Zwei Goldmedaillen-Gewinner – WUFF Leserporträt: Auf den Hund gekommen …

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Im Turnierhundesport holen sich die beiden Hunde Keanu und ­Lenny mit ihrem Herrchen Uwe Raupach immer öfter den Sieger­titel. Doch das war nicht immer so. Eine schwere Erbkrankheit hatte den sportlichen Hundefreund in den Rollstuhl gezwungen. Nach monatelangem Hadern mit seinem Schicksal trat die Flat Coated Retriever-Hündin Keanu in Uwes Leben. Es war Liebe auf den ersten Blick – und der Beginn einer großartigen Hundesport-Karriere.

Der 48-jährige Uwe Raupach streichelt seine beiden Vierbeiner Lenny und Keanu. Erst vor drei Jahren ist er auf den Hund gekommen – und bereut seither davon keine Sekunde. Er strahlt, ist fit wie nie und erzählt von der Zeit vor seiner Krankheit. „Ich habe immer viel Sport gemacht, von Fußball, Schwimmen über Leichtathletik zu Karate." Mitte 30 verschlechterte sich jedoch sein gesundheitlicher Zustand und er musste mit dem Sport aufhören. 2004 dann der große Schock, aufgrund einer Erbkrankheit würde Uwe nicht mehr selbständig laufen können und daher in Zukunft auf den Rollstuhl angewiesen sein. Die ersten Monate nach dieser Lebensumstellung verfiel Uwe in eine Art Starre, wie er sagt, saß nur mehr vor dem Fernseher, verkroch sich in seinem Haus.

Die Hündin, die alles verändert
Doch dann entdeckte Uwe die fünf Monate alte schwarze Retriever­hündin im Internet, die sein Leben völlig umkrempelte. Er holte Keanu zu sich und ab diesem Tag kam wieder seine Lebensfreude zurück. Uwe versuchte, der quirligen Hündin alles zu bieten, was für einen Hund wichtig ist. Im Rollstuhl machte er sich auf die Suche nach einer guten Hundeschule und fand diese im Hundesportverein „Mensch & Hund" im Münsterland. Zuerst absolvierten sie gemeinsam den Welpen- und Junghundekurs, danach bestanden sie die Begleithundeprüfung. Voller Freude begann Uwe mit seiner Hündin Agility zu trainieren, doch merkte er schnell, dass dies für sie nicht der richtige Sport war. ­Keanu lässt sich nämlich nicht so gerne vorschicken und auch Uwe ist nicht so wendig, wie er es gerne möchte.

Im Januar 2012 bot der Hundesportverein im Winterprogramm Walken an. Strecken von 2 und 5 Kilometer waren hierbei gemeinsam mit dem Hund zu absolvieren. Uwe ­schaffte sich dafür ein sog. Handbike an, um schneller und wendiger sein zu ­können. Im Gegensatz zu einem ­Rollstuhl hat dieses Gefährt drei Räder und wird mittels Armantrieb bewegt. Mit einer seitlichen Stange, an der die Leine der Hündin befestigt ist, lehrte Uwe seine Hündin langsam, mit ihm zu laufen. Keanu ist eine schlaue Hündin, lernte daher auch schnell und brachte Uwe beim ersten Fünf-Kilometer-Winterläufercup des Landesverbandes Westfalen auf den ersten Platz.

Parahundesport – noch eine ­Seltenheit
Natürlich blieb es nicht bei einem Hund. Wenig später zog der Australian Shepherd-Rüde Lenny ein. Mit sechs Monaten war er zum Notfall geworden. In einem Keller gehalten, suchte er dringend einen Platz. Uwe zögerte nicht und holte sich den Vierbeiner ins Haus. Auch mit Lenny begann der sportliche Hundefreund zu trainieren und erkannte rasch das Potenzial des Tieres. „Wichtig beim Hundesport ist die Gesundheit des Hundes, eine abgeschlossene Begleithundeprüfung, ein Mindestalter von 15 Monaten und eben auch viel Spaß am Sport", weiß der Tierfreund.

Die Leidenschaft zu Hunden und sein Sportlerherz führten auch Uwes beiden Töchter, Stephanie und ­Svenja, zum Hundesport. Beide starten regelmäßig in den unterschiedlichsten Disziplinen wie Agility, Vierkampf oder Geländelauf. Svenja wurde mit nur 12 Jahren dieses Jahr beim Fünf-Kilometer-Geländelauf mit einer Bestzeit von 26,35 Minuten Landesmeisterin Westfalen. Letztes Jahr wurde sie mit Keanu Bundessiegerin in St. Wendeln. Also durch und durch eine Gewinnerfamilie im Hundesport.

Natürlich läuft es nicht immer so rund, und so verfängt sich ab und an mal die Leine in Uwes Rad. Er muss dann stoppen und verliert dadurch Zeit. Doch auch die Streckenauswahl kann für Uwes Handbike zum Risiko werden. Denn zu viel Schotter oder Steigungen sind für ihn schwerer zu meistern als für andere Sportler. Bis jetzt startet der 48-Jährige mit seinen Hunden als einziger Parahundesportler im DVG Turnierhunde-Sport (DVG, Deutscher Verband der Gebrauchshundsportvereine). Doch der Hundesportler wünscht sich bei den Turnieren mehr Menschen mit Handicap. „Mein erster Start auf der Bundessiegerprüfung in Hövelhof war eine Erfahrung, die ich nie vergessen werde. Der gewaltige Zuspruch, den ich da erhalten habe, ist nicht in Worte zu fassen! Es war überwältigend, von wie vielen Hundesportlern und Zuschauern ich angesprochen wurde. Es wäre schön, wenn mehr Menschen mit Handicap mitmachen würden."

Doch gibt es auch Neider, die manchmal maulen, dass Uwe mit dem Handbike wohl schneller unterwegs sein könne als die anderen zu Fuß. Doch diese Kritik nimmt Uwe gerne in Kauf. Er selbst hält den Geländelauf für Parahundesportler für ehr geeignet, empfiehlt aber auch andere Sport­arten wie Agility, Flyball oder Obedience. Hunde gehören beschäftigt, Menschen ebenfalls …

Sein Leben verändert
Lenny und Keanu haben Uwes Leben wirklich wieder zum Positiven verändert. Durch das ständige Unterwegssein, die Beschäftigung in der Natur, das Training mit den Hunden und die damit verbundene Freude konnte er trotz Handicap wieder Mut fassen. „Menschen mit Behinderung ver­kriechen sich gerne zu Hause", sagt der Hundefreund. Doch Hunde wollen sich bewegen und fordern das auch ein. So ist der Mensch auch gefordert und nimmt wieder Kontakt mit der Außenwelt auf. Seine zwei jungen Hunde halten Uwe wirklich fit. Sie sind ihm einfach nur ­Freunde, mit denen er Sport macht und gemeinsam Freude hat. Uwe fühlt sich in seinem Hunde­sportverein sehr wohl. Nun möchte er auch anderen Mut machen, im Hunde­sport durchzustarten. Auf ­seiner Homepage sammelt er Tipps und Infos für Hunde­sportler mit Handicap. Was der Hundesportler für unbedingt ­notwendig hält sind Geduld, ­Ehrgeiz, Leidenschaft und Kampfgeist. Uwe hat offensichtlich von allem, und ­darüber noch viel mehr, nämlich Freunde fürs Leben: Lenny und Keanu!

KONTAKT

Uwe Raupach

uwe@was-nun.comhttp://parahundesportler.de/

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