebewesen respektieren sollten und ihm eigene Bedürfnisse zugestehen. Nicht immer alles so verbissen sehen und den Hund nicht zum Roboter erziehen wollen – dann entstehen viele Probleme erst gar nicht.

Also, ich bin für eine respektvolle Hundeerziehung, die nicht übertrieben ist und für Mensch wie Hund überschaubar bleibt. Allerdings bin ich ein großer Gegner der Ausbildungsmethoden, die leider immer mehr in Mode kommen und suggerieren, man könne mit EINER Methode jeden Hund in kürzester Zeit umfassend erziehen. Die Gesellschaft, die schnelle Lösungen fast verlangt und den immer funktionierenden Roboterhund fordert, springt auf solche Versprechungen unglaublich an – und oft „funktionieren“ die kurzen und schnellen Tipps von einigen „Hundeexperten“ auch. Aber das ist keine Zauberei, sondern  beruht schlicht auf Verängstigung, Verunsicherung und Unterdrückung der Hunde.

Die Hundetrainer, die mit Leinenruck (Entschuldigung, man nennt es ja heute „Leinenkorrektur“) und ­Züchtigung arbeiten, haben einen regen Zulauf. Warum? Weil sie einen schnellen Erfolg bei Hundeproblemen suggerieren. ­Allerdings einen teuer erkauften Erfolg! Mit dem Preis, dass Hunde Angst vor ihren Besitzern haben und durch die aggressive Behandlung, die ihnen widerfährt, irgendwann selbst aggressiv werden. Oft erst nach Jahren, weil sie Angst und Frustration lange unterdrücken können, doch irgendwann gelingt das vielleicht nicht mehr. Und dann liest man wieder in großen Lettern in allen Tageszeitungen, was ein Hund angerichtet hat – angeblich ohne Grund. Der Grund war in Wahrheit der Hundeexperte, der die schnellen Lösungen parat hatte und den Hund ­verängstigt, ­verunsichert, unterdrückt und gezüchtigt hatte. Und der Hundehalter, der das unreflektiert übernommen und ­weitergeführt hat.

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Liane Rauch

Liane Rauch arbeitet seit über 12 Jahren mit Hunden und führt seit 8 Jahren ihre eigene Hundeschule "Naseweis". Die Beziehung zwischen Halter und Hund ist zentrales Element und Philosophie ihrer Ausbildung.

Kontakt:
Liane Rauch,
Hundeschule Naseweis,
D-83512 Wasserburg am Inn
Mail: [email protected]
www.hsnaseweis.jimdo.com
Telefon: +49 (0) 8071/ 51942 -----------------------------------

Thomas Riepe

Thomas Riepe ist Hundepsychologe, Referent und Autor von Fachbüchern zum Thema Hundeartige. Den Schwerpunkt seiner Arbeit als Hundepsychologe hat er auf die Verbesserung der Kommunikation zwischen Mensch und Hund gelegt, sowie auf Resozialisierung von Hunden, die durch menschliches Fehlverhalten ausgelöste, übersteigerte Aggressionen zeigen. Kontakt:
Tel. +49 172 9491766
www.riepehunde.de

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